|
[Achtung: ich
bin mit dem Digitalisieren dieser Diplomarbeit noch nicht
fertig, deshalb fehlen noch die meisten Bilder und ein fertiges
Layout]
Diplomarbeit
Revitalisierung von Dörfern in Soria
ausgeführt am Institut für Hochbau
für Architekten
der Technischen Universität Wien
unter der Anleitung von
o.Univ.Prof.Dipl.Ing.Dr.techn. Alfons Dworsky
durch
Bernhard Oberrauch
Anschrift:
Penegalstraße 21 A, I-39100 Bozen
Schönbrunnerstraße 149/36, A-1050
Wien
13. Mai 1994
Datum
Unterschrift
2., verbesserte und ergänzte Auflage
November 1994
Inhalt
Zur Geschichte dieser
Diplomarbeit
Die Provinz Soria im Herzen Kastiliens (Spanien) liegt
in einer reizvollen, sehr bewegten Landschaft. Das Einfache
und Karge fasziniert Schriftsteller und Künstler.
Prof.Ernst HiesMayr hielt sich
mehrere Sommer für ein paar Wochen in Medinaceli und den
umliegenden Dörfern auf, um unter der Anleitung des
Tiroler Malers Rainer Schiestl zu malen und zu zeichnen.
[1]
Die verfallenden Dörfer
taten ihm leid und er fragte sich, ob die lokale Regierung ein
Programm zur Erneuerung, zur Rettung dieser Dörfer
hätte, zumal an mehreren Stellen Tafeln herumstanden mit
dem Reizwort "revitalización".
So fragte er mich, ob ich nicht daran interessiert
wäre, die Gründe des Verfallens zu erforschen und
nachzufragen, was sie mit dieser Provinz vorhätten.
Bild 1:
Die Provinz Soria (Region
Castilla-Leon, Spanien)
Im Juli 1990 fuhr ich also nach Soria, fotografierte,
nahm einige der typischen Häuser auf, sammelte
Statistiken, sprach mit vielen
Leuten und gewordenen Freunden, befragte Politiker,
Beamte, Landwirte und Wirtschaftler.
Die massive Auswanderung und der rasante Verfall der
Dörfer hat bis jetzt allerdings nur Ratlosigkeit und
Resignation, aber keine Konzepte hervorgebracht.
Bild 2:
A) Espejo de Tera
B) Navapalos
C) Abioncillo de
Calatañazor
D) Arenillas
E) Sarnago
F) Velasco
Die Provinz Soria ist
nur ein Beispiel der Krise und des Verfalls
ländlichen Raumes, allerdings ein extremes. Hier hat die
volle Industrialisierung erst vor ca. 15 Jahren eingesetzt .
Für die Broschüre des internationalen Seminars
"Eigenständige Regionalentwicklung" (20.-22. Juni 1990,
Gruppe Angepaßte Technologie, Technische
Universität Wien) faßte ich die Situation in Soria
folgendermaßen zusammen:
Die Situation in Soria: eine
Zusammenfassung
"Soria (siehe Bild 1 und 2) ist eine hügelige und
bergige Provinz mit einer durchschnittlichen Meereshöhe
von 1000 m (Fläche: 10.000 km2; heute 97.268 Einwohner).
Soria erlebte in der Geschichte sowohl
arabischen, keltoromanischen als auch baskischen
Einfluß, was man an den Gebäuden wie auch angeblich
an der Mentalität der Leute feststellen kann.
Baudenkmäler arabischen Ursprungs findet man heute noch
viele, viele davon leider in katastrophalem Zustand. Baskische
Einflüsse kann man angeblich am Individualismus der
Sorianer sowie an einer Bauweise entdecken, die aus getrennten
Eingängen und, sei es auch nur durch einen Spalt von 50
cm, getrennten Häusern besteht.
Die Bevölkerung (siehe Bild 3) betrug 1900 150.462 Einwohner, erreichte 1950 ihr
Maximum mit 161.182 Einwohnern und verminderte sich seither
jedes Jahr um einen beträchtlichen Prozentsatz bis auf
97.268 Einwohner im Januar 1990. Die Hauptstadt Soria konnte
zwar einen Zuwachs verzeichnen, von 7.151 Einwohnern (1900)
auf 32.609 (1990), nahm aber trotzdem nur einen kleinen Teil
der Abwanderung aus den Dörfern (pueblos) auf, wo von
143.311 Einwohnern (1900) nur 64.659 (1990)
zurückblieben. Die meisten wanderten in die großen
Städte wie Zaragoza, Barcelona und Madrid.
Bild 3:
Bevölkerungsentwicklung der
Provinz Soria von 1900 bis 1990
Quelle: Amt für Statistik,
Soria; eigene Auswertung
-1918 Grippeepidemie => 4
Jahre Rückgang der Bevölkerung
-1920 - 1930 öffentliche
Bauten: Staudamm Cuerda del Pozo (1925) und Eisenbahn Burgos-
Calatayud, Stahlbrücke, neuer Bahnhof
in Soria Stadt:
Straßenpflaster, Wiederaufbau der Talsperre, Arbeiten an
der Plaza de Toros, Erweiterung des Schlachthofs,
Wasserleitung,...
=> auch viele Wohnbauten
-1936 - 1939 Bürgerkrieg
-> Diktatur General Francos
-ab 1943 Beginn der
Industrialisierung in anderen Provinzen, in Soria kein
spezieller Ausbau des sekundären Sektors
[2]
-1953 Beginn der Kommassierung
-1975 Tod General Francos -> Demokratie
-1990 von 477.000 ha sind 91%
kommassiert
[3]
Die Haupteinahmequelle bildet
die Landwirtschaft. Vor ca. 15 Jahren wurde auch hier mit der
Industrialisierung begonnen, weshalb heute ein enormer
Maschinenpark die Menschenkräfte ersetzt, ja sogar zum
Prestigeobjekt wurde.
Zum Vergleich: die Leistung
eines Traktors in Spanien beträgt durchschnittlich 50 PS,
die in der Provinz Soria 80 PS. In Soria wird
hauptsächlich Weizen in Monokultur angebaut und mit
Mähdreschern eingebracht, vereinzelt auch Sonnenblumen,
weiters wird Fleisch produziert (speziell vom Schaf und Rind).
Bild 4:
Beschäftigungszahlen
1988
Quelle: Amt für Statistik,
Soria; eigene Auswertung
Anhand der Zahlen im Bild 4 soll die bestehende
ökonomische Lage veranschaulicht werden: Im Bereich
Industrie arbeiten vor allem Kleinbetriebe, die das Holz der
Kiefernwälder im Norden der Provinz verarbeiten.
Zusätzlich gibt es in mehreren Dörfern und in der
Hauptstadt einige wenige Bäcker, Müller, Mechaniker,
Installateure, Tischler, Schlosser u.a., und zwei Betriebe,
die Pilze verarbeiten.
Bild 5:
Bild 6:
Im Bereich des Bauwesens wird zwar in der Hauptstadt
und in den größeren Dörfern gebaut, in den
vielen kleinen Dörfern aber verfallen sämtliche
Häuser (siehe Bild 5-6). Einzelne Baudenkmäler
werden zwar restauriert, andere hingegen verfallen völlig
(siehe Bild 7- 8).
Bild 7:
Einstürzende Kirche in
Velasco
Bild 8:
Decke arabischen Einflusses der
Kirche in Velasco
Die Straßen sind und
werden hingegen überraschend gut ausgebaut - es gibt
viele breite Straßen, auf denen täglich vielleicht
fünf Autos durchfahren.
Im Dienstleistungsbereich sind
relativ viele Leute beschäftigt, vor allem in den
unzähligen Banken, wo Geld, das nicht investiert wird,
deponiert wird - und das ist viel.
In den größeren
Dörfern sind Grundschulen vorhanden, die Oberschulen kann
man hingegen an einer Hand abzählen, der einzige Zweig
einer Universität in Soria wird in den kommenden Jahren
aufgelassen. Arbeitslose, vor allem Jugendliche, gibt es heute
viele, nicht alle sind als solche registriert.
Aus dieser Situation heraus
sehen vor allem junge Menschen keine Zukunft in den
Dörfern - es fehlt die Arbeit, die Weiterbildung und die
kulturelle Attraktivität. Öffentliche
Verkehrsmittel, wenn überhaupt vorhanden, funktionieren
völlig unzureichend, sodaß die Dörfer
völlig isoliert sind. Die Möglichkeit der
zukünftigen Entwicklung Sorias werden sehr
unterschiedlich eingeschätzt.
Der Ökonom Emilio Ruiz (Soria), dessen Meinung ich
mich auch persönlich anschließe, sieht die
Perspektiven folgendermaßen:
Die momentan herrschende und forcierte Zentralisation
und Quantitätsbezogenheit der Produktion erzwingt die
Ballung in großen Zentren (wie Madrid und Barcelona)
sowie ein Verschmelzen bzw. Aufkaufen von Betrieben, was
letztendlich zur Bildung von multinationalen Konzernen
führt. Kurz gesagt - eine quantitätsorientierte
Produktion fordert die Konzentration von wirtschaftlicher
Macht, die legendäre freie Marktwirtschaft wird zum
Schlachtfeld. Falls sich diese Orientierung in der EG nicht
ändert, werden die meisten der 500 Dörfer in Soria,
wenn überhaupt, nur mehr als touristische Erinnerungen
bestehen bleiben. Eine Dezentralisation, eine
qualitätsorientierte und diversifizierte Produktion
hingegen, verbunden mit dem Ausbau der öffentlichen
Verkehrsverbindungen, könnten ein zeitgerechtes Leben in
den Dörfern ermöglichen, und nur dadurch kann die
architektonische Substanz bewahrt bleiben. Die Landwirtschaft
wird auch weiterhin eine große Rolle spielen. Allerdings
müßten Monokultur und Kunstdüngereinsatz einer
Diversifikation und dem biologischen Anbau weichen. Weil fast
keine Industrie vorhanden ist, sind Luft, Wasser (abgesehen
von Nitraten) und Boden noch relativ sauber. Die
Kräuterproduktion ist auf dieser Meereshöhe von ca.
1000m sicherlich eine von vielen anderen interessanten
Alternativen.
Daß hauptsächlich
Fleisch und Weizen produziert werden, ist schon vorher
erwähnt worden. Daß so gut wie alle in Soria
glauben, es gäbe keine Alternativen dazu, ist
betrüblich. Es gibt zwar bis in den Mai hinein Frost,
doch eine Studie über das Gebiet von Yanguas [4] , ein Dorf im Norden der
Provinz Soria, besagt, daß für den Eigengebrauch
früher auch Knoblauch, Zwiebel, Bohnen, Kohl, sowie auch
Birnen, Äpfel, Pflaumen, Pfirsiche, Nüsse, Kirschen
und Sauerkirschen geerntet wurden. Weiters wurde das Getreide
auch im Fruchtwechsel mit Weide (Schafe, Ziegen, Kühe und
Pferde) angebaut.
Da Yangue nicht besser liegt als der Rest Sorias, ist
zu hoffen, daß Alternativen gefunden werden.
Früher waren die meisten Bewohner der Dörfer
in der Landwirtschaft beschäftigt, was heute nicht mehr
möglich ist. Eine ökologisch orientierte,
dezentralisierte Kleinindustrie könnte ebenfalls mit
Diversifikation und Orientierung an Qualität sowohl den
einheimischen als auch den europäischen Markt versorgen.
Ins Auge springende Marktlücken sind vor allem
Weiterverarbeitungen landwirtschaftlicher Produkte.
Hier einige Beispiele: Yoghurt wird außerhalb der
Provinz erzeugt, nämlich von den Konzernen Saintbury und
Nestle, obwohl in Soria selbst genug Milch produziert wird
(siehe Bild 9). Vollwertprodukte sind zwar gefragt, werden
aber kaum bzw. zu stark überhöhten Preisen angeboten
(ist gesunde Ernährung nur eine Modeerscheinung der
Elite?).
Bild 9:
Milchproduktion in Soria
Quelle: Amt für Statistik,
Soria; eigene Auswertung
Sobald es wirtschaftliche Aktivitäten in den
Dörfern gibt, entstehen auch Dienstleistungsbetriebe,
kurzum, die Dörfer werden wiederbelebt. Sobald Leute im
Dorf leben, sind auch kulturelle Aktivitäten kein Problem
mehr - die Attraktivität steigt. Sobald die
öffentlichen Verkehrsmittel gut funktionieren, kommen die
Dörfer auch aus ihrer Isolation heraus, was anders
ausgedrückt heißt: das, was die Stadt, speziell die
Großstadt, so anziehend gemacht hat, nämlich
soziale Kontakte, können die Dörfer dann auch
bieten.
Nun ein paar Worte zu den
Vorstellungen von Politikern und in der Verwaltung arbeitenden
Menschen.
Efren Martinez Izquierda vom
Partido Popular (PP), der in Soria regierenden Partei, vertrat
vor allem die Ansicht, daß es wichtig sei, Straßen
herzurichten und zu asphaltieren, Wasserleitungen zu schaffen,
Wände für eine Art Squash zu bauen und Schulen als
Gemeinschaftszentren herzurichten. Die Leute in Soria
hätten zwar Geld (mehr landwirtschaftliche Fläche
reicht für weniger Leute), die Verwaltung dagegen nur
wenig, weil das Geld nach der Bevölkerungszahl von der
Zentralregierung zur Verfügung gestellt wird. Es
stünden für die ca. 500 Dörfer nur ca. 600.000
- 700.000 Pts. zur Verfügung, daher könne man auch
nicht mehr machen. Es habe Studien über die
Diversifikation in der Landwirtschaft gegeben, aber die Bauern
wollten nicht.
In den 70er Jahren gab es
Kooperativen, die sich aus Individualismus auflösten. Er
würde gerne in Soria Strukturen für einen Tourismus
für reiche Leute schaffen, eben einen
"Qualitätstourismus", und keinen Massentourismus. Es gebe
genug Attraktionen, besonders die vielen Baudenkmäler und
die Natur.
Elias Arribas, der
Generalsekretär des PP, würde sich vor allem
für mehr Subventionen für die Landwirtschaft
einsetzen, auch die Strukturen verbessern und wirtschaftliche
Aktivitäten fordern. Ein Programm zur Rettung der
verfallenden Dörfer habe er aber nicht. Angesprochen auf
das Projekt eines nuklearen Forschungszentrums in Nubia, das
1980 bestand, aber von den Sozialisten blockiert wurde, als
sie die Mehrheit in der Zentralregierung erlangten, meinte
Arribas, daß der PP weder dafür noch dagegen sei,
obwohl man die Kernkraft aufgrund der Energieimporte Spaniens
nicht aus dem Auge verlieren dürfe.
Ich vermute, daß dieses
Projekt noch in einigen Köpfen des PP spukt, daß
diese unter anderem deshalb der Entvölkerung beinahe
tatenlos zusehen, denn wo wenig Leute wohnen, gibt es auch
wenig Proteste. Wie gesagt, ich vermute, "denn beweisen kann
man` s nicht" (Lied von Mackie Messer).
Carlos la Carcel vom Partido
Socialista Obreros Españoles (PSOE) meinte unter
anderem (als Privatmann, nicht als Politiker des PSOE),
daß es wichtig sei, Strukturen zu verbessern, damit die
Leute in den Dörfern blieben. Momentan gebe es mehr
Sorianer je in Zaragoza, Madrid und Barcelona als in Soria
selbst. Allerdings kämen viele von diesen in den Ferien
in die Heimatdörfer zurück, zu denen eine tiefe
emotionale Bindung bestehe.
Bild 10:
Wiederkehr im Sommer in Sarnago
Antonio Ruiz von der Union
Castellanista und Antonio Martin vom Centro Democratico y
Social (CDS) haben um einiges klarere Vorstellungen, die in
Richtung Qualität, Diversifikation und Dezentralisierung
gehen. Deren Parteien sind allerdings in der Opposition,
wodurch diese Ideen auch nicht verwirklicht werden
können. Es läßt sich leichter reden als
handeln.
Es gibt einige wenige Projekte zur Wiederbelebung von
Dörfern, bis jetzt nur Einzelfälle, trotzdem aber
ein wichtiger Anfang.
In Espejo de Tera (siehe Bild
11) wurde das Dorf von Leuten wieder aufgebaut, die ihre
tägliche Arbeit in Soria verrichten. In der Mehrheit also
Pendler, die in der Stadt arbeiten und im Dorf leben.
Bild 11:
In Navapalos (siehe Bild 12, 13) baut der deutsche
Architekt Erhard Rohmer
[5]
das vorher völlig
verlassene und verfallene Dorf zu einem Experimentierzentrum
für Lehmbauten auf. Dort finden nun Workshops, Seminare
und Tagungen zu Themen, wie Lehmbau, Wohn-Ökologie,
erneuerbare Energien, angepaßte Technologie,
ökologische Landwirtschaft und ganzheitliche
ländliche Entwicklungen statt.
