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Geld
und Ökonomie
Die
Gemeinwohl-Ökonomie www.gemeinwohl-oekonomie.org/
Die Gemeinwohl-Ökonomie entstand aus einer Alternative zu
systemischem Wachstum und Konkurrenz wurde eine Bewegung, die
Theorie wurde zur Praxis.
In
Italien gibt es schon eine ethische&demokratische Bank: banca etica
Das Geld
hat die Funktion, als Mitttel für den Austaushc von Waren und
Dienstleistungen zu wirken. Der Zineszins und die Spekulationen
haben zu einem Missbrauch des Geldes geführt, siehe auch das
Kapitel zum Thema Geld in
meiner Diplomarbeit von 1993.
In Europa ist es den Banken nicht möglich, zinslose Kredite
zu vergeben. Die einzige, aber durchaus zu empfehlende
Möglichkeit für zinslose Kredite liegt darin, direkt
zwischen Geber und Nehmer Kredite auszutauschen. Voraussetzung ist
dafür Vertrauen; Kredit kommt vom Wort "credere=glauben,
vertrauen" (Kredit="ich vertraue dir, dass du es schaffst, mir das
Geld nahc der vereinbarten Frist wieder zurück zu geben").
Demokratische Bank http://www.demokratische-bank.at
Zur Vertiefung:
Das Christian Felber: Auf
bestem Weg in den globalen Bankencrash
[Leserbrief in den Dolomiten, 25.9.2011] „pecunitis chronitis“ in Italien
Italien hat wirklich zwei Probleme, nämlich zum einen eine verantwortungslose Überschuldung und Verschwendung von Steuergeldern, die auch in Südtirol nicht halt macht, siehe Flughafen, zum anderen leidet Italien an der Krankheit „pecunitis chronitis“. An dieser leiden eigentlich alle Schuldner, seien es auch Staaten wie USA, Griechenland, oder Private und Firmen: Die Zinseszinsen erschweren die Rückzahlung oder verunmöglichen sie. Andererseits glauben wir immer noch das Märchen, Geld könne für uns „arbeiten“, und es vermehre sich von alleine. Darauf sind viele Pensionsversicherungen aufgebaut. Die wundersame Geldvermehrung gibt es aber nicht, dafür sind aber Crashs vorprogrammiert, wenn die virtuellen Finanzvermögen ein vielfaches der realen Wirtschaft ausmachen. Diese Crash erleben wir gerade- vor ein paar Tagen hörte ich im Rai Sender Bozen, mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens seien ein paar Milliarden Euro verpufft. Eine reale Wirtschaft kann nicht über Nacht „verpuffen“. Unser Geld sollte wirklich wieder Tauschmittel werden, und nicht mehr der Spekulation dienen.
Ich sehe die Entwicklung des
Finanzmarktes und der Verschuldungen als große Gefahr für die
Demokratie: Staaten werden abhängig von den
Gläubiger-Staaten (USA von China, italien von China?, ...),
jene, die sowieso zu wenig haben, von denen, die sowieso zu viel
haben.
Dem muss mit allen politischen und insbesondere
direkt-demokratischen Mitteln ein Riegel vorgeschoben werden!
Gemeinwohl-Ökonomie
Der Erfolg von Unternehmen und
Organisationen wird nicht nur nach dem finanziellen Erfolg
gemessen, sondern auch nach dem Nutzen, welches es dem Wohl der
Allgemeinheit bringt.
Damit werden auch jene belohnt, die ihr Gebäude nach
baubiologischen Kriterien bauen.
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist weder das beste aller
Wirtschaftsmodelle noch das Ende der Geschichte, nur ein
nächster Schritt nach den Extremen Kapitalismus und
Kommunismus. Sie ist ein partizipativer Prozess, entwicklungsoffen
und sucht Synergie mit ähnlichen Ansätzen wie:
Solidarische Ökonomie, Economie sociale,
Gemeinschaftsgüter-Bewegung, Postwachstumsökonomie,
Vier-in-Einem-Perspektive oder Economic Democracy. Auch wir
Baubiologen können uns im Netzwerk einbringen.
Die folgenden 17 Punkte der
Gemeinwohl-Ökonomie wurden von Christian
Felber ausgearbeitet und daraufhin gemeinsam mit einem Kreis
von UnternehmerInnen weiterentwickelt, um eine konkreten und
sofort gangbaren Weg aufzuzeigen,
siehe auch http://www.gemeinwohl-oekonomie.org/
1. Die Gemeinwohl-Ökonomie beruht auf denselben Grundwerten,
die unsere Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung,
Kooperation, Wertschätzung, Demokratie, Solidarität.
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gelingende
Beziehungen das, was Menschen am glücklichsten macht und am
stärksten motiviert.
2. Der rechtliche Anreizrahmen für die Wirtschaft wird
umgepolt von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Kooperation und
Gemeinwohlstreben. Unternehmen werden für gegenseitige Hilfe
und Kooperation belohnt. Kon(tra)kurrenzverhalten bringt
Nachteile.
3. Wirtschaftlicher Erfolg wird nicht vorrangig in
Geldgrößen gemessen, sondern mit der
Gemeinwohl-Bilanz
(Unternehmensebene) und
dem Gemeinwohl-Produkt (Systemebene). Die
Gemeinwohl-Bilanz wird zur Hauptbilanz aller Unternehmen. Je
sozialer, ökologischer, demokratischer und solidarischer
Unternehmen agieren und sich organisieren, desto bessere
Bilanzergebnisse erreichen sie. Je besser die Gemeinwohl-
Bilanz-Ergebnisse der Unternehmen in einer Volkswirtschaft sind,
desto größer ist das Gemeinwohl-Produkt.
4. Die Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanzen erhalten
rechtliche Vorteile: niedrigere Steuern, geringere Zölle,
günstigere Kredite, Vorrang beim öffentlichen Einkauf
und bei Forschungsprogrammen etc. Der Markteintritt wird dadurch
für ethische Akteure erleichtert und ihre Produkte und
Dienstleistungen billiger als unethische, unfaire und
unökologische.
5. Die Finanzbilanz wird zur Nebenbilanz. Kapital wird vom Zweck
zum Mittel. Es dient nur noch dazu, den neuen Unternehmenszweck
(Beitrag zum allgemeinen Wohl) zu erreichen. Bilanzielle
Überschüsse dürfen verwendet werden für:
Investitionen (mit sozialem und ökologischem Mehrwert),
Rückzahlung von Krediten, Rückstellungen in einem
begrenzten Ausmaß; begrenzte Ausschüttung an die
MitarbeiterInnen sowie für zinsfreie Kredite an
Mitunternehmen; nicht verwendet werden dürfen
Überschüsse für: Ausschüttung an Personen, die
nicht im Unternehmen mitarbeiten; feindliche Aufkäufe anderer
Unternehmen; Investitionen auf den Finanzmärkten (diese gibt
es nicht mehr) sowie Parteispenden.
6. Da Gewinn nur noch Mittel, aber kein Ziel mehr ist, können
Unternehmen ihre optimale Größe anstreben. Sie
müssen nicht mehr Angst haben, gefressen zu werden und nicht
mehr wachsen, um größer, stärker oder profitabler
zu sein als andere. Alle Unternehmen sind vom allgemeinen
Wachstums- und vom Fresszwang erlöst.
7. Die Einkommens- und Vermögensungleichheiten werden
begrenzt: die Maximal- Einkommen auf z. B. das 20-fache des
gesetzlichen Mindestlohns; Privatvermögen auf z. B. 10
Millionen Euro; das Schenkungs- und Erbrecht auf z. B. 500.000
Euro pro Person; bei Familienunternehmen auf z. B. zehn Millionen
Euro pro Kind. Das darüber hinaus gehende Erbvermögen
wird als „Demokratische Mitgift“ an alle Nachkommen der
Folgegeneration verteilt: gleiches „Startkapital“ bedeutet
höhere Chancengleichheit. (Die genauen Grenzen sollen von
einem Wirtschaftskonvent demokratisch ermittelt werden.)