Bild 12:
Bild 13:
In Arenillas gibt es einige
Bemühungen, das Dorf (land)wirtschaftlich und kulturell
wiederzubeleben
[6]
. In Abioncillo de
Calatañazor (siehe Bild 14, 15) gibt es ein sehr
interessantes Projekt, das ich kurz vorstellen möchte. Eine Gruppe von
jungen Lehrern hat sich 1983 zur "Cooperativa del Rio"
zusammengeschlossen und wieder Leben nach Abioncillo gebracht
[7]
. Seitdem werden hier Kurse
abgehalten wie Spanischkurse, Kurse über Botanik,
Zoologie, Ökologie, lokale Ökonomie,
Archäologie, Soziologie,
Volkskunde,
Volksarchitektur, Kunsthandwerk, Textilien, Kunstgeschichte,
Fotografie, Gastronomie, Spiele und Musik u.ä. Die
Kooperative hat ihre Einrichtungen ständig erweitert und
verfügt nun über eine Bibliothek, ein volkskundlich-
archäologisches Museum, Zeitungsdruck, einen kleinen
Radiosender, Video, 16 mm- Film, Diaprojektoren,
Arbeitsräume, Laboratorien, Einrichtungen für die
Unterkunft und Verpflegung von 50 Personen.
Die Lehrer sind ein liebevolles
Team, pädagogisch fähig, beherrschen einige
Fremdsprachen, sind unternehmungslustig, was sich auch in
ihren vielfältigen Exkursionen auswirkt. Mögliche
Ziele sind
Archäologische
Fundstätten (paläolithisch, neolithisch,
keltiberisch und römisch); mittelalterliche Dörfer
und Festungen: Die besondere romanische Kunst im Inneren
Sorias; Orte traditioneller Magie; Gregorianische Gesänge
in einem Kloster; Schluchten, Wege und Pfade
(mittelalterlicher Viehtreiber); Höhlen und Gebirge;
urheimische Wälder (Sadebaum, Steineiche); verlassene
Dörfer; sorianische Hochlandebenen.
Bild 14:
Bild 15:
Abschließend wage ich die
Behauptung, daß die Provinz Soria als ein Beispiel (wenn
auch ein extremes: sie ist die am dünnsten besiedelte
Provinz Westeuropas) für allzuviele Gegenden der Welt
gelten kann. Trotz
der
katastrophalen Lage, in der sie sich befindet, haben doch
einige der dort lebenden Menschen ein paar der vielen
Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und zu beschreiten
versucht, und andere werden folgen."
[8]
Ein Ansatz: ein international -
lokales Seminar zur Regionalentwicklung
Im Oktober 1992 nahm ich an einem internationalen
Studentenseminar für Dorf- und Regionalerneuerung in
Podsreda (Slowenien) teil. Die Studenten lebten in diesem Dorf
und erarbeiteten unter der Anleitung ihrer Betreuer
architektonische Projekte im Zusammenhang von regionaler
Entwicklung. Da ein solches Seminar dort schon zwei Jahre
vorher stattgefunden hat, konnten wir schon die Entwicklungen
des Dorfes und ihrer Mitglieder bestaunen, die durch eben
dieses Seminar ausgelöst wurden. Für uns Studenten
war das eine sehr wertvolle Erfahrung, die zeigte, daß
mit viel Geduld und Geschick auch Architekten zur
Regionalentwicklung beitragen können.
Dies brachte mich auf die Idee, auch in Soria die
Organisation eines solchen Seminars anzuregen, allerdings
nicht nur mit Architekturstudenten, sondern auch mit Studenten
der Raumplanung, Geographie, Landwirtschaft, Forstwirtschaft
und Wirtschaft. Zu diesem Zweck verschickte ich Ende
Jänner 1993 an Bekannte, Planer, Politiker, Beamte und
Institutionen in Soria folgenden Brief mit einem Anhang vom
Seminar in Podsreda. (siehe folgende Seiten)
Die wenigen eingetroffenen Antworten gaben
größtenteils nur an, an welche Stellen ich mich
sonst noch wenden könnte. Eine Antwort, wie ich sie mir
erhofft hatte, traf nicht ein.
Ich tröstete mich mit der
Annahme, daß das Medium Brief für die spanische
Mentalität nicht geeignet sei, was auch schon Prof.
HiesMayr und mein Betreuer, Prof. Dworsky, erfahren hatten.
So fuhr ich im Juli 1993 wieder nach Spanien mit einem
Konzept in der Hand (siehe folgende Seiten), um im
persönlichen Gespräch Interessenten für das
Seminar zu suchen.
In Madrid traf ich mich mit Alejandro Cordoba Largo,
aus Soria kommender Sozialwissenschaftler und Autor des 1983
erschienenen Buches "La despoblación en Soria: sus
causas y efectos", worin er die Ursachen und Folgen der
Entvölkerung Sorias gut und ausführlich beschreibt.
Darin heißt es, das größte Hindernis einer
Weiterentwicklung seien die Resignation und die geistige
Depression, ein "Sich begraben lassen noch vor dem Tod" als
Folge und Ursache zugleich der kontinuierlichen Auswanderung:
"Ciertamente el desarollo de la provincia es difícil.
Pero las limitaciones a ese desarollo están, tanto o
más que la ausencia de grandes fábricas, en la
estructura de edades tan alterada a que ha dado lugar una
emigración sangrante que se ha llevado a muchos de sus
abitantes, y con frecuencia los más dinámicos y
emprendedores. La limitación a ese desarollo
está en la pasividad existente; en la certeza, en un
ambiente deprimido, de que nada se puede hacer por el futuro
de la provincia; en la postura continuamente defensiva de
andar salvando lo ya existente y nunca emprendiendo proyectos
nuevos; en la decisión de enterrar la provincia,
aún antes de haber muerto; en el ambiente en el que
todo es muerte, muerte, muerte, muerte...
[9]
. Alejandro Cordoba Largo ist
offensichtlich auch vor diesem Ort der Resignation
geflüchtet, in eine Stadt, die ihm eine der Ausbildung
adäquate Arbeitsmöglichkeit bot. Er sagte allerdings
seine Mitarbeit bei
meinem geplanten Seminar zu, meinte, wenn es gelänge, die
Resignation zu überwinden, sei die Sache schon gewonnen.
Bild 16:
Sind alte Leute die einzigen,
die im jetztigen Soria leben wollen?
Weiters hatte ich drei Tage Gelegenheit, mit dem aus
Deutschland stammenden Architekten Erhard Rohmer unsere
gegensätzlichen Standpunkte in der Regionalentwicklung zu
formulieren und zu besprechen. Rohmer hat in Berlin
Bauingenieur und Stadt- und Regionalplanung studiert, lebt
seit ungefähr elf Jahren in Spanien, ist Präsident
der "Asociaciación de Amigos de la Arquitectura
Autoctona y Tradiciones Populares" in Madrid, hat in dem
vollkommen verlassenen Dorf Navapalos bei Burgo de Osma ein
Forschungszentrum für Lehmbau und alternative
Energiequellen aufgebaut (siehe auch weiter oben). Seit zehn
Jahren versucht er, Navapalos wieder aufzubauen, allerdings
sind seit zwei Jahren die einzigen Bewohner zwei seiner
Arbeiter. Sein Ziel ist es, Navapalos zu einem internationalen
Kongreßzentrum zu machen, Adressat seiner Forschungen
ist die Dritte Welt, die Geldgeber und Förderer befinden
sich außerhalb der Provinz Soria, auf höchster
Ebene: der Prinz von Spanien und einige hohe Staatspolitiker.
Die Beziehungen zu Leuten und zur politischen Szene in Soria
selbst waren bis dato nicht besonders ausgeprägt. Sein
Entgegenkommen und die Auseinandersetzung mit ihm haben mir
sehr geholfen, die Richtung zu klären, in die ich gehen
will und das
Lebensgefühl in dem Spanien von heute zu verstehen, das
geprägt ist von Konkurrenzkampf, Arbeitslosigkeit und
Resignation.
Lebendige Dörfer sind
Teil von lebendigen Systemen
Ich erwarte mir von einer Revitalisierung von
Dörfern, daß sie von unten kommt und deshalb auch
von den Bewohnern getragen wird, daß sie mit einer
Übung zur Demokratie entsteht und somit zu einem
Bewußtsein der eigenen Werte und der Achtung vor Anderen
und Anderem und der Umwelt führt. Revitalisierung
bedeutet für mich nicht nur eine Wiederherstellung von
Bauten und Kunstdenkmälern, sondern besonders den Weg zu
einer neuen Lebendigkeit
in den Dörfern und der Provinz.
In Soria selbst unterbreitete ich das Konzept des
Seminars (siehe folgende Seiten) sowohl den von früher
bekannten, als auch weiteren Personen des öffentlichen,
wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Die meisten waren
durchaus hilfsbereit, aber ich wollte keine Hilfe. Ein solches
Seminar zu veranstalten, ist ein großer, zeitintensiver
Aufwand, was nicht vom Ausland aus geschehen kann.
Außerdem wollte ich mich nicht aufdrängen, denn zu
einem erfolgreichen Gelingen braucht es schon ein
Mindestmaß an Willen und Eigeninitiative. Meine
Mitarbeit muß sich darauf beschränken, Studenten
und Professoren aus anderen Ländern zu organisieren und
meine eigenen Ideen und meine Person mit einzubringen.
Letztendlich fand ich vier Personen, die sich daran
interessiert zeigten, ein solches Seminar zu organisieren:
einen leitenden Angestellten der Raiffeisenkasse, der "Caja
Rural de Soria"; einen jungen, unternehmungslustigen Mann von
"Ociotur", die u.a. Sportkurse in der Natur und Ausflüge
in der Provinz von Soria organisieren; einen Angestellten der
Jungbauern, der "Jovenes Agricultores"; einen Professor
für Geographie in Soria.
Es war von mir geplant, daß für den Fall,
daß das Seminar zustande kommt, dessen Dokumentation
Bestandteil der Diplomarbeit würde. Für den Fall,
daß es nicht zustande kommt, muß ich mich darauf
beschränken, mein eigenes Konzept auszuformulieren- ob
und wie die Leute in Soria daraus einen Nutzen ziehen
können, wird sich noch erweisen.
Eingetreten ist der letztere
Fall, was auch die Frage der Rolle von außen kommenden
Architekten aufwirft, wenn die Revitalisierung von
Dörfern im Zeichen der Selbsthilfe stattfinden soll.
Selbsthilfe kann man nicht von außen planen (dies
wäre ein Widerspruch in sich), nur Vorschläge und
Vorarbeiten können von außen kommen. In dieser
Weise werden die lokale Bevölkerung und die lokalen
Kulturen Teil des Projekts.
Von außen kommende Planer werden immer
Ausländer und damit Außenseiter bleiben, auch wenn
sie noch so lange schon ansässig sind. Es kann für
sie schmerzhaft sein, ist aber auch mit Vorteilen verbunden.
Ein "Unsriger" wird bei Planungen, die irgendjemanden
unangenehm berühren, manchmal geschlagen, ein
"Außenseiter" jedoch wird nicht "verstanden" und
genießt die Narrenfreiheit.
Die Architekten werden sich in Zukunft nicht auf
Einreich- bis Flächenwidmungspläne beschränken
können, sondern werden sich auch mit Aktionsplänen
auseinandersetzen müssen. Diese werden zwar
unschärfer ausfallen als die gewohnten Pläne, sind
aber dadurch um einiges flexibler und lassen die gesteckten
Ziele letztendlich auch genauer erreichen.
Sie sind deshalb
unschärfer, weil sie die Betroffen mit einbeziehen, und
Menschen kann man eben nicht kalkulieren.
Die Betroffenen schaffen ihre eigenen Regeln und
Begrenzungen mit, sie erarbeiten ihre Ziele. Planer
können nur Hebamme spielen. Die Durchführung kann in
den Details nicht vorausgeplant werden, sie muß sich
nach den Zielen orientieren und somit flexibel bleiben.
Sorias Entwicklung
von 1900 bis 1990
Soria kann in drei Bereiche
eingeteilt werden:
1) Der zentrale Bereich,
"comarca central", liegt zwischen 800 und 1000 m
Meereshöhe, verfügt über große ebene
Flächen und somit über die am meisten
industrialisierte ("entwickelte") Landwirtschaft.
2) Der nördliche Bereich,
"comarca de pinares" und "tierras de San Pedro Manrique"
("Sierra pobre"), liegt zwischen 1000 und 2313 m
Meereshöhe und grenzt an die Provinz Burgos und
Logroño.
3) Der südöstliche
Bereich, "tierras de Agreda" und " Valle del Jalón",
liegt zwischen
1000 und 1500 m Meereshöhe und grenzt an die Provinzen
Guadalajara und Zaragoza.
Bild 17: Die Provinz Soria
Quelle: A.Cordoba Largo, S.23
Soria ist eine der am
dünnsten besiedelten Gebiete Europas, ist vorwiegend
land- und forstwirtschaftlich genutzt, große Teile
befinden sich auf über 1000 m Meereshöhe (siehe die
folgenden Tabellen).
Bild 18: Dichte in Einwohnern
pro km2, 1981, nach Zonen
Quelle: A.Cordoba Largo, S.59
Bild 19:
Soria ist ein Berggebiet
Quelle: A.Cordoba Largo, S.32
Das Klima in Soria
Aufgrund der zentral-
nordöstlichen Lage in Spanien und den vielen Bergen
ergibt sich das frische, kühle Klima, das die Spanier
schon immer ausgenutzt haben. Früher flüchteten
einige Schäfer mit ihren Schafherden vom heißen
Andalusien in das kühle Soria, heute verbringen viele
Touristen aus dem restlichen Spanien einige Wochen im Sommer
in diesem frischen Klima.
Bild 20:
Temperaturen
Quelle: A.Cordoba Largo, S.34
Bild 21:
Niederschlag
mittlerer Niederschlag in der
Region Castilla-León (1962-1971)
Quelle: A.Cordoba Largo, S.34
Die Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerung in Soria, im besonderen die der
Dörfer, ist schon seit den 40- er Jahren nicht mehr
wesentlich gewachsen -im Vergleich mit dem restlichen
Spanien-, seit den 70-er Jahren hat sie sogar drastisch
abgenommen.
Bild 22:
Die Bevölkerungsentwicklung
der wichtigsten Ortschaften
Bild 23:
Bild 24:
Bild 25:
Bild 26:
Jährliche Zunahme der
Bevölkerung (in %)
Bild 27:
Bild 28:
Bevölkerung einiger (bis
1981 eingegliederter) Gemeinden
Quelle: Amt für Statistik,
Soria; eigene Auswertung
Anmerkung: Die Zahlen 1900-1981
sind "Población de hecho", die von 1990
"Población de derecho"; z.B.: Calatañazor 1981:
70 "de hecho", aber 84 "de derecho".
Bild 29:
Emigration aus Soria
Bild 30:
Die Entwicklung der Wirtschaft
Diese Auswanderungswellen sind in engem Zusammenhang
mit der Beschäftigungsstruktur zu sehen. Die Menschen
arbeiten vorwiegend in den Bereichen Lebensmittel und Holz,
bis in den 70-er Jahren teilweise mit sehr arbeitsintensiven
Methoden- manche der Getreidefelder wurden damals noch mit der
Sichel geschnitten. Wegen der Entvölkerung wurden
Maschinen nötig, und wegen des stetig steigenden
Maschineneinsatzes verloren immer mehr Menschen den
Arbeitsplatz und wanderten aus.
Bild 31:
Monokultur braucht Kommassierung
Bild 32:
Nutzungen der Flächen (in
1000 ha)
Quelle: Anuario Estatistico
1989, Junta de Castilla y Leon. Consejería de
Economía y HaciendaServicio de Estudios; eigene
Auswertung
Bild 33:
Entwicklung des
Bruttoinlandproduktes nach Wirtschaftsbereichen
Quelle: A.Cordoba Largo, S.145
Bild 34:
Bild 35:
Art der Beschäftigung in
der Region Castilla-Leon in %
Quelle: El futuro
económico de la Cuenca del Duero, Universidad
International Alfonso VIII, Soria 1992. S.34
Die Landwirtschaft
Obwohl die Anzahl der Bauern aufgrund der
Industrialisierung zurückgegangen ist (mehr Ertrag auf
weniger Leute aufgeteilt), ist ihr Einkommen nach einer kurzen
Steigerung wieder zurückgegangen. Der Strukturwandel hat
sich nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa vollzogen.
Dabei war Quantität wichtiger als Qualität. Die
Überproduktion von Nahrungsmitteln drückt sich in
stetig sinkenden Preisen (und damit Einkommen der Landwirte)
und von oben verordneten und finanzierten
Stillegungsprogrammen aus.
Bild 36:
Preisindex für Konsum/
Lebensmittel/ Preise, die der Landwirt erhält
Bild 37:
Landwirtschaftliche Fläche-
Besitz, Pacht
Quelle: A.Cordoba Largo, S.131
Kommassierungen verfolgten den
Zweck, einem industrialisierten Anbau im Wege stehende
Hindernisse zu beseitigen. Solche Hindernisse sind vor allem
Grundstücksgrenzen und die damit verbundenen Hecken,
Sträucher, Steinhaufen, und ähnliche
Restflächen, die allerdings zugleich ökologische
Nischen waren.
Bild 38:
Kommassierung
Quelle: Ministerio de
agricultura, Soria; eigene Auswertung
Bild 39:
Bild 40:
Bild 41:
Stillgelegte landwirtschaftliche
Flächen
Quelle: El futuro
económico de la Cuenca del Duero, Universidad
International Alfonso VIII, Soria 1992. S.212
Was wird in Soria angebaut
Bild 42:
Anbausorten: bewässerte und
nicht bewässerte Flächen (in ha)
Quelle: Anuario Estatistico
1989, Junta de Castilla y Leon. Consejería de
Economía y Hacienda
Bild 43:
Anbausorten: Ertrag (in Tonnen)
Quelle: Anuario Estatistico
1989, Junta de Castilla y Leon. Consejería de
Economía y HaciendaServicio de Estudios; eigene
Auswertung
Bild 44:
Ertrag pro Fläche: bewässerte und
nicht bewässerte Flächen (in kg/ha)
Quelle: Anuario Estatistico
1989, Junta de Castilla y Leon. Consejería de
Economía y HaciendaServicio de Estudios; eigene
Auswertung*(nach eigenen Berechnungen)
Viehwirtschaft
Bild 45:
Quelle: Anuario Estatistico
1989, Junta de Castilla y Leon. Consejería de
Economía y HaciendaServicio de Estudios; eigene
Auswertung
Bild 46:
Honig und Wachs
Quelle: Anuario Estatistico
1989, Junta de Castilla y Leon. Consejería de
Economía y HaciendaServicio de Estudios; eigene
Auswertung
Bild 47:
Die Entwicklung des
Tierbestandes [in 1000 Tieren]
Rinder, Schafe und Ziegen;
Schwein, Pferd, Muli und Esel:
Quelle: A.Cordoba Largo,
S.140-141.
Die Unternehmen in Soria
Während die heutige Landwirtschaft zum
größten Teil auf Export ausgerichtet ist, decken
die sonstigen Unternehmen hauptsächlich die
Bedürfnisse der eigenen Provinz.
Bild 48: Unternehmen 1982: Anzahl,
Beschäftigte
Bild 49:
Unternehmen 1982: Anzahl,
Beschäftigte in %
Quelle: A.Cordoba Largo, S.184;
eigene Auswertung
Es passiert öfter, daß die gegenwärtige
Art des Wirtschaftsdenkens und des Wirtschaftsystems beim
Versuch der Lösung drängender Probleme vom Regen in
die Traufe führt, mit oft absurd anmutenden
Lösungen. Zum Beispiel in der Landwirtschaft. Die
Mechanisierung und der Kunstdünger- und Pestizideinsatz
hat eine Massenproduktion ermöglicht, die zur Ideologie
geworden ist. Die damit entstandenen Strukturen machen
Lebensmittelanbau in Berggebieten wie in Soria, aber auch in
den Alpen "unrentabel". In diesen Gebieten sollen die
Landwirte dafür bezahlt werden, daß sie
landwirtschaftliche Flächen stillegen, das heißt
anders ausgedrückt, daß sie bezahlt werden
dafür, daß sie nichts tun. Eine für Menschen
unbefriedigende "Beschäftigung".
Das Bedürfnis nach einer sinnvollen
Betätigung scheint eine Konstante bei Menschen in Europa
zu sein. Die Beobachtung zeigt, daß auch
Frühpensionisten oft nach einer Betätigung suchen,
die dann "Schwarzarbeit" genannt wird. Auch alte Personen sind
glücklich, wenn sie sich im Rahmen ihrer
Möglichkeiten sinnvoll betätigen können.
Bild 50:
Die Suche nach sinnvoller
Beschäftigung ist eine Konstante
Auf der anderen Seite wird in anderen Gegenden in
Überstunden über den Bedarf produziert, und
über die Grenzen, die die Umwelt verträgt.
Die Absurdität unserer ökonomischen
Strukturen beschreibt E.F. Schumacher so: "Diese
ungewöhnliche Situation resultiert zum Teil aus unserer
Gewohnheit, uns in Produzent und Konsument zweizuteilen, die
in zwei verschiedenen Welten leben und von zwei verschiedenen
Wertsystemen beherrscht werden.
Als Produzent, sei es in der
Fabrik, in der Werkstatt, im Büro, stehe ich unter
ständigem Druck, »Zeit zu sparen«. Als
Konsument, außerhalb der Arbeitszeit, verschwört
sich alles, mich dazu zu bringen, »Zeit
totzuschlagen«.
Als Produzent muß ich
haushalten, »Luxus« meiden- sogar für
Teepausen muß ich um Entschuldigung bitten. Als
Konsument wird mir durch die Gehirnwäsche der offenen und
versteckten Verführer nichts als Vergeudung,
Vervielfachung des »Luxus« und Nachsichtigkeit
gegenüber immer kunstvolleren Teepausen eingebleut.
Erbarmungslose
Nützlichkeit: grenzenlose Nutzlosigkeit; Disziplin:
freies Gewährenlassen; minimale Rücksicht für
persönliche Eigenarten: maximale Rücksicht
gegenüber persönlichen Verschrobenheiten- so sind
wir darauf eingestellt, Attitüden und Rollen
kontinuierlich zu wechseln, und geraten wahrscheinlich in den
größten Zwiespalt, sollten wir irgendje die beiden
Rollen tauschen und uns zum Beispiel als Konsumenten
verhalten, wenn erwartet wird, daß wir uns wie
Produzenten verhalten. Arbeit ist etwas entmenschlichtes
geworden, und noch so viel Nachsicht während der
sogenannten Freizeit kann für den Verlust nicht
entschädigen.
Nun, Professor Kohr glaubt und
argumentiert, daß das alles eine Menge, in der Tat
entscheidend, mit der Größe der Einheiten zu tun hat. Die
übelste der Mythologien moderner Ökonomie ist die
Mythologie der Größe, wobei als axiomatisch gilt,
daß groß »ökonomisch» und klein
»unökonomisch« ist. Das Lebensganze ist in
einen kafkaesken bösen Traum getaucht."
[10]
Alejandro Cordoba Largo hat
über sein Buch schon 1983 viele Ideen
veröffentlicht, zum Beispiel:
- Schulzentren über die
ganze Provinz verteilen
- Forschungs- und
Beratungsstellen für die landwirtschaftliche Entwicklung
einrichten
- Verbesserung und Ausbau der
Straßen zwischen den Dörfern (das einzige, was
verwirklicht wurde)
- Forschung und Experimentation
von neuen, angepaßten
Anbaumöglichkeiten
- Ausbau des sanften Tourismus
verbunden mit einem Kennenlernen der eigenen Tradition und der
eigenen kulturellen Reichtümer
- Aufbau einer umwelt- und
menschenverträglichen Industrie
Schon damals erkannte Alejandro Cordoba Largo,
daß es darum geht, daß die in der Provinz
verfügbaren Rohstoffe in der Provinz verarbeitet werden
und dem lokalen Markt zugänglich werden. Die Land- und
Forstwirtschaft könnte restrukturiert werden, die Arbeit
in diesem Bereich würde aufgewertet, um diesen Bereich
herum könnte eine Kleinindustrie entstehen. Weitere
Möglichkeiten liegen im Fischfang, in der Jagd, im
Tourismus und in der Kälte. Die Kälte, die bis jetzt
als Manko empfunden wurde, kann zum Moment des Stolzes und der
wirtschaftlichen Verwertung werden: die Frische im Sommer
macht das Leben leichter, der Schnee und das Eis im Winter
ermöglichen den ersehnten Wintersport.
"... aprovechando el insuperable
clima de verano y la existencia de parques y paisajes
bellísimos. Aprovechar, también, el frío
clima provincial, fomentar el esquí y el
montañismo y hacer que ese mismo clima se convierta en
motivo de orgullo y llegemos a utilizar publicitariamente el
hecho de que cada día la provincia aparezca en los
telediarios como el observatorio en el que se ha registrado la
temperatura más baja. Hacer, sí, que nuestro
frío seco sirva algo más que para aparecer en
los partes metereológicos y aprovecharlo para el secado
del chorizo, bacalao, etc. "
[11]
Mit den neuen, auch ökologischen, Techniken zur
Wärmedämmung und zur Nutzung passiver Sonnenenergie
kann das Innenraumklima der Häuser entscheidend
verbessert werden. Die Wärme innen macht die Kälte
außen zum angenehmen Erlebnis (siehe auch Bauweise ).
Einfache, aber effiziente Gewächshäuser
ermöglichen gerade im Klima und Berggebiet von Soria den Anbau
von vielen Gemüsesorten, und dies leichter geht als im
Mühlviertel in Österreich: "In einem mit einfachsten
Mitteln errichteten Gewächshaus gedeihen Auberginen,
Pfefferoni, Tomaten, Gurken, Radieschen etc. und liefern den
Nachweis, daß Gartenbau auch in ungünstigen
Berggebieten mit guten Deckungsbeiträgen möglich
ist."
[12]
In der Zwischenzeit hat sich gezeigt, daß so gut
wie keine dieser Ideen verwirklicht worden sind. Sie haben
keinen Anklang gefunden. Ich erkläre mir dies damit,
daß sie, obwohl eigentlich durchführbar, nicht auf
fruchtbaren Boden gefallen sind. Einerseits ist die
Fallgeschwindigkeit von geschriebenen Wörtern sehr
gering, andererseits ist der Boden nicht aufnahmefähig.
Das geistig depressive Klima und die ungünstigen
Rahmenbedingungen (d.h. immateriellen Strukturen) haben den
Boden ausgetrocknet. Mein Anliegen ist es, Möglichkeiten
zu finden, wie dieser Boden "bewässert" werden kann,
damit aus eigener Kraft wieder Früchte entstehen.
Für die in Soria lebenden Menschen kann es nicht
beglückend sein, von den Subventionen und Almosen der EG
zu leben. Erst ein lebendiges Wirtschaftsleben schafft es,
daß die Häuser und Dörfer am Leben bleiben.
Nichts als Fragen...
Werden ökologische Prinzipien in der Planung und
Benutzung einer Siedlung angewandt aus Idealismus oder aus
Notwendigkeit (rechtlich, finanziell,....)?
Von wem erwarten wir
betriebswirtschaftliches Denken, von wem volkswirtschaftliches
Denken?
Können wir es den Betrieben übelnehmen,
daß sie betriebswirtschaftlich denken?
Können wir es den
"Volksvertretern" übelnehmen, daß sie
volkswirtschaftlich denken?
Was sind Axiome des betriebswirtschaftlichen Denkens?
Energiepreise?
Materialpreise?
Arbeitsrecht?
Steuerrecht?
Umweltrecht?
Von wem und wodurch werden sie
bestimmt?
Voraussetzungen (Immaterielle
Grundstruktur):
Bodenrecht: Besitz: Gemeinde
Nutzung: individuell durch
Erbpacht
Mietrecht: Wohnen ist ein
Grundbedürfnis, kein Konsumartikel, wo Profit gemacht
wird
Genossenschaftsrecht:
Bauen, Arbeiten, Wohnen,
Landwirtschaftliche Produkte
Da die Produktion in Länder
mit niederen sozialen und ökologischen Erwartungen
verlagert wird, wird ein neues Genossenschaftsmodell
erforderlich (Beispiel siehe Italien: Lega delle cooperative),
anders ausgedrückt: Mitbestimmung im Managing.
Steuerrecht:
Material-und Energieeinsatz
werden stärker besteuert, Arbeitskraft weniger.
Geldsystem:
Ein zinsloses Geldsystem befreit
vom Zwang zu ständigem quantitativen wirtschaftlichen
Wachstum.
Verkehrsstruktur:
Prinzipien:
"Schutz
der Schwächeren vor den Stärkeren"
"Alle
Verkehrsteilnehmer haben gleiches Recht auf Benützung des
öffentlichen Raumes"
"Hochwertige, leichte Güter
(wie Gewürze und Informationen) dürfen weiterhin um
die Welt kreisen - niederwertige,
schwere Güter (wie Kartoffeln und Tomaten) sollen aus dem
nahen Umkreis kommen."
Organisierte Selbsthilfe:
Modell wie beim
Sonnenkollektorenbau in Österreich und Südtirol
Rechtsystem:
1) Islamisches Prinzip: "Nutze
alle Vorteile, nimm sie aber deinem Nachbarn nicht weg!"
betrifft Sonne, Luft, Aussicht, Wasser
2)"Wahrung des freien Marktes":
Der Europäische Gerichtshof bemüht sich,
Verzerrungen des freien Marktes entgegenzuwirken. Momentanes
Kriterium ist
- die Subventionierung von
Produkten bzw. Firmen
erforderliche weitere Kriterien
für inländische und ausländische Produkte bzw.
Firmen sind:
- Umweltverträglichkeit
- Lohnniveau
- Arbeitsschutz
- Sozialverträglichkeit
- Transportweg
- Folgekosten aller Art
Demokratische Strukturen:
Zukunftswerkstätten
Schulung des
selbstverantwortlichen Handelns in den Schulen
Übungszentrum für
gewaltlose Konfliktaustragung
effiziente Mitbestimmung
Eine zynische Entwicklung:
"Wir gehen mit der Erde um, als
hätten wir eine zweite im Kofferraum"
Wir haben eine zweite im
Kofferraum, nämlich die "virtuelle Stadt". Die Flucht aus
der Stadt , die Flucht aus der Wirklichkeit erreicht eine
weitere gewinnmaximierende Dimension.
Das Ziel meiner Bemühungen ist die Revitalisierung
von Dörfern in Soria. Die Erhaltung von Gebäuden und
Dörfern ist nur ein Teil einer Revitalisierung, denn von
einem Museumsdorf kann man nicht behaupten, daß es vital
sei. Die Einsicht um die Ursachen des Zerfalls führen zu
einem vernetzten Denken. Die Welt ist ein vernetztes System,
und Soria als Provinz ist in sich vernetzt und mit der Welt
vernetzt. Frederic Vester schreibt dazu: " Wenn man sich mit
Systemen beschäftigt, dann muß man zwangsweise die
Orientierung in seinem eigenen Fachgebiet radikal ändern.
Man darf nicht mehr in dieses Fach hineinschauen- mit dem
Rücken zur Welt, sondern man muß aus ihm
herausschauen. ... Dabei haben wir sehr bald eine eigenartige
Feststellung gemacht, nämlich, daß es offenbar
nicht nur Naturgesetze gibt, die die Dinge selbst betreffen,
wie die Physik und Chemie von Werkstoffen oder wie die Statik
eines Gebäudes oder die Funktionsweise eines Kraftwerks,
sondern, daß es auch Gesetzmäßigkeiten geben
muß- sozusagen Systemgesetze-, die sich immer der
wissenschaftlichen Betrachtung entzogen haben, weil sie
ausschließlich das Geschehen zwischen den Dingen
betreffen. ... Sobald verschiedene, bisher getrennte Elemente
zusammenkommen und eine organisierte Struktur, also ein System
bilden, kommen zu den wohlbekannten Gesetzen der
Einzelelemente
auf einmal jene Systemgesetze hinzu und fangen an zu arbeiten.
Sie sind es, die dann auf einmal weit mehr als die bekannten
Kausalgesetze die zukünftige Entwicklung des Systems
bestimmen: zum Beispiel sein Wachstumstendenz, seine Innen-
und Außenabhängigkeit oder seine
Störanfälligkeit, kurz sein Verhalten."
[13]
Wie komplex Systeme, wie vernetzt Regelkreise sein
können, zeigt folgendes Bild:
Bild 51:
Ausschnitt aus dem
Arbeitsprogramm einer menschlichen Körperzelle
[14]
Bild 51a:
Detailausschnitt dieses
Arbeitsprogramms
Die schlimme Situation in Soria macht auch die
Zusammenhänge zwischen den Systemen deutlich: die
Dörfer und Häuser verfallen, weil niemand mehr
drinnen wohnt, der sie pflegt; niemand wohnt mehr drinnen,
weil es nicht ausreichend bezahlte Arbeit gibt. Dies deshalb,
weil die Landwirtschaft nicht mehr so funktioniert wie
früher und weil die wirtschaftliche Entwicklung ganz auf
der Landwirtschaft aufgebaut hat. Die Landwirtschaft wurde so
stark industrialisiert, weil es zu wenig Arbeitskräfte
gab und weil Maschinen und Energie billiger waren als
Arbeitskräfte. Die Arbeitskräfte emigrierten, weil
die Landwirtschaft so stark industrialisiert wurde. Die
Dörfer sind deshalb so in der Provinz verstreut, weil sie
von landwirtschaftlich bebaubaren Flächen umgeben sein
mußten, weil die Landwirtschaft eben die
Haupterwerbsquelle bildete. Weil die Dörfer so klein und
verstreut sind, lebten die Menschen dort so abgeschieden. Um
die Landwirtschaft zu industrialisieren, wurde eine
Kommassierung notwendig. Die Kommassierung
berücksichtigte weder die natürlichen
Bodenverhältnisse, noch ökologische Räume wie
Hecken. Dadurch macht die Landwirtschaft sich von
Pestizideinsatz abhängig. Et cetera.
Wenn es keinen Wendepunkt in dieser Entwicklung gibt,
schaukelt sich dieses System durch positive Rückkoppelung
so weit auf, bis der Grenzwert erreicht ist, wo das System
umkippt. Die Grafiken von Frederic Vester veranschaulichen
nach meiner Meinung sehr gut die Mechanismen dieser Systeme.
Bild 52:
Rückkoppelungsarten
[15]
Bild 53:
Grenzpunkt und Wendepunkt
[16]
Diese Systeme sind
innerhalb noch weiter vernetzt, und außerhalb auch. Die
Zusammenhänge machen deutlich, daß es oft nicht
viel bringt, wenn man ohne das Wissen um die Vernetzungen
Reparaturen tätigt. Allerdings haben es Regelkreise auch
in sich, daß man zur Steuerung in einigen neuralgischen
Punkten ansetzen kann, weil die Systeme ja vernetzt sind.
Frederic Vester schreibt weiter: "In einem System
kommen wir ab einem gewissen Zeitpunkt mit den gängigen
Hochrechnungen niemals aus. Wir finden immer wieder
Fernwirkungen, Langzeitwirkungen, Irreversibilitäten,
Grenz- und Schwellübergänge, Resonanzphänomene,
Paradoxien und andere nichtlineare Wirkungen höherer
Ordnung. Weil es auf das Muster dieses Zusammenspiels aller
Lebensbereiche ankommt und nicht nur auf das betrachtete
Problem, werden die üblichen Prognosemodelle nie
funktionieren. Da diese immer wieder unvollständig
bleiben müssen - denn sonst müßten wir in der
Detaillierung bis hinunter zum einzelnen Atom gehen-, sind
Modelle der herkömmlichen Art grundsätzlich
überfragt. So wie bei der extrapolierten
Wettervorhersage, die trotz der in den letzten Jahren
vorgenommenen Anreicherung des Datenmaterials durch eine
Vertausendfachung der automtischen Meßstationen bei
einer über 24 Stunden hinausgehenden Prognose nach wie
vor über statistische Zufallstreffer nicht hinauskommt.
Die Art, wie wir die
Wirklichkeit betrachten, benötigt also eine neue
Dimension. Neben dem simplen Ursache-Wirkungs-Denken der
Vergangenheit, das sich an Einzelproblemen orientiert,
brauchen wir eine Hinwendung zu einem Denken in
größeren Zusammenhängen - zu einem
Verständnis jener komplexen Systeme, aus denen unsere
Welt besteht.
Wenn es um ein Erkennen des
Systems geht, dann helfen uns die vordergründigen Details
- so nützlich sie etwa für die Wahl der
späteren Operatoren einer Strategie sind- überhaupt
nicht. Im Gegenteil, je unschärfer sie werden, umso
deutlicher sagt uns das Bild, was es als Ganzheit darstellt."
[17]
Ich würde noch ergänzen: manchmal fällt
das Verhältnis von Aufwand und Nutzen von
wissenschaftlicher Akribie sehr schlecht aus, in anderen
Fällen erweist es sich als günstig.
Manchmal schaffen Experimente
mehr an Erkenntnisgewinn als fleißige Datensammlung und
-Auswertung, besonders, wenn das Verhalten von Menschen mit im
Spiel ist. In diesem Fall werden Prognosen oft sehr ungenau
und schießen am eigentlichen Ziel vorbei. Es kommt vor,
daß die Forderung nach sicheren Prognosen von Leuten mit
undemokratischer Absicht gestellt werden, schließlich
erspart die Beschäftigung mit dem Durchschnittsmenschen
ein sich Beschäftigen mit den sehr verschiedenen
wirklichen Menschen, die sich alles andere als konstant
entwickeln. Es ist bequemer, sich in Kisten mit Daten zu
stürzen, als sich in das politische Geschehen
einzumischen.
Frederic Vester hat
einen "Papiercomputer" entwickelt, mit dem die
Wechselwirkungen und die Schlüsselelemente herausgefunden
werden können.
[18]
Bild 54:
Der Papiercomputer
Dieses Übungsmodell ist hilfreich, folgende Fragen
annähernd zu beantworten:
Welches Element beeinflußt alle anderen am
stärksten, wird aber von ihnen am schwächsten
beeinflußt (aktives Element)? => höchste Q-Zahl.
Welches Element beeinflußt alle anderen am
schwächsten, wird aber von ihnen am stärksten
beeinflußt (reaktives Element)? => niedrigste Q-Zahl.
Welches Element beeinflußt die übrigen am
stärksten und wird gleichzeitig auch von ihnen am
stärksten beeinflußt (kritisches Element)? =>
höchste P-Zahl.
Welches Element beeinflußt die übrigen am
schwächsten und wird gleichzeitig auch von ihnen am
schwächsten beeinflußt (ruhendes oder pufferndes Element)? =>
niedrigeste P-Zahl.
Welches ist das am
stärksten beeinflussendes Element? => höchste
AS-Zahl
Welches ist das am meisten
beeinflußtes Element? => höchste PS-Zahl
AS=Aktivsumme, PS=Passivsumme,
Q=AS:PS, P=AS*PS
Die Bewertungen der Elemente werden nach subjektiver
Einschätzung vorgenommen, je nach dem vorhandenen Stand
des Wissens um die Wechselwirkungen.
0=keine Einwirkung
1=schwache Einwirkung
2=mittlere Einwirkung
3=starke Einwirkung
"Obwohl wir bei diesem Hilfsmodell nie alle beteiligten
Elemente berücksichtigen oder überhaupt kennenlernen
können und obwohl die Wechselwirkungen feiner bewertet
werden müßten, um eine stichhaltige Analyse und
Entscheidungshilfe zu geben, öffnet dieses Denkspiel doch
ein wichtiges Verständnis: die Einfühlung in die
fluktuierenden Zusammenhänge und in das empfindliche
Wechselspiel eines kybernetischen Systems ...Es sei
erwähnt, daß die Methode inzwischen mit Erfolg auch
über das »Spiel« hinaus in einer Reihe von
Projekten angewandt wurde und zur Ermittlung der
Schlüsselelemente von komplexen Systemen geführt
hat."
[19]
Arbeitsstrukturen und
Kooperativen
Spanien ist wie viele andere Länder auch mit dem
Problem konfrontiert, daß viele Produktionsstätten
in die "Dritte Welt" verlegt werden, weil dort die
Arbeitskräfte 10 bis 40 mal billiger sind als bei uns,
weil es dort Arbeiter- und Arbeitsschutz so gut wie nicht
gibt. Zudem gibt es keine scharfen Umweltgesetze, die die
Unternehmen zu mehr Rücksicht auf die Natur animieren
würden. Kurzum, es findet ein richtiges Sozial- und
Umweltdumping statt.
Gewinnbringend bleibt diese
Verlagerung der Produktionsstätten auch nur dadurch,
daß viele Kosten, die durch so weite Transporte
entstehen, auf Dritte abgewälzt werden: die
Infrastrukturen werden von der öffentlichen Hand
beigestellt, die Umweltschäden belasten die Allgemeinheit
und die nächsten Generationen und werden auch von beiden
zum Teil repariert, mit den räumlichen
Strukturveränderungen müssen auch die heutige und
die zukünftige Allgemeinheit fertig werden.
Besitzer und Arbeiter eines Unternehmens, dessen
Produktionsstätte in ein anderes Land verlegt wird, sind
meistens nicht in einer Personalunion. So betrachten die
Besitzer ihre Arbeiter nur als Mittel zum Zweck, zum Zweck der
Gewinnmaximierung. Wenn Erstere die Möglichkeit erlangen,
andere gewinnbringendere Mittel einzusetzen, und sofern die
Gesellschaft dies duldet, werden die weniger gewinnbringenden
Mittel dem Staat und sich selbst überlassen. Diese Mittel
werden dann zu arbeitslosen Elementen, zu Sozialschmarotzern,
die nur zu faul zum Arbeiten sind. Wer nicht arbeitet, ist
nichts wert.
Die einen sehen als Lösung dieses Problems eine
gerechtere Verteilung des Reichtums zum Beispiel durch die
Einführung eines Mindesteinkommens. Die Diskussion
darüber ist mindestens schon ein Jahrzehnt alt, aber
unsere Gesellschaft scheint nicht reif für deren
Umsetzung zu sein.
Die anderen setzen auf der individuellen Ebene an und
versuchen, den Menschen dabei zu helfen, daß sie ihr
Objekt- Sein abstreifen und sich im Subjekt- Sein üben.
In dieser Methode ist es nicht notwendig, sofort die ganze
Welt zu ändern, und doch bewegt sich die Welt. In
Ko-operativen, in den kleinen Strukturen der Zusammenarbeit,
sind Besitzer und Arbeiter der Unternehmen in Personalunion.
Solche Besitzer haben kein Interesse, den Arbeitern (=sich
selber) den blauen Brief zu schreiben. Wichtig ist dabei,
daß die Strukturen der Zusammenarbeit klein bleiben, und
dadurch überschaubarer, verständlicher und
erlebbarer sind.
Die Entwicklung von Kooperativen
und des Genossenschaftswesens
Die Genossenschaftsidee ist schon uralt, man denke auch
an die christlichen Urgemeinschaften.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) ist einer der
Entwickler im 19.Jahrhundert. Er initiierte den
Straßenbau als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung und
zur Anbindung der Landwirtschaft an regionale Märkte, den
Aufbau von Schulen und Volksbibliotheken, um die
Allgemeinbildung der Bevölkerung zu heben. Der
nächste Schritt war der Aufbau von Darlehenskassen und
von Genossenschaften und auch der Wohlfahrtspflege.
[20]
In Italien gibt es schon seit einiger Zeit den "Bund
der Genossenschaften", "lega delle cooperative", eine
Vereinigung, die sich die
Förderung zur Bildung von Genossenschaften zum Ziel
gesetzt hat. Darüber hinaus werden die Genossenschaften
laufend betreut und in ein System von Solidarität und
Demokratie eingebunden. Meineserachtens ist es wichtig,
daß Genossenschaften nicht zu groß werden, weil
sonst die Mitsprachemöglichkeiten von Einzelnen zu sehr
in der Masse verschwinden, was dazu führt, daß sich
die Mitglieder von der Organisation entfremden und die
Organisation Wege geht, die die Mitglieder gar nicht mehr
wollen. Auch hier gilt, was Leopold Kohr gesagt hat:
"Klein sein oder nicht sein, das
ist hier die Frage" und
"Was man im lokalen Bereich
machen kann, soll man im lokalen machen, was man im regionalen
Bereich machen kann, soll man im regionalen machen, nur was man
dort überall nicht machen kann, soll man im
internationalen Bereich machen";
Die Zitate sind sinngemäß übernommen
von Leopold Kohr (gest.28.2.1994), österreichischem
Kleinheitstheoretiker und -praktiker, alternativer
Nobelpreisträger.
[21]
Wie und ob Genossenschaften funktionieren, hält
von den Spielregeln ab, die dort eingeführt sind. Das
gilt nicht nur für Soria, wo ein paar Genossenschaften in
den 70er Jahren angeblich nicht funktioniert haben.
In Italien entstanden Genossenschaften in allen
Lebensbereichen, von der Bauwirtschaft zur Bildung, von der
Sozialversicherung zur Landwirtschaft. Den Arbeitern einer
Textilfabrik im Nonstal in Südtirol gelang es, den in
Konkurs geführten Betrieb von den Eigentümern zu
übernehmen und erfolgreich selbständig
weiterzuführen.
Weiters wurde START gegründet, ein Fond zur
Unterstützung, Förderung und Entwicklung des
Genossenschaftswesens, in den alle Genossenschaften 3 % ihres
Jahresgewinnes einzahlen, und wenn eine Genossenschaft sich
auflöst, geht das Restkapital in diesen Fond über.
[22]
Ein genossenschaftliches
soziales Netz
Die Gründung von genossenschaftlichen
Sozialversicherungen wurde in Italien notwendig, weil der
Staat durch Mißwirtschaft und Verschuldung mit der
eigenen Versicherung den Gesundheitsdienst nicht mehr erhalten
kann.
Den privaten Sozialversicherungen geht das Prinzip der
Solidarität und des sozialen Ausgleichs ab, sie bieten
nur so eine Art Sparbuch an: was hineingeht, kommt auch wieder
heraus. Wer vielleicht irgendwann mehr bräuchte, hat eben
Pech gehabt. Wer mehr einzahlt, bekommt den besseren
Gesundheitsdienst.
Die genossenschaftliche Sozialversicherung soll den
Bereich abdecken, den der Staat sich nicht mehr leisten will.
[23]
Überhaupt ist es auch in Soria sinnvoll, die
staatliche Sozialversicherung mit einer genossenschaftlichen
zu ergänzen, die allerdings weniger als Krankenkasse,
sondern mehr als Gesundheitskasse fungieren wird:
Hier werden auch Naturheilmethoden wie die
Homöopathie und Heilkräuter bezahlt, weil sie mit
kleinerem finanziellen Aufwand die Menschen gesünder
machen. Zudem verwenden sie lokale Ressourcen wie
Kräuter, das Wissen darum und die Kenntnis sonstiger
Heilweisen, wie die
der Homöopathie, der gesunden Ernährung, der
Kneippkuren (die Kälte Sorias, des Schnees und der Gebirgsbäche
zum Nutzen der Gesundheit und der Wirtschaft).
Weiters werden in Soria statt neuen Pflegeheimen dezentral liegende
Wohngemeinschaften von alten Leuten gebildet, die über
eine Station mit Krankenpflegepersonal verfügen. Ein Arzt betreut mehrere
solcher Wohngemeinschaften. Wenn solche Wohngemeinschaften im
ländlichen Raum liegen, können die alten Leute noch
einige Tätigkeiten ausüben, die ihnen Sinn geben und
für die Gesellschaft wichtig sind.
Mittel und Strukturen zum Austausch von
wirtschaftlichen Tätigkeiten
Auf der einen Seite ist es offensichtlich, wie viel
Arbeit und Ideen in die Provinz Soria hineingesteckt werden
könnten, damit es den Menschen und der Umwelt dort besser
geht, andererseits emigrieren viele Menschen aus Soria, weil
sie dort keine Arbeit finden, und in Spanien insgesamt gibt es
eine Arbeitslosigkeit von 20%.
Irgendwo und irgendwie ist der Austausch von
wirtschaftlichen Aktivitäten blockiert.
Mittel zum Austausch ist in
vielen Ländern der Welt das sogenannte Geld geworden. "Geld"
hängt mit "Geltung" zusammen, ist ein Mittel zum Ausdruck
dafür, welchen Wert wir gewissen Dingen und Arbeiten
zuerkennen. Insofern ist Geld immer relativ, es hängt von
unseren Wertvorstellungen ab, wieviel Geld ein bestimmter
Nutzen oder Schaden wert ist. Geld behält seinen
immateriellen Charakter, auch wenn wir Menschen im Lauf der
Geschichte versucht haben, dem Geld festere Formen zu
verleihen.
Arbeitsintensive Materialien wurden zum Maß. Wenn
sich die einen Kulturen mit Kaurismuscheln ein Maß
für den wirtschaftlichen Austausch geschaffen haben,
haben die europäischen Kulturen auf der Basis von Gold und Silber ihre
Einheiten des Austausches gefunden: Goldmünzen, Silber- oder
Kupfermünzen, Münzen aus anderen, manchmal leicht
reproduzierbaren Materialien (aber oft auf der Basis des
Goldbesitzes), Papiergeld, Kreditkarten. Mit der letzteren
Geldform wird das Geld zunehmend immaterieller, statt dem
Transport von Fässern mit Münzen oder Koffern mit
Papierscheinen genügt schon ein Austausch von Daten,
zudem lösen sich die Währungen zunehmend vom Gold
als Maß.
Das Wesen des Austausches über Geld möchte
ich folgendermaßen skizzieren:
Wenn zwei Personen in ein
Tauschverhältnis treten, werden die Werte gegenseitig
direkt bestimmt, es gibt keinen externen Wert. Ein Beispiel: 1
gibt an 2 einen Stuhl, 2 gibt an 1 fünf Kisten
Äpfel. Beide sind mit dem Tausch zufrieden, er gilt. Ganz
gleich, ob es daneben Geld gibt oder nicht, ob das Geld
entwertet wurde oder nicht, der Tausch funktioniert.

Wenn drei Personen an einem
Tausch beteiligt sind, wird es schon sinnvoll, eine
Bezugsgröße einzuführen. Eine
Bezugsgröße kann Geld sein, oder Gold, eine
verderbliche Ware oder eine nicht verderbliche Ware. Ein
Beispiel: 1 gibt an 2 einen Stuhl, 2 gibt an 3 fünf
Kisten Äpfel, 3 gibt an 1 eine Bohrmaschine und eine
Schachtel Schrauben. Sie sind auch mit dem Tausch zufrieden,
denn nach ihrer Vereinbarung gilt: ein Stuhl entspricht
zwanzig bestimmten Bezugsgrößen (BB), fünf
Kisten Äpfel entspricht 20 BB, die Bohrmaschine inklusive
einer Schachtel Schrauben ist auch 20 BB wert.
Je mehr Personen in ein solches
indirektes Tauschverhältnis treten, desto wichtiger ist
BB, die bestimmte Bezugsgröße. Ein Problem tritt
auf, wenn die Bezugsgröße selbst ihren Wert
ändert: Gold wird teurer, weil es knapper wird;
Kaurismuscheln werden billiger, weil plötzlich viele
gefunden wurden; Papiergeld wird plötzlich weniger wert,
weil zuviel nachgedruckt wurde; mit Italienischer Lire kann
man plötzlich in Österreich weniger kaufen, weil die
politische Vertretung beschlossen hat, daß sie weniger
wert ist; und so weiter. Recht intelligent sind Staaten, die
ihre Bezugsgröße an eine relativ stabile von
anderen anhängen, so zum Beispiel Restyugoslawien, das
den Dinar an die Deutsche Mark angehängt hat, oder auch
Österreich, das den Schilling auch an die DM gekoppelt
hat.
Probleme
des herkömmlichen Geldsystems
Die materielle Form von Geld hat es mit sich gebracht,
daß es gehortet, gesammelt, "gespart" werden konnte. Es
verdirbt nicht, wie andere Produkte, die auch gehortet,
gesammelt, "gespart" werden können: Äpfel werden
nach einiger Zeit des Lagerns faul, Milch fängt an zu
stinken, und der Butterberg der Europäischen
Gemeinschaft, den sie wie unter das Kopfkissen legt, damit ihr über
Nacht etwas einfalle, kann
auch nur durch kostenintensive Kühlung vor dem Verderben
geschützt werden. Geld kann in seiner heute quasi
immateriellen Form nicht faulen, nicht stinken, es verdirbt
nicht, es verdirbt nur den Charakter. Das Sammeln von Geld ist
zu einer Leidenschaft, zu einer Besessenheit geworden, und
wird von der Gesellschaft noch belohnt. Geld läßt
man "arbeiten" dadurch, daß man Geld vor dem Umlauf
zurückbehält und für die Freigabe einkassiert.
Eine ziemlich unproduktive Arbeit allerdings: Besitzende
erzielen ein Einkommen ohne
eigene Leistung auf Kosten anderer. Obwohl nun Geld wieder immaterieller
geworden ist, wird mit ihm gleich umgegangen, als wäre es
noch materiell: es wird gehortet und gesammelt und anderen
Leuten vorbehalten.
Die Architektin, Stadtplanerin und Ökologin
Margrit Kennedy beschreibt die Eigenschaften des Geldwesens
so: "Weil Geld den Austausch von Gütern und
Dienstleistungen enorm erleichtert und damit eine
arbeitsteilige Wirtschaft erst möglich macht, ist es eine
der genialsten Erfindungen der Menschheit. Würden wir
beispielsweise in einem Dorf leben, wo man nur Tauschhandel
kennt, und dort ein Kunstwerk produzieren, das lediglich den
Beerdigungsunternehmer interessiert, so könnten wir
für unser Kunstwerk nur Särge einhandeln und
müßten bald aufgeben. Bekommen wir Geld dafür,
können wir es gegen alles eintauschen, was wir brauchen.
Geld schafft also Möglichkeiten zur Spezialisierung und
ist somit die Grundlage unserer Zivilisation.
Das Problem besteht nun darin, daß Geld nicht nur dem Austausch von Gütern und
Dienstleistungen dient, sondern diesen ebenso behindern kann,
wenn es nicht in Umlauf kommt. Somit wird eine Art "privater
Zollstation" geschaffen, an der jene, die über mehr Geld
verfügen, als sie gerade benötigen, von den anderen,
denen es fehlt, einen "Freigabetribut" oder Zins erzwingen
können. Die Ökonomen betrachten wie die meisten
Menschen den Zins als den Preis für Geld. So wie für
alle anderen Waren ein Preis bezahlt werden muß, so
entrichtet man auch für die begehrteste aller Waren- das
Geld- einen Preis. Das macht zuerst einmal Sinn und scheint
logisch. Doch ist dies ein faires Geschäft? Die Antwort
lautet: keineswegs! Tatsächlich könnte man unser
gegenwärtiges Geldsystem, wie wir sehen werden, heute in
allen demokratischen Nationen als verfassungswidrig
bezeichnen. "
[24]
Kennedy beschreibt vier
Mißverständnisse:
1) Es gibt nicht nur eine Art
von Wachstum, sondern:
-den natürlichen Ablauf-
das biologische Wachstum ist dadurch gekennzeichnet, daß
es ab einem gewissen Zeitpunkt sich immer mehr verlangsamt,
allerdings dann vom quantitativen in ein qualitatives Wachstum
übergeht. Es ergibt sich eine "Annäherungskurve".
-den linearen Ablauf-
mechanistisches Wachstum, z.B. mehr Menschen erzeugen mehr
Güter.
-den exponentiellen Ablauf- am
Anfang ist das Wachstum noch gering, steigt dann aber immer
mehr an. "Im physischen Bereich der Natur spielt sich ein
solches Wachstum gewöhnlich dort ab, wo Krankheit und Tod
zu finden ist. Krebs, zum Beispiel, folgt einem exponentiellen
Wachstumsmuster. Zuerst entwickelt er sich langsam. Aus einer
Zelle werden 2, daraus 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512 usw. Er
wächst also beständig schneller, und wenn man die
Krankheit schließlich entdeckt, hat sie oft bereits
ein Stadium erreicht, in dem sie nicht mehr geheilt oder
zumindest zum Stillstand gebracht werden kann. Exponentielles
Wachstum endet gewöhnlich mit dem Tod des "Gastes"
beziehungsweise des Organismus, von dem er abhängt."
[25]
Prozentual gleichbleibende Wachstumsläufe wie
Zinseszinsen folgen dem Exponentiellen Ablauf.
Bild 55:
Quelle: Helmut Creutz. In:
Kennedy, S.21
2) Zinsen zahlen wir nicht nur
direkt, wenn wir Geld ausleihen, sondern auch indirekt, so
betragen die Kosten für Kapitalverzinsen z.B. bei der
Müllabfuhr 12 %, beim Trinkwasserpreis 38%, und bei der
Kostenmiete für den sozialen Wohnbau sogar 77%.
Da stellt sich für Architekten die Frage, wo sie
ihre Kräfte investieren sollen, wenn sie ein
ökologisches Bauprojekt betreuen: in Kompromisse, um die
Baukosten um lächerliche 5 bis 10% zu senken, oder
vielleicht doch in die Integration des Baues in ein zinsloses
Geldsystem?
Bild 56:

Quelle: Helmut Creutz. In:
Kennedy, S.27
3) Das gegenwärtige
Geldsystem dient nicht allen gleichermaßen, sondern
sorgt für eine Umverteilung von denen, die wenig haben zu
jenen, die sowieso schon zuviel haben.
4) Inflation ist nicht
integrativer Bestandteil eines jeden Geldsystems, sondern
werden durch das Zinseszinssystem erst so richtig angeheizt.
Allein schon aufgrund des exponentiellen Wachstums wachsen die
Schulden in den Volkswirtschaften und in den Staatshaushalten
schneller als deren Einkommen, was früher oder
später zu kleineren und größeren Kollapsen
führen muß und auch geführt hat.
"Im Laufe der Geschichte haben viele politische und
religiöse Führer, wie Moses, Aristoteles, Jesus,
Mohammed, Martin Luther, Ulrich Zwingli und Mahatma Gandhi,
versucht, die soziale Ungerechtigkeit, die der kontinuierliche
Bezug von Zinsen verursacht, durch entsprechende Hinweise oder
ein Verbot von Zinszahlungen zu verhindern. So steht in
2.Moses 22,25:»Wenn du deinem Bruder, einem Armen, Geld
leihst, so sollst du ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer
handeln. Ihr dürft ihm keinen Zins auferlegen.«
.Und Aristoteles sagt in Politik I, 3:»Der Wucherer ist
mit vollstem Recht verhaßt, weil das Geld hier selbst
die Quelle des Erwerbs ist und nicht dazu gebraucht wird, wozu
es erfunden ward. Denn für den Warenaustausch entstand
es, der Zins aber macht aus Geld mehr Geld. Daher auch sein
Name (Geborenes). Denn die Geborenen sind seinen Erzeugern
ähnlich. Der Zins aber ist Geld von Geld, so daß er
von allen Erwerbszweigen der Naturwidrigste ist.«
Übersetzt man den
griechischen Urtext wörtlich, so steht bei Lukas 6,35:
»Leihet, ohne etwas dafür zu erhoffen.« Das
Konzil von Nicäa im Jahr 325 nach Christus verbot allen
Klerikern das Zinsnehmen. Die Strafe bei Übertreten des
Verbots war die sofortige Entfernung aus dem Amt. 1139
beschloß das zweite Laterankonzil: »Wer Zins
nimmt, soll aus der Kirche ausgestoßen und nur nach
strengster Buße und mit größter Vorsicht
wiederaufgenommen werden. Einem Zinsnehmer, der ohne Bekehrung
stirbt, soll das christliche Begräbnis verweigert
werden.«
... Heutzutage
fordern die Kirchen immer wieder zu Spenden auf, um die
Auswirkungen des Umverteilungsprozesses durch das Geldsystem
und die härtesten sozialen Probleme sowohl in den
industriell entwickelten als auch in den
Entwicklungsländern zu lindern. Dies ist jedoch nur ein
Kurieren an den Symptomen, das den Systemfehler im Geldsystem
nicht berührt.
Ein Zinsverbot enthält auch
der Koran. Soweit sich Banken in islamischen Ländern
daran halten (bisher nur in einem sehr geringen Ausmaß),
vereinbaren sie Gewinn- und Verlustbeteiligung. "
[26]
Zu den
Hinweisen und Verboten des Zinsnehmens hat es in der
Geschichte der Menschheit schon mehrere mehr oder wenig
erfolgreiche Versuche mit zinslosem Geld gegeben.
"Das älteste bekannte System ist das
»Korngiro«-System im ptolomäischen
Ägypten (322-30 v.Chr.).
[27]
Ein weiteres war das Tally-System in England, das etwa
gleichzeitig wie die mittelalterliche Brakteatenwährung
in Deutschland zur Anwendung kam, und ein drittes das
umlaufgesicherte Papiergeld, das während der Ming- Zeit
1367 bis 1644 im hochmittelalterlichen China existierte."
[28]
Das Brakteatengeld bildete die Grundlage der
kulturellen und wirtschaftlichen Blüte des
Hochmittelalters im deutschen Raum. Die Brakteaten waren
einseitig geprägte Münzen, die aus Silbermangel
dünner hergestellt wurden und deshalb oft zerbrachen. Sie
wurden oft "widerrufen", wodurch es keinen Anreiz gab, Geld
anzusammeln. So blieb das Geld in Umlauf und hielt den
Wirtschaftskreislauf in Schwung. Das aus der keltogermanischen
Rechtstradition stammende und von der christlichen Lehre weitergeführte Zinsverbot
"erübrigte sich bald vollständig, denn der
Gläubiger war
bei einem Kreditvertrag zufrieden, wenn ihm durch das
Verleihen die Kosten der Schlagsatzsteuer erspart blieben."
[29]
Ähnlich funktionierten die Versuche in den
Dreißiger Jahren nach den Vorschlägen in Silvio
Gesells Buch "Die natürliche Wirtschaftsordnung" in
Deutschland, Spanien, der Schweiz, Frankreich, den USA und in
Österreich, in Wörgl: nach Zustimmung der Einwohner
wurden vom Wohlfahrtsausschuß Geldscheine
("Arbeitsbestätigungen") im Wert von 32000 Schilling
herausgegeben, die dem gleichen Betrag österreichischer
Währung entsprachen. Die Nutzungsgebühr, ein Prozent
monatlich (12% im Jahr) wurde in Form von Stempelmarken an die
Rückseite der Scheine geklebt, nämlich von
demjenigen, der den Schein am Ende des Monats besaß. In
der Folge blieb dieses Geld immer in Umlauf, wodurch die
Arbeitslosigkeit innerhalb dieses einen Jahres um 25% gesenkt
werden konnte, während sie im restlichen Europa
ständig stieg. Die 12% Gebühren wurden von der
Stadtverwaltung für öffentliche Zwecke ausgegeben,
zum Wohl der Gemeinschaft und nicht zur Bereicherung
Einzelner. "Als sich dann 170 Gemeinden in Österreich
für dieses Modell zu interessieren begannen, sah die
österreichische Nationalbank ihr Monopol gefährdet.
Sie intervenierte und ließ die weitere Verwendung dieses
Geldes verbieten."
[30]
Ähnlich erging es den
Versuchen in den anderen Ländern.
Auch in den letzten Jahren entstanden in mehreren
Ländern Experimente mit zinslosem Geld, die zudem
versuchen, die sozialen und ökologischen Erwartungen
miteinzubeziehen. "There are many clear examples of the so
called ' capitalist dilemma', where economic behaviour guaranties
productivity and profitable outcomes, but not necessarily
appropriate social or moral ones. This pattern is repeated
across countries and in instances large and small. While
productivity and profitability increase in every growing
markets, social distress and poverty, environmental pollution
and insecurity are growing with it. Profits are therefore
increasingly spelled in a broader way than a purely financial
one. In the English speaking countries notions like 'Social
Investment', 'Ethikal Investment' and the 'Social Use of
Money' highlight and challenge this process; the French public
users descriptions like 'Moralisation de l´Economie'
while Germans, where the banks have a monopoly in money
issues, speak about 'Soziales Bankgeschäft'. 'Banking for
people' is meant to signify the broadest interest and approach
to the given problems. State administration,voluntary
organisations, collective organisations and welfare
institutions all contribute to the social outcomes within
societes."
[31]
Das kanadische LET-System und das mit ihm verwandte
schweizerische TALENTE-System eignet sich besonders für
sogenannte "strukturschwache" Gebiete. Am besten funktioniert
dieses System mit einer Untergrenze von Mitgliedern von 20 und
einer Obergrenze von etwa 50.000. Der Austausch von
Dienstleistungen und Produkten erfolgt über ein
bargeldloses, zinsfreies Buchungssystem. Beide Systeme
verstehen sich als Emanzipation von Leuten, die versuchen,
sich aus der Abhängigkeit vom herkömmlichen
Geldsystem zu lösen, das als Machtmittel mißbraucht
wird. Die bargeldlose Währung entspricht dabei der
Landeswährung, d.h. ein "green dollar" entspricht einem
Kanadischen Dollar,
ein TALENT (Tt) entspricht einem Schweizer Franken.
"Unter dem Namen 'TALENT-Experiment' wurde von
Mitgliedern der INWO Schweiz (Internationale Vereinigung
für Natürliche Wirtschaftsordnung) und weiteren
Interessierten im Frühjahr
1993 ein alternatives Tauschmittel geschaffen, das
seither von den Mitgliedern des gleichnamigen Tauschkreises
gegenseitig als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Es sind zwei
Gruppen von unterschiedlichen Zielen, die von den Initiatoren
des Experiments verfolgt werden:
Das TALENT-Experiment soll
für all jene nützlich sein, die zusehends mehr
Mühe haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, weil
ihnen aus wirtschaftlichen, kulturellen oder anderen
Gründen der Zugang zum Tauschmittel Geld immer mehr
verwehrt wird.
Das TALENT-Experiment soll als
Sammelbecken für Leute dienen, die von der Notwendigkeit
einer Geldreform überzeugt sind, und die anhand
theoretischer Analysen und praktischer Reformvorschläge
die Öffentlichkeit für diese Anliegen
sensibilisieren wollen. ...
Seit einem Jahrzehnt entstehen in vielen
Kleinstädten und ländlichen Regionen im
angelsächsischen Raum unzählige Tauschkreise. Als
Zahlungsmittel innerhalb der Tauschkreise gelten
selbstgeschaffene Nebenwährungen mit phantasievollen
Namen wie 'Obs', 'Strounds', 'Acorns' und 'Links'. Im Spiegel erschien im Herbst
1993 (Nr. 42) ein Bericht über diese Modelle in England.
Gemäß Spiegel entstanden dort innert weniger Jahre
über zweihundert verschiedene Zweitwährungen. Diese
erfreuen sich
steigender Beliebtheit und finden nicht selten bei
Behörden und in der Öffentlichkeit moralische und
finanzielle Unterstützung. Denn, das haben die
Behörden in England erkannt: lokale Nebenwährungen
fördern die Mikroökonomie in wirtschaftlich
schwachen Regionen. Dasselbe gilt für Australien,
Neuseeland und Kanada. ...
TALENTE entstehen dadurch, daß ein Mitglied einem
anderen Mitglied irgend etwas 'verkauft'; z.B. eine
Nachhilfestunde in Französisch, ein Fahrrad, das es nicht
mehr braucht, selber produziertes und biologisch angebautes
Gemüse, etc. ". Die Mitglieder haben am Anfang zwar
"keine TALENTE, wohl aber Talente." Sie vereinbaren für
ihre Dienstleistungen und Produkte die entsprechenden Preise
in der Währung Tt., die in der TALENT-Buchhaltung als
minus, bzw. als plus verbucht werden. Wie bei einem normalen
Bankkonto darf man bis zu einer gewissen Summe (z.B. Tt.
700.-) im Minus sein, denn "Geben und Nehmen müssen in
einem Tauschkreis auf die Dauer ausgeglichen werden. Negative
TALENT-Saldi bedeuten nur, daß man wieder an der Reihe
ist, selber wieder etwas anzubieten. Positive Saldi bedeuten,
daß man bereits seine Fähigkeiten eingebracht hat
und nun selber an der Reihe ist, von den Fähigkeiten der
anderen zu profitieren." Da auf den TALENT-Schulden kein Zins
läuft, eilt es nicht, den Betrag sofort wieder
ausgleichen zu müssen. Die TALENT-Guthaben allerdings
werden mit einer prozentualen Gebühr belegt, um das
Horten zu verhindern. "Das TALENT-Experiment geht der
Erwerbslosigkeit an die Wurzeln. Arbeit ist vorhanden und auch
Menschen, die diese Arbeit verrichten möchten. Was fehlt,
ist das liebe Geld, um die Arbeit zu bezahlen. TALENT hilft
den Geldmangel zu überwinden, führt Arbeit und
Arbeitende zusammen und hilft unter anderem den Erwerbslosen,
die mitmachen, die Erwerbslosigkeit Schritt für Schritt
aus eigener Kraft abzubauen. ... Arbeitslosigkeit ist
gleichbedeutend mit Ausschluß. Die eigenen
Fähigkeiten und Erfahrungen sind plötzlich nicht
mehr gefragt. TALENT fördert die Mikroökonomie.
Arbeitslose können im TALENT-System ihre Fähigkeiten
und Ideen wieder einbringen. Die Betroffenen bleiben
vielfältig vernetzt. Es entstehen tragende, informelle
Kontakte. ... Lokale Nebenwährungen sind ein Garant
dafür, daß die regionalen Ressourcen wieder
vermehrt genutzt werden. Die Güter des täglichen
Gebrauchs sollen möglichst dort konsumiert werden, wo sie
produziert werden. So können wir den ökologischen
Unsinn langer Transportwege eindämmen. Lokale
Nebenwährungen erfüllen damit eine zentrale
Forderung der Ökologiebewegung. Das ist keine
'Rückzug-auf-die-eigene-Scholle-Mentalität'.
Vielmehr gehen wir davon aus, daß lokale und globale
Strukturen sich ergänzen müssen. Informationen
sollen um die Erde kreisen, nicht Waren. ... Die Macht des
herkömmlichen Geldes basiert vor allem auf dem Mangel von
Transparenz. Durch das Bankgeheimnis werden
Steuerhinterziehungen, Vermögensdelikte und
Geldwäschereien im großen Stil de facto staatlich
sanktioniert. ... TALENT greift die Forderung nach Transparenz
auf. So sind zum Beispiel die Saldi der verschiedenen Konti
für alle, die am Tauschkreis teilnehmen, einsehbar." Die
Transparenz erstreckt sich auf alle Geldbewegungen und auch
auf die Organisation. "Es sollen praktische Modelle dafür
erarbeitet werden, wie ein sanfter Übergang zu einer
sozial und ökologisch verträglichen,
nachkapitalistischen Wirtschaftsordnung aussehen könnte."
[32]
Das JAK-System (Jord,
Arbejde, Kapital) in Schweden und Dänemark funktioniert
auch nach dem Prinzip "Geben und Nehmen", diesmal im Bereich
des sich gegenseitig Geldleihens und des Verleihens ohne
Zinsen.
"Die Beteiligung im JAK-System
ist bis zur vollen Höhe dessen, was man sich leihen
muß, auf alle Fälle sinnvoll. Viele Menschen sparen
jedoch freiwillig über ihr erforderliches Maß
hinaus und verschaffen so anderen, die zuerst leihen
müssen, bevor sie sparen können, die Chance, an Geld
zu kommen. Leute, die für ihr Geld Zinsen bekommen
möchten oder nur Schulden haben, sind ausgeschlossen,
doch das 'Mittelmaß' ist im allgemeinen die Regel. Die
meisten verfügen zu verschiedenen Zeiten mal über
mehr Geld, als sie gerade brauchen, dann über weniger-,
aber jeder möchte im Alter »etwas auf der hohen
Kante« haben. Genau für diese Mehrheit ist das
JAK-System hervorragend geeignet, weil sich praktisch
nachweisbar alle besserstehen."
[33]
Wer von der JAK-Gemeinschafts-Bank Geld ausleihen will,
muß bis zu dem Zeitpunkt 10% des Kapitals der erhofften
Summe schon angespart haben. Während des
Zurückzahlens des Kredits wird zusätzlich
gleichzeitig Geld angespart, das erst 5-6 Jahre nach Beenden
des Kredits zurückbekommen wird. Damit wird erreicht,
daß ausreichend Geld für die Vergabe von Krediten
an andere zur Verfügung steht, denn die Summen von "Geld
mal Monate" sind beim Ausleihen und beim Ansparen gleich.
Damit funktioniert dieses System auch, wenn die Mitgliederzahl
schrumpft, im Gegensatz zu der Bausparkasse. Der
Unkostenbeitrag von 3% deckt die Verwaltungsspesen, denn wie
bei normalen Bankkrediten muß auch das JAK-System auf
Kreditwürdigkeit achten. Allerdings entfällt der
Anteil 'Gewinn durch Kapitalverzinsung', wodurch solche
Kredite für Geldnehmer um einiges günstiger sind als
normale Kredite.
Bei einer jährlichen
Abzahlung und einer Laufzeit von 10 Jahren beträgt der
Unkostenbeitrag insgesamt 16,5%, und das angesparte Geld
muß 5,5 Jahre liegen, damit die Summen von Zeit mal Geld
gleich bleiben. Bei einer monatlichen Abzahlung und derselben
Laufzeit von 10 Jahren (=120 Monaten) beträgt der
Unkostenbeitrag ein bißchen weniger, nämlich
insgesamt 15,1%, und das angesparte Geld muß nur 5 Jahre
liegen, damit die Summen von Zeit mal Geld gleich bleiben
(siehe Bild 57). Damit folgt der Unkostenbeitrag einer
natürlichen Wachstumskurve, während die Belastung
durch den Zinseszins eines normalen Kredits der exponentiellen
Wachstumskurve folgt.
Eine
Anmerkung am Rande: wenn die Belastungen durch Zinsen
schneller wachsen als die Einnahmen bzw. die Wirtschaftskraft,
so kommt es über kurz oder lang zum Bankrott. Als
Beispiel führe ich "Entwicklungs"länder wie
Brasilien an und die Staatshaushalte an und für sich
reicher Staaten wie die USA und Italien.
[34]
Bild 57:
Beispiel eines JAK-Kredites;
jährliche Abzahlung
Quelle: eigene Berechnungen aus
Angaben von Michael Graf, Innsbruck
Bild 58:
Beispiel eines JAK-Kredites;
monatliche Abzahlung
Quelle: eigene Berechnungen aus
Angaben von Michael Graf, Innsbruck
Während der
Aufbau eines Geldsystems wie das der TALENTE kein Grundkapital
benötigt, weil TALENTE nur dann entstehen, wenn Talente
und Produkte ausgetauscht werden, braucht es zum Funktionieren
der JAK-Bank einen gewissen Grundstock an Kapital.
Dazu gibt es verschiedene Wege. Die langsame, aber
gründliche Variante besteht darin, daß gewartet
wird, bis sich genügend Kapital von ausreichend vielen
Mitgliedern angesammelt hat. Dann erst können Kredite
vergeben werden, dafür aber große.
Die schnellere, aber flexible Variante besteht darin,
daß Kredite schon bald an die Mitglieder vergeben
werden. Die eingeführten Spielregeln aber verlangen,
daß die Höhe und die Laufzeit der Kredite von den
momentanen Möglichkeiten abhängig gemacht werden,
das heißt, daß kleine Kredite für kurze Zeit
vergeben werden, solange der Grundstock an Kapital noch klein
ist, und größere Kredite für längere
Zeit, sobald der Grundstock an Kapital schon ausreichend
groß ist. Wie viel Kredit eine Person bekommt,
hängt davon von dem Verteilungsschlüssel ab, wieviel
"Geld mal Zeit" die betreffende Person schon angespart hat und
wieviele Mitglieder geben und nehmen. Geben und Nehmen
müssen zu jeder Zeit ausgeglichen sein.
Der WIR-Ring (WIRtschafts-Genossenschaft) in der
Schweiz besteht seit 1934 als Tauschring mit Kreditvergabe.
Guthaben werden nicht verzinst, Schulden werden je nach Umfang
mit geringen Gebühren belastet. Bezahlt wird mit
Buchungsaufträgen. Der Mitgliedsbeitrag betrug 1990 32 Schweizer
Franken, plus 0,6 bis 0,8 % für jede gutgeschriebene
Summe.
Der »Barter Clearing & Information«
(BCI), Vermittlung von Kompensationsgeschäften GmbH &
Co. Beteiligungs KG in
Frankfurt arbeitet ähnlich dem WIR-Ring. Allerdings
beträgt der Mitgliedsbeitrag 480 DM jährlich mit
1-2% Transaktionskosten; die Tauschgeschäfte werden auch
in Mark verrechnet. Der Zulauf ist enorm, Anfang 1991 waren es
knapp 8000 Teilnehmer mit 70 Geschäftsstellen in
Deutschland (Ost und West) und Österreich.
[35]
"Die Erfahrung zeigt, daß sich eine
übermäßige Kreditvergabe als ebenso
gefährlich erweisen kann wie zu hohe Guthabenstände,
die nicht abgebaut werden können. Deshalb sind entweder
Fristen für den Ausgleich von extremen Negativ- und
Positivsalden und Tilgung beziehungsweise Guthabenauszahlung
in der Landeswährung zur Gewährleistung des
Gleichgewichts notwendig, oder man verbindet den Tauschring
mit einem Bankservice. ... Damit sich die Besitzer von ihren
Guthaben trennen, müßte darüber hinaus eine
Nutzungsgebühr eingeführt werden. Weil es das bisher
nicht gibt, tendieren die meisten Tauschringsysteme wegen zu
vieler Leute mit zu großem Guthaben zur Stagnation. Die
LET-Systeme in Comox Valley und andernorts wachsen bis zu
einem gewissen Punkt und stagnieren dann plötzlich, wenn
es keine Möglichkeit mehr gibt, Guthaben sinnvoll
anzulegen beziehungsweise wieder auszugeben."
[36]
Beispiele alternativer
Geldwirtschaft in Spanien: die Mondragon Bank und die
Genossenschaftsbewegung in Euskadia
Spanien schlägt sich schon längere Zeit mit
einer hohen Arbeitslosigkeit und einem niedrigem
Wirtschaftswachstum herum. Arbeitslosigkeit betrifft vor allem
junge Leute- einer von zwei Arbeitslosen ist ein Jugendlicher,
80% aller arbeitslosen Jugendlichen waren noch nie
beschäftigt- , und besonders Frauen, die "Reservearmee",
die von vielen Männern an den Herd geschickt werden, wenn
es zu wenig bezahlte Arbeit gibt.
Langarbeitslosigkeit ist
vorherrschend, besonders in der Bauindustrie und in den von
der Wirtschaftskrise am meisten betroffenen Sektoren.
In dieser Situation entstanden vor allem im Baskenland
zahlreiche Kooperativen, die anders als normale Betriebe
strukturiert werden. Sie sind weniger hierarchisch, sondern
demokratischer und solidarisch. Wirtschaftliche und soziale
Entwicklung werden ganzheitlich betrachtet.
Es entstanden drei Arten von Kooperativen in Euskadi
(Baskenland):
1) Die baskische
Landwirtschafts-Kassa
2) Cobanexpo (Fischerei)
3) Ko-operativen anderer
Arbeitsbereiche
Die Ursprünge des
Genossenschaftswesens führen in die 40er Jahre auf die
Initiativen eines
jungen Priester zurück, auf Don José Maria
Arizmendiarreita. Sein erster Schritt war die Bildung einer
demokratisch geführten Berufsschule, woraus dann die
erste Kooperative hervorging: ULGOR. Diese hatte zum Ziel,
einen breiten industriellen Komplex unter demokratischer
Leitung zu entwickeln.
ULGOR wurde zum Beispiel
für die jetzt bestehenden 172 Industrie-, Landwirtschafts-,
Verbraucher-, Bildungs-, Bau- und Dienstleistungs-
Ko-operativen, die insgesamt 20400 Personen beschäftigen.
Viele davon entstanden in den 50er Jahren, zum Beispiel
FUNCOR, ARRASTE, und die Verbraucher-Kooperative San
José.
Alle Kooperativen kämpften
mit den ähnlichen Problemen:
-Mangel an finanziellen Mitteln
für Investitionen
-Mangel an sozialer Sicherheit,
weil sie von den Versicherungen als selbständige
Unternehmer gelten
-Mangel an Koordination und
technischer und ökonomischer Hilfe, schließlich
waren die meisten Kooperativen klein strukturiert.
Um diesen Mängeln abzuhelfen, wurde die 'Mondragon
Kredit Kooperative' (Caja Laboral Popular de Mondragon)
gegründet. 1988 beteiligten sich an ihr 180 Branchen und
1234 Mitglieder. Die Mitglieder bilden die Vollversammlung und
wählen die 12 Ausschußmitglieder. 90% der Gewinne
werden auf die Kooperativen verteilt und in Investitonen
umgesetzt, 10% fließt in die Bildungs- und
Sozialversicherungsreserve.
Die Bank hat eine Struktur aufgebaut, um die
Kooperativen wirtschaftlich und organisatorisch zu
unterstützen. Es gibt eine Abteilung für Forschung,
eine für Analysen und Information, eine für
Interventionen in kritischen Situationen von Kooperativen,
eine für industrielle Förderung, eine für
Administrations-, Finanz- und Rechtskontrolle, eine für
landwirtschaftliche Förderung und eine für
Raumplanung und Bauwesen.
Bis jetzt kann die Bank einen beinahe 100 %igen Erfolg
vorweisen. Zwischen 1975 und 1983, als andere
Wirtschaftssysteme im Baskenland 60000 Arbeitsplätze
verlor, schafften die Mondragon Kooperativen neue 4000
Arbeitsplätze. In dieser Zeit bezogen nur 160 Arbeiter,
das heißt 1 % aller Arbeiter, soziale Unterstützung
von Lagun-Aro, dem eigenen Sozialversicherungssystem von
Mondragon. Statt Arbeiter zu entlassen, beschlossen die
Arbeiter selbst eine Senkung des Lohns um 10 - 12 %. Die Bank
gab auch finanzielle Hilfe, indem sie u.a. die Zinsen auf
Kredite senkte oder löschte.
Das Dreiergespann Kooperativen- Finanzierung- Beratung
hat sich bis heute als sehr erfolgreich erwiesen, hat doch die
Bank ihre Projekte immer weiter ausgedehnt, auch in "schwache"
Regionen.
[37]
Der lokale Markt in Soria kann durch den Aufbau eines
alternativen, zinslosen Geldsystems wesentlich
unterstützt werden. Um nicht ewig auf Initiativen der
Lokalregierung zu warten, bietet sich die Bildung eines
Tauschrings mit zinsloser Kreditvergabe auf Vereinsbasis an.
Er soll sich an folgende Erfahrungen halten:
1) Es ist ein Experiment,
folglich mit freiwilliger Teilnahme und zeitlich begrenzbar.
2) Der Tauschring lehnt sich an
das TALENT-Experiment an, inklusive Einhaltung der
Transparenz.
3) Bei größeren und
längerfristigen Schulden und Guthaben wird das JAK-System
angewendet, allerdings werden für Guthaben
Nutzungsgebühren eingehoben, damit nicht zuviel gehortet
werden kann. Die Kreditwürdigkeit wird auch nach
folgenden Punkten bewertet:
ökologische
Verträglichkeit
soziale Verträglichkeit
gerechter Lohn
gute Arbeitsbedingungen
(Gesundheit, demokratische Struktur,...)
sonstige Abwälzung von
Folgekosten auf Dritte
4) Das Geld-Experiment kann sich
in Stufen mit anderen Strukturen verknüpfen, zum Beispiel
mit dem Genossenschaftswesen, mit einem (vorerst) regionalen
Steuersystem, ....
Ein solches Geldsystem kann nur klein beginnen, und
daß es Vorteile bringt, kann zum Großteil nur
durch die Praxis bewiesen und überzeugend gemacht werden,
weniger durch schöne Worte und durch noch schönere
Grafiken. Am Anfang können wahrscheinlich noch nicht alle
wirtschaftlichen Aktivitäten über "DOTADOS" (Dts.)
[38]
ausgetauscht werden, sondern
nur ein Teil (20 bis 70 %). Der Rest muß in Pesetas
abgewickelt werden. Das Ansparen und Kreditgeben wird am
Anfang auch nur zum Teil in Dts abgewickelt werden. Mit
zunehmender Anzahl der Mitglieder können immer mehr
Produkte und Dienstleistungen über die zinslosen Dts
ausgetauscht werden, was die Dts vermehrt attraktiv macht.
Den Informationsaustausch besorgen die denzentral in
der Provinz verteilten Beratungszentren, die über EDV
miteinander vernetzt sind. Solche Beratungszentren können
zum einen in den größeren Orten aufgebaut werden,
zum anderen aber auch in den Zentren neuer Aktivitäten,
die auch in kleineren Ortschaften liegen können. Zu den
Orten wie El Burgo de Osma, San Esteban de Gormaz, Berlanga de
Duero, Almazan, Soria, Arcos de Jalón, Vinuesa,
Covaleda, Agreda, Olvega, Cabrejas del Pinar und San Leonardo
de Yague können also auch kleinere Orte wie Abioncillo de
Calatañazor, Navapalos, Mazaturón,
Barriomartín und Espejo de Tera dazukommen.
Die Beratungszentren werden zu Selbsthilfe- und
Ökozentren ausgebaut, funktionieren je nach Bedarf und
Interesse als Einmensch-Büro oder als Schulungs- und
Weiterbildungszentrum.
Demokratisch regulierte
Marktwirtschaft
Der von Kreye geprägte Begriff der "demokratisch
regulierten Marktwirtschaft"
[39]
sagt mehr über
Funktionsmechanismen des Marktes aus als der bis jetzt
übliche Begriff der "freien Marktwirtschaft" und der
"ökosozialen Marktwirtschaft". Die beiden letzteren
Begriffe implizieren ein mechanistisches Ablaufen des Marktes
mit eigenständigen Gesetzmäßigkeiten, wobei
gewisse Härten für Mensch und Umwelt entweder
einfach hingenommen oder gemildert werden sollen.
Was heißt auch schon "frei"? Wer ist frei von
was? Ist der Markt frei von Hindernissen wie Sozial- und
Umweltgesetzen, Verantwortungsdenken und langfristigem Denken,
ist er bloß frei von offenen Subventionen oder auch von
verdeckten Subventionen (wie Bereitstellen von breiten
Straßen aus öffentlichen Geldern für private
Betriebe), gibt es dann wirklich Möglichkeiten, Waren und
Dienstleistungen frei auszutauschen, oder haben große
Unternehmen zu viel Freiheit, die sie kleineren wegnehmen?
Der erstere Begriff hingegen besagt, daß wir
Menschen uns den Rahmen schaffen, in dem wir uns dann bewegen,
und daß die Entscheidung, welche Rahmen wir uns
schaffen, demokratisch ablaufen soll.
Der renommierte Volkswirtschafter, Sozial- und
Wirtschaftswissenschafter Dr.Otto Kreye vom Starhemberger
Institut zur Erforschung globaler Strukturen, Entwicklungen
und Krisen sagte bei einem Vortrag in Wien:
"Ich
habe das Gefühl, daß politisch durchsetzbar ist,
daß eben in demokratischen Entscheidungsprozessen man
Mehrheiten dafür gewinnen könnte, ... indem man
sagt: Es gibt zu der Behauptung der neoliberalen Politik,
daß man nur liberalisieren muß, deregulieren
muß, privatisieren muß, eine Alternative, die
erreicht, daß aus Arbeitslosigkeit wieder
Vollbeschäftigung wird, daß statt sozialem Abbau
sozialer Ausbau, daß statt Zerstörung der
Städte wieder menschenwürdige Gemeinden entstehen,
und so weiter und so fort. Nun, in diesem Sinne versuche ich
zu fragen, was für eine Programmatik hätte die
Chance, in einer demokratischen Auseinandersetzung Mehrheiten
zu erhalten? Und ich behaupte, eine Programmatik, die sagt:
Wir werden unsere Ziele orientieren an Vollbeschäftigung,
an Umweltschutz, an einem Minimum sozialer Gerechtigkeit. ...
Ich definiere politisch, was ich überhaupt will,
orientiere also meine Politik an Zielsetzungen und frage dann:
Was für Instrumente wären geeignet , um das
entstehen zu lassen? Dann komme ich zu diesen bescheidenen
Vorschlägen, daß ich zunächst einmal sage: Ja,
die vorhandenen Vermögen so verteilen, daß die
Überliquidität, die ja existiert, abgeschöpft
wird und damit, was sie auch dann wollen, Beschäftigung
zu finanzieren, die sozial geboten ist. ... Allein von der
Liberalisierung des Welthandels eine Wachstumsphase zu
erwarten, weckt nur falsche Hoffnungen. ... Die Indikatoren
für die Stagnation, Rezession und Depression, die in die
Krise umzuschlagen droht, ... sind unübersehbar. ...
Weltweit stagniert das Bruttosozialprodukt, ... stagnierende
und rückläufige Investitionen- vor allem keine
Erweiterungsinvestitionen- , Strukturkrisen ganzer Branchen,
anhaltende Arbeitslosigkeit und zunehmende Arbeitslosigkeit
auf dem schon erreichten hohen Niveau, und die
öffentliche Verschuldung - ....die amerikanischen
öffentlichen Einnahmen reichen kaum noch hin, um den
Schuldendienst zu leisten, sodaß man sich immer weiter
verschulden muß."
Kreye erklärt
die Entwicklung zu dieser Krise so, daß es von 1950 bis
1975 neben Vollbeschäftigung, wachsendem
Bruttosozialprodukt, Ausbau des Sozialstaates und zunehmender
Prosperität auch eine Umverteilung gegeben hat zugunsten
den Einkommen, die aus abhängiger Beschäftigung
erzielt werden (von 65% auf 75%) und zulasten der Einkommen,
die aus Vermögen und Gewinnen erzielt werden (von 35% auf
25%). Auf diese Entwicklung wurde Anfang der 70er Jahre
erfolgreich reagiert durch forcierte Rationalisierungen, durch forcierte Produktionsverlagerungen,
durch Steuerreformen, die die Steuern für Gewinne und
Vermögen reduzierten.
"Die
Begründung seitens der Unternehmen ist klar: sie
mußten versuchen, ihre Gewinnraten wiederherzustellen -
ganz klar, in einer Konkurrenz müssen sie das tun. Die
Legitimierung der Politik, die dazu beigetragen hat, also
durch ihre Instrumente der Steuerpolitik, Sozialpolitik etc.,
war: man muß die Weichen wieder zugunsten wachsender
Gewinne stellen. ... die Gewinne von heute sind die
Investitonen von morgen, sind die Arbeitsplätze von
übermorgen. ... Aber wachsende Gewinne müssen
wachsenden Einkommen gegenüberstehen, damit wachsende
Gewinne investiert werden, denn wachsende Gewinne werden nur
investiert, wenn es wachsende Nachfrage gibt, also wenn es
wachsende Kaufkraft gibt. ... die Weichenstellung zu
wachsenden Gewinnen haben dazu geführt, daß es eine
relative Umverteilung wieder in die umgekehrte Richtung
gegeben hat, die Einkommen aus abhängiger
Beschäftigung, die öffentlichen Einnahmen stagnieren
oder sind rückläufig gewesen und natürlich hat
die Kaufkraft stagniert, die Nachfrage ist zurückgegangen
und wachsende Gewinne sind nicht investiert worden."
Dadurch haben die Unternehmen
keine andere Wahl, als daß sie weiter rationalisieren,
die Produktion in Länder verlagern, wo die Löhne
billiger sind und wo es weniger Umweltauflagen gibt, und
daß sie ihre Organisationsstruktur rationalisieren.
Gleichzeitig wird von der herrschenden konservativen
Politik dazu beigetragen, daß die Gewinne weiter
steigen, nämlich
durch die Mittel
" a) Sozialabbau, das
heißt Steuererleichterungen für die Unternehmen,
das heißt Verzicht auf Staatseinnahmen, und b) wiederum
dazu beitragen, daß die Einkommen aus abhängiger
Beschäftigung nicht zunehmen, sondern möglichst
sogar abnehmen." Als Folge verschulden sich die
öffentlichen Haushalte zunehmend, die sich dann Geld
ausleihen, und zwar genau das, was die Unternehmen mangels
Investitionsmöglichkeiten als Finanzanlage anlegen. "Das
heißt, die öffentliche Hand erläßt den
Unternehmen Steuern, und die Unternehmen leihen das Geld der
öffentlichen Hand wieder aus und kassieren dafür
Zinsen. Und je mehr sich die öffentliche Hand
verschuldet, desto größer die
Anlagemöglichkeiten für diejenigen, die über
wachsende Gewinne und Vermögen verfügen. Und
finanziert werden müssen natürlich die Zinsen
für diesen Kreislauf, und finanziert werden sie aus
Sozialabbau und aus Ausgabenreduzierungen der
öffentlichen Hand, was weiter in die Krise führen
muß."
Wenn der Großteil der Bevölkerung über
kein relevantes Einkommen verfügt, funktioniert auch das
neoliberale Modell einer Marktwirtschaft nicht, weil es keinen
Markt gibt. Zu diesem neoliberalen Modell setzt Kreye die
Alternative einer demokratisch regulierten Marktwirtschaft.
Das heißt, zu definieren, was man politisch will, und
dann die Instrumente zu benutzen, die vernünftig sind, um
das zu erreichen. "Ich meine, mit den Worten der christlichen
Kirchen ausgedrückt, ist das Bewahrung der
Schöpfung, Nächstenliebe und Friede. Nun
säkular formuliert heißt das nichts anderes als
Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit, soziale
Gerechtigkeit- oder ein Mindestmaß an sozialer
Gerechtigkeit." (Otto Kreye).
Demokratisch regulierte
Marktwirtschaft in Soria
Für Soria heißt das Modell einer
demokratisch regulierten Marktwirtschaft, daß die
Regulierungen auf der politischen Ebene ablaufen müssen.
Aber auf welcher politischen Ebene? Die Hoffnung, daß
die etablierten Politiker und Beamten so ohne weiteres
mitmachen, ist vergebens. Es zahlt sich aus, auf der unteren
Ebene anzufangen: in Vereinsstrukturen, auf der Ebene der
freiwilligen Kooperationen. In Experimenten, Modellversuchen,
Projekten, die die Emanzipation der Leute "aus ihrer
selbstverschuldeten Unmündigkeit"(Kant) und aus ihrer
fremdverschuldeten Unmündigkeit führen.
Ein Beispiel: In Pratomanio, einem Bergdorf in der
Toscana, initiiert ein österreichischer Geographielehrer
zum Beispiel Schüleraustausch. Von außen kommen
Menschen in das Dorf und beginnen sich für das Dorf zu
interessieren, und die Leute im Dorf beginnen sich dafür
zu interessieren, was die da draußen so bei ihnen
interessiert. Sie beginnen, ihre eigene Geschichte anders zu
sehen, sie werden selbstbewußter.
Europaweit versuchen sich solche
Initiativen zu vernetzen. Sie suchen nicht den Rat von
Experten oder die Hilfe von Politikern, sondern die
Erfahrungen anderer. "Regionen schauen nicht auf, sondern
schauen sich um."
[40]
Sanfter Tourismus könnte auch in Soria wie in
diesem Beispiel Impulse geben, eignet sich jedoch nicht als
Endziel und einziges Standbein einer wirtschaftlichen
Entwicklung. So viele Touristen gibt es gar nicht, die alle
schwachen Regionen aus dem Schlamassel heben können.
Bild 59:
Tourismus in Soria für
Leute aus Soria- Ein Ausflug von Barriomartín auf die
Berge
Ein Blick über die Grenzen zeigt uns, daß
die Regionen zwar mit Tourismus leben können, aber nicht
vom Tourismus leben brauchen und auch nicht können. Ein Beispiel:
Ladakh im tibetischen Hochland würden wir als eine arme
Region bezeichnen, und doch können dort Menschen
glücklich leben und wirtschaften.
[41]
Das Steuersystem ist ein wichtiger Rahmen der
Wirtschaftsentwicklung. Daß Ökologie und
Ökonomie heute oft unvereinbar sind, liegt auch am
Lenkungsinstrument Steuersystem. Nicht umsonst haben die
Verben "lenken" und "steuern" die gleiche Bedeutung.
Im längerfristigen Denken
bilden Ökonomie und Ökologie einen Einheit, denn
unökologisches Handeln bestraft die zukünftigen
Generationen, und dies auch wirtschaftlich. Das Ozonloch und
der Atommüll sind nur zwei Beispiele von vielen. Wenn wir
glauben, daß wir die Erde nur geliehen haben,
müßten wir sie so verlassen, wie wir sie betreten
haben.
Die Entwicklung, die wir uns wünschen, können
wir mit unserem Steuersystem steuern.
"Als ersten Schritt eignet sich die Einführung
einer CO2- abhängigen Energiesteuer besonders gut. Sie
soll es ermöglichen, fossile und umweltbelastende
Energieformen zurückzudrängen und gleichzeitig
Energiesparen sowie einheimische erneuerbare
Energieträger (Biomasse, Sonne, Wind) zu
begünstigen. ... Energie- und Rohstoffpreise müssen
dann in der Folge schrittweise angehoben werden. Eine
gleichzeitige Verminderung der Besteuerung der menschlichen
Arbeitskraft (z.B. Abschaffung der Lohnsummensteuer,
Lohnsteuersenkung) und soziale Ausgleichsmaßnahmen
könnten zusätzlich weitere positive Auswirkungen auf
die Gesellschaft haben. Wichtig dabei ist, daß Art und
Umfang dieser Maßnahmen von vornherein bekannt sind. Nur
so können sich Wirtschaft und Konsumenten darauf
einstellen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen und
Investitionen tätigen. Nichts schadet mehr als die
Ungewißheit, welche Preiserhöhungen morgen wohl
kommen werden.
...Worauf sollen wir noch
warten?
Komm, wir gehen!
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir warten auf Godot.
Ach ja.
(zitiert nach Samuel Becket: En
attendant Godot, Paris 1952)"
[42]
Soria hat (noch) eine ziemlich intakte Natur, doch auch
hier ist akuter Handlungsbedarf geboten. Abwässer
gelangen meist ungeklärt in die Flüsse (wie in
Vinuesa), Abfälle verschwinden auf mehr oder weniger
wilden Deponien, Gift- und Kunstdüngereinsatz bedrohen
auch in Soria die Trinkwasserreserven. Die Umweltpolitik der
EG reicht nicht aus, heißt es doch: "Gesetzliche
Regelungen zum Schutz der Umwelt dürfen 'weder ein Mittel
zur willkürlichen Diskriminierung noch eine verschleierte
Beschränkung des Handels darstellen' (Artikel 36,
EWG-Vertrag)".
[43]
Ziel eines langfristig
sinnvollen Steuersystems ist es sicher, daß es
großflächig angewandt wird, daß auch die EU
ein solches sich aneignet. Ein Anfang im Kleinen ist sicher
auch sinnvoll, wenn man nicht bis in die Ewigkeit warten will.
Initiativen können Veränderungen auf der Ebene von
Gemeinden und der Region bewirken. Eingehoben werden
könnte diese Steuer z.B. beim Endverbraucher, wie die
Mehrwertsteuer.
Sie könnte dann
Minderwertigkeitssteuer heißen, liegt zwischen 5 und
200%. Vorgeschlagen wird die Höhe dieser Steuer nach dem
aktuellen Stand der Wissenschaft nach den schon genannten
Kriterien :
- Transportweg
- Umweltverträglichkeit
- Lohnniveau
- Arbeitsschutz
- Sozialverträglichkeit
- Folgekosten aller Art
Festgesetzt werden
die Vorschlägen in demokratischen Entscheidungen, denn es
ist um einiges leichter, sich einmal dafür zu
entscheiden, als im täglichen Leben dauernd zwischen
teuren, aber umweltschonenden Produkten und billigen, aber
schädigenden Produkten wählen zu müssen. Ein
Beispiel: Die in Soria hergestellte Butter ist in Soria um
einiges teuer als die importierte (subventionsgestützte).
Folglich wird erstere auch wenig gekauft, obwohl es für
die ganze Provinz ganzheitlich gesehen und auf Dauer von
Vorteil wäre. Ich könnte mir gut vorstellen,
daß die Bevölkerung Sorias dafür stimmt,
daß solche von weit herkommende, unökologische
Produkte einen Aufschlag von z.B. 80% bekommen. Damit wird die
aus Soria kommende Butter wieder billiger als die andere, und
somit auch gekauft.
Eine Anmerkung am Rande: für die Herstellung eines
Kilos Butter werden je nach Fettgehalt 21 bis 25 Liter Milch
gebraucht . Die Nebenprodukte wie Buttermilch werden zwar noch
verwertet (z.B. als Futter für Schweine), bringen aber
nicht viel Geld. Das macht ersichtlich, daß eine nicht
subventionierte Butter niemals billiger sein kann als die am
europäischen Markt angebotene.
Es ist auch zu prüfen, ob ein solches Steuersystem
nicht mit dem zinslosen Geldsystem verbunden werden
könnte.
Abwälzung von Kosten auf
Dritte
William Kapp (1910-1976) zeigt die Grenzen einer
Theorie der Ökonomie auf, die es toleriert und
impliziert, daß gewisse Kosten auf Dritte verlagert
werden. Zu diesen Kosten zählen Schäden an der Natur
(reparable und irreparable) und Sozialkosten. Dritte
können sein: die ganze Gesellschaft, wehrlose Individuen
in der Gesellschaft, zukünftige Generationen, andere
Wesen auf der Welt (das Mensch ist ja nicht das einzige Wesen
auf Erden, und wenn wir uns so weiter ent- und verwickeln,
werden wir selbst bald auch auf die "rote Liste" der bedrohten
Arten setzen müssen).
"Für Kapp waren diese Verabsolutierung des rein
monetären Kosten- Nutzen - Denkens in einem Kontext der
Gewinnmaximierung und das Desinteresse der ökonomischen
Theorie und der Wirtschaftsgesellschaft für die
tatsächlichen Auswirkungen des erwerbwirtschaftlichen
Produktions- und Konsumprozesses auf Mensch, Gesellschaft und
Natur Hauptantriebsfaktoren für die beobachtbare
Enthumanisierung des gesellschaftlichen Lebens in den
»fortgeschrittenen« Industriegesellschaften. Es
war seine feste Überzeugung, daß die grundlegenden
zeitgenössischen Lebensqualität- und
Überlebensprobleme der Menschheit nur unter Anleitung
einer re-humanisierten ökonomischen Theorie
bewältigt werden könnten. Dies bedeutet in
allererster Linie: Erneuerung der vom konkreten Menschen
befreiten, in einer künstlichen Sachenwelt befangenen
ökonomischen Theorie durch die Einführung eines
realistischen, ganzheitlichen, bio-kulturellen Menschenbildes,
an dem in
Zukunft ökonomische Analysen auszurichten und
wirtschaftspolitische Vorschläge zu messen wären.
...
Die Umweltdiskussion ist ein
Indikator für die Aktualität der Fragestellung von
Kapp nach der Dynamik von formaler und substantivischer
Rationalität in einer gemischten Wirtschaft. Wo
stößt die Neoklassik mit ihrem Anliegen, alle
ökonomisch knappen Umweltwerte verpreisen zu wollen, an
systematische Grenzen? Wo muß mit einer anderen
Rationalität gearbeitet werden, wenn die Natur erhalten
werden soll und ästhetische Bedürfnisse nach
Erhaltung der Naturschönheiten weiterhin einlösbar
bleiben sollen?"
[44]
William Kapp beschreibt ökonomische Systeme als
offene Systeme, die mit unseren traditionellen Kriterien
technischer Effizienz, der Kosten-Nutzen-Rechnung und der
ökonomischen Rationalität nicht mehr eingefangen
werden können. "Vor allem werden andere Lösungswege
unumgänglich werden als jene, die wir bisher im Lichte
des eng gefaßten ökonomischen Kalküls im Sinne
von Marktkriterien beschritten haben. Im konkreten Fall der
Landwirtschaft sollten wir es vielleicht noch expliziter
formulieren, um möglichen Fehlinterpretationen unseres
Standpunketes zuvorzukommen. Wir empfehlen keine Rückkehr
zur traditionellen Landwirtschaft; wir empfehlen auch kein
Verbot von Düngemitteln, Pestiziden und anderer
Technologie. Die praktischen und theoretischen Implikationen
unseres Standpunktes laufen vielmehr darauf hinaus, daß
wir unsere traditionellen Vorstellungen von Effizienz und
Rationalität aufgeben und im Lichte der
»neuen« Realitäten interdependenter Systeme
umdefinieren. Angesichts der Rückwirkungen
landwirtschaftlicher Produktion, wie überhaupt aller
Produktion, auf das Gesamtsystem sollte klar sein, daß
weder technische Durchführbarkeit, noch technologische
Imperative, noch die mikroökonomische Rationalität
im Sinne privater Nettoerträge und unternehmerischer
Kosten relevante Antworten auf die Frage liefern können,
welches die wünschenswerten Ziele und politischen
Maßnahmen sind."
[45]
Einerseits glaube ich nicht, daß wir die Vorteile
des "freien" Marktes aufgeben müssen, um Kapps Ziel zu
erreichen. Andererseits hat Kapp recht, wenn er sagt,
daß es diesen Markt gar nicht gibt. Einerseits
müssen wir unseren absurden Hang zur Rationalität
aufgeben, um auf der Erde überleben zu können,
andererseits können wir auf Rationalität auch nicht
verzichten- das Leben besteht eben aus Emotionalität und Rationalität.
Wenn zwei Wege nicht gehen, gibt es oft einen dritten, und
einen vierten.
Der dritte Weg besteht darin, die ersten beiden zu
vereinen und einen Qualitätssprung zu machen. Nicht alles
funktioniert mit Kriterien des Marktes, aber einiges schon.
Für das andere müssen
wir sowohl Rahmenbedingungen schaffen, damit es wieder beim
Markt "mitspielen" kann, als auch politische Entscheidungen
treffen, die mit Markt überhaupt nichts zu tun haben und
trotzdem wichtig sind. Damit wären wir wieder beim von
Kreye definierten Begriff der "demokratisch regulierten
Marktwirtschaft". Als Mittel zum Regeln, zum Steuern kommt das
Steuersystem in Betracht. Auf welchen Ebenen es in die Praxis
umgesetzt wird, hängt von der Art, dem Bewußtsein
und dem Engagement ab: in Vereinsstrukturen (freiwillig), oder
mit Zwang der Gesellschaft an die Gesellschaft: Gemeinden,
Regionen, Staaten, Staatenbünde, Weltwirtschaft. Ohne ein
Regeln und ohne Regeln bleibt nur
noch die Hoffnung, daß ethische Werte in die Wirtschaft
einziehen, aber ich wage nicht zu hoffen, daß die
Mehrzahl der Wirtschaftstreibenden dies schafft.
Die Entwicklung des Verkehrswesen in Soria erfolgte
ganz nach der momentan vorherrschenden Ideologie der EU,
vielleicht auch mit deren Geldern: die Straßen wurden
überdimensional ausgebaut, der öffentliche
Schienenverkehr hingegen funktioniert mies und wurde teilweise
eingestellt, der öffentliche Busverkehr beliefert sehr
beschränkend einen Teil der Dörfer.
Die Verkehrsideologie wurde erstmals im Dezember 1992
im Weißbuch veröffentlicht: ' Über die
künftige Entwicklung der gemeinschaftlichen
Verkehrspolitik'. "Erstmals wird darin auch die
Zerstörung der Umwelt durch den Verkehr thematisiert und
die Notwendigkeit der Internalisierung externer Kosten des
Verkehrs erwähnt. Doch trotz prognostizierter
Verdoppelung des Straßenverkehrs mit den absehbaren
Folgen für die Umwelt, beschränkt sich das auf die
Reduktion des Schadstoffausstoßes, während auf das
Verkehrsvolumen gar nicht eingegangen wird.
Schwerpunkt der EU ist der Ausbau
transeuropäischer Netze. Im Verkehr gibt es solche
Pläne für die verschiedenen Verkehrsträger: so
gibt es Entschließungen des Rates zu einem
europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz und zu einem
kombinierten Verkehrsnetz sowie ähnliche
Überlegungen zum Flugverkehr, zum Straßenbau und
zur Binnenschiffahrt. Alle zielen auf eine Förderung des
Wirtschaftswachstums durch eine Optimierung der einzelnen
Verkehrsträger. Hinter all diesen Überlegungen
steht, unbelegt, aber trotzdem EU-Credo, das Dogma, daß
'das Mobilitätswachstum mit dem Wirtschaftswachstum
zusammenhängt' (Zitat aus 'Transeuropäische Netze-
Straßenverkehr'). Eine verkehrsmittel-übergreifende
Strategie, die die verschiedenen Netze zusammenfaßt,
Prioritäten setzt oder gar in die Verkehrsmittelwahl,
etwa im Sinne der Kostenwahrheit, beeinflussend eingreift,
fehlt bisher völlig."
[46]
Mehrere Gemeinden hingegen setzen auf quantitatives und
qualitatives wirtschaftliches Wachstum durch Beschränkung
des Autoverkehrs, nach dem Motto: Beschränkung ist
Befreiung. Befreiung von Lärm und Abgasen, Befreiung von
der gepanzerten Todesgefahr, Befreiung von der Besetzung des
Großteils des öffentlichen Raumes durch eine
elitäre Minderheit.
Die österreichischen Gemeinden Lech am Arlberg,
Kleinwalsertal, Bad Hofgastein, Werfenweng und Velden am
Wörthersee fördern die Anreise mit der Bahn,
verfügen über ein Sammeltaxi und ein Abholservice
vom Bahnhof, schaffen aber eine autofreie Zone im Ortszentrum
oder in der ganzen Gemeinde. Denn sie wissen, daß der
Autoverkehr gefährdet, was Touristen suchen: Ruhe,
Erholung und eine intakte Natur.
[47]
Ein langsamer Verkehr mit
Kostenwahrheit fördert
die lokale Entwicklung
Die Erfahrung zeigt, daß, wenn zwei Räume
miteinander verbunden werden, der schwächere Raum
Funktionen an den stärkeren abgibt. Es gibt zum Beispiel
Kleinunternehmer, die trotzdem glauben, daß ihre
Konkurrenzfähigkeit sich bessert, wenn sie über
breite Straßen schnell und bequem mit dem großen
Markt verbunden sind. Dem ist aber nicht so, der große
Markt überrollt den Kleinunternehmer. Hermann Knoflacher
zeigt das in folgender Rechnung:
Gleichungen für den
Zusammenhang zwischen Produktion und Kosten:
Economy of scale
Die Produktion von
größeren Mengen verringert die Preise pro
Stück.
n... Zahl der produzierten
Einheiten
c1...von der Stückzahl
unabhängige Grenzkosten
b...von der Stückzahl
abhängige Grenzkosten
p... Erzeugungskosten
dp=Erzeugungskosten für
d(n) (Grenzkosten)
dp=b*dn/n + c1
Der Anteil b*dn/n sinkt mit
wachsender Stückzahl.
p= b*ln (n) + c1*n + c2
c2... Grundausstattung
Preis je Stück: p1
Gleichung 1: p1=p/n=c2/n + c1 +
b*ln (n)/n
Gleichungen für die
Ausbreitung von Produkten über die Fläche (=Markt)
Bei einem homogenen Markt werden
die Produkte gleichmäßig über die Fläche
verteilt.
F= r2*P
r= a*v
[km]= [h]*[km/h]
F= a´*v2
mit a´=a2*v
n= h*F = k*v2 mit
k=h*a´=h*a2*P
n ... Konsument
Zusammenführung der vorigen
Gleichungen
Nun wird in die Gleichung 1
statt n... Produkt , n.... Konument mit n= (k*v2) eingesetzt,
wenn man annimmt, daß die Produkte die Konsumenten
leicht erreichen.
p1= c2/(k*v2) + c1 + b*ln ((k*v2)
)/(k*v2)
Bild 60:
c1... produktbezogene Kosten
mit Transport: c1= c10 +c11
c10... ohne Transport
c11... transportbezogen
... auch als Maß für
die Masse
c1= c10*l´ =c10 *a*v
l´... Transportkosten
daraus ergibt sich dann die
Gleichung 2:
p1= c2/(k*v2) + b*ln ((k*v2)
)/(k*v2) + c10 (1+
a*v )
In dieser Gleichung sind endlich
die Kosten berücksichtigt für
1) Hintransport
2) Verteilung
3) Recycling
Das heißt, daß ein lokaler Markt nur dann
nicht überfahren wird, wenn a)langer Transport
großer Massen umständlich und langsam ist und wenn
b)Verkehrssteuern eingehoben werden, die von den gefahrenen
Kilometern und der transportierten Masse abhängig sind.
Dadurch wird erreicht, daß
große Massen nur mehr über kleine Strecken
transportiert werden, seltene und hochwertige Produkte
weiterhin von weit her kommen.
Die Maßnahme a) kann durch sparsame, schmale
Straßen und durch Geschwindigkeitsreduzierungen erreicht
werden (langsame Geschwindigkeiten erhöhen die
Personalkosten für Transporte, verbessern
die Lebensqualität der Anrainer) und b) kann über
versiegelte Kilometerzähler über die Versicherungen
eingehoben werden.
[48]
Bis jetzt wurden beim Personenverkehr Strecken unter
150 km als Fahrten bezeichnet, Strecken über 150 km als
Reisen. Nun hat sich aber gezeigt, daß sehr schnelle
Verkehrsmittel sehr weit fahrende Tagespendler hervorgebracht
hat: der TGV Paris - Lyon befördert Tagespendler, die bis
zu 200 km vom Arbeitsplatz entfernt wohnen. Untersuchungen
haben gezeigt, daß es im Verkehrswesen eine Konstante
gibt: die Zeit. Die meisten Menschen sind bereit, täglich
ziemlich genau 67 Minuten für die Fahrt aufzuwenden.
Zu Fuß ergeben sich damit andere Reichweiten als
mit dem Fahrrad, dem Bus und der Regionalbahn, dem Auto und
dem TGV. Das heißt, je schneller das Verkehrsmittel,
desto weiter fahren die Menschen.
Eine weiterer Faktor in der Beziehung zwischen
Siedlungsstruktur und Verkehr ist die Frage, wie
flächendeckend ein Verkehrsmittel ist, und welchem
Bevölkerungskreis es zugeordnet ist.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind allen
Bevölkerungskreisen zugänglich, also auch Kindern,
alten Menschen und Alkoholisierten. Sie erschließen ein
Gebiet linear, beziehungsweise in einem Netz. Eine Region, die
vorwiegend öffentliche Verkehrsmittel benutzt, verteilt
die Häuser nicht mehr oder weniger gleichmäßig
über die ganze Fläche, sondern konzentriert sie an
wenigen Stellen.
Individuelle, motorisierte Verkehrsmittel werden
vorwiegend von Männern mit 18 bis 55 Jahren genutzt,
andere Verkehrsteilnehmer wie die weiter oben genannten sind
entweder ausgeschlossen, oder von den Lenkern und Besitzern
von Autos abhängig, daß sie mitgenommen werden.
Eine Region, deren
Verkehrssystem vorwiegend auf der Benützung von
individuellen motorisierten Verkehrsmitteln aufbaut, verstreut
zum einen die Häuser ziemlich gleichmäßig
über die Fläche, was oft als Zersiedelung bezeichnet
wird. Zum anderen wird der Bevölkerungskreis, der von der
Benützung des motorisierten Individualverkehrs
ausgeschlossen ist, noch mehr isoliert, weil ja
öffentliche Verkehrsmittel unrentabel werden.
Individuelle, nicht motorisierte Verkehrsmittel, wie
das Fahrrad und die Füße, erschließen
flächig einen relativ kleinen Umkreis. Es ist eine
ruhige, fast allen zugängliche Erschließungsart,
die Kommunikation fördert. Im Verbund mit
öffentlichen Verkehrsmittel wird der erschließbare
Umkreis stark erweitert.
Für Siedlungen, sei es Dorf oder Stadt, würde
ich
Verkehrsteilnehmer und
Verkehrsgrundsätze folgendermaßen einteilen:
I. Fußgänger und
Handkarren:
1.Direkte Wegführung
2.Minimierung der
Widerstände
3.Kleinteilige Wegenetze
4.Maßstäbliche und
animierende Gestaltung
5.Ausreichende Dimensionierung
6.Überschaubare und leichte
Orientierung
7.Sicherheit- objektiv und
subjektiv
8.Nutzungsüberlegung
9.Minimierung der Konflikte mit
anderen Verkehrsteilnehmern
II. Fahrrad und -Anhänger:
Grundsätze wie bei I.
III. Schienenverkehr:
1.Straßenbahn für
Personen und Güter (kommunaler Verkehr)
2."Straßenbahn" für
Personen und Güter (regionaler Verkehr)
3.Eisenbahn für Personen
und Güter (überregionaler Verkehr)
IV. Straßenverkehr:
a) innerstädtische
Straßen: Tempo 30
Teilnehmer:
1.Fußgänger
2.Fahrrad
3.Autobusse (ÖV)
4.LKW (ÖV) für
Güter
5.Citytaxi (IV)
6.LKW (IV)
7.Taxi (IV)
8.PKW (IV)
9.Karren, gezogen von Pferden,
Ochsen oder Kühen
b) Durchfahrtsstraßen im
Gemeindegebiet
b=2*2,75 m =5,5m
d.h. v(PKW)=80 km/h
v(LKW)=50 km/h
Hirnmobil und Automobil
Das Thema Verkehr kommt nicht ohne den Begriff
"Mobilität" aus. "Im 'Brockhaus' -Ausgabe 1975- findet
man unter diesem Begriff nur die Häufigkeit des
Wohnsitzwechsels einer Bevölkerung durch Auswanderung
oder Binnenwanderung, die geistige Mobilität, und die
soziale Mobilität. Von der sogenannten physischen
Mobilität, insbesondere jener Mobilität, die wir
seit der allgemeinen Verbreitung des Automobils fast
ausschließlich als solche bezeichnen, ist hier nicht die
Rede.
Innerhalb des Verkehrswesens hat man den
Mobilitätsbegriff mit der Auto-Mobilität
gleichgesetzt. Dies wird auch scheinbar durch den Zusammenhang
zwischen Motorisierungsgrad und Zahl der täglichen
Fahrten belegt.
Mit zunehmendem Motorisierungsgrad ... steigt die Zahl
der Fahrten pro Person und
Tag stetig an. Die Menschen kaufen also Autos, um damit
zu fahren- was ja zunächst trivial ist. Ob sie damit
mobiler werden, im Sinne des Wohnortwechsels, im Sinne der
geistigen und im Sinne der sozialen Mobilität, ist
fraglich. Ein Arbeitspendler mit dem Auto ändert ja
bekanntlich seinen Wohnort nicht, er bleibt in der Regel in
seiner sozialen Schicht und ist vermutlich auch geistig nicht
mobil genug, um sich aufgrund seiner Fähigkeiten einen
Arbeitsplatz am Wohnort zu schaffen oder zu organisieren."
[49]
Zeitweise wurde sogar den Leuten, die nicht viel
herumkamen, eine geistige Begrenztheit zugeschrieben.
Teilweise wird dies stimmen, zum anderen Teil aber