8. Bei Großunternehmen gehen ab einer bestimmten
Größe (z. B. 250 Beschäftigte) Stimmrechte und
Eigentum teil- und schrittweise an die Beschäftigten und die
Allgemeinheit über. Die Öffentlichkeit könnte durch
direkt gewählte „regionale Wirtschaftsparlamente“ vertreten
werden. Die Regierung soll keinen Zugriff/kein Stimmrecht in
öffentlichen Unternehmen haben.
9. Das gilt auch für die „Demokratischen Allmenden“, die
dritte Eigentumskategorie neben einer Mehrheit (kleiner)
Privatunternehmen und gemischt-besessenen Großunternehmen.
„Demokratische Allmenden“ sind Gemeinwirtschaftsbetriebe im
Bildungs-, Gesundheits-, Sozial-, Mobilitäts-, Energie- und
Kommunikationsbereich: die „Daseinsvorsorge“.
10. Eine wichtige Demokratische Allmende ist die „Demokratische
Bank“. Sie dient wie alle Unternehmen dem Gemeinwohl und wird wie
alle Demokratischen Allmenden vom demokratischen Souverän
kontrolliert und nicht von der Regierung. Ihre Kernleistungen sind
garantierte Sparvermögen, kostenlose Girokonten,
kostengünstige Kredite und ökosoziale Risikokredite. Die
Finanzmärkte in der heutigen Form wird es nicht mehr geben.
11. Die Erwerbsarbeitszeit wird schrittweise auf das mehrheitlich
gewünschte Maß von 25 – 30 Wochenstunden reduziert.
Dadurch wird Zeit frei für drei andere zentrale
Arbeitsbereiche: Beziehungs-
und Betreuungsarbeit
(Kinder, Kranke, SeniorInnen),
Eigenarbeit (Persönlichkeitsentwicklung, Kunst, Garten,
Muße) und politische und Gemeinwesenarbeit.
12. Jedes zehnte Berufsjahr ist ein „Freijahr“ und wird durch ein
bedingungsloses Grundeinkommen finanziert. Menschen können
hier tun, was sie wollen. Diese Maßnahme entlastet den
Arbeitsmarkt um zehn Prozent – die aktuelle Arbeitslosigkeit in
der EU.
13. Die repräsentative Demokratie wird ergänzt durch
direkte Demokratie und partizipative Demokratie. Der Souverän
soll seine Vertretung korrigieren, selbst Gesetze
beschließen, die Verfassung ändern und
Versorgungsbereiche – Bahn, Post, Banken – kontrollieren
können. In einer echten Demokratie sind die Interessen der
Vertretung und des Souveräns ident – Voraussetzung dafür
sind umfassende Mitgestaltungs- und Kontrollrechte des
Souveräns.
14. Alle Eckpunkte sollen in einem breiten Basisprozess durch
intensive Diskussion ausreifen, bevor sie von einem direkt
gewählten Wirtschaftskonvent in Gesetze gegossen werden.
Über das Ergebnis stimmt der demokratische Souverän ab.
Was angenommen wird, geht in die Verfassung ein und kann nur
wieder vom Souverän selbst geändert werden.
15. Neben dem Wirtschafts- oder Gemeinwohlkonvent könnten zur
Vertiefung der Demokratie weitere
Konvente einberufen
werden: Bildungs-, Medien-,
Daseinsvorsorgekonvent, ...
16. Um die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie von Kind an vertraut
zu machen und zu praktizieren, werden folgende Unterrichtsinhalte
eingeführt: Gefühlskunde, Wertekunde,
Kommunikationskunde,
Genderkunde, Demokratiekunde,
Naturerfahrens- /Wildniskunde.
17. Da in der Gemeinwohl-Ökonomie unternehmerischer Erfolg
eine ganz andere Bedeutung haben wird als heute und deshalb ganz
andere Führungsqualitäten gefragt sein werden, werden
die sozial verantwortlichsten und kompetentesten, die zum
Mitgefühl und zur Empathie fähigen, die über sich
hinaus sozial und ökologisch denkenden und fühlenden
Menschen tendenziell nachgefragt werden und als Vorbilder gelten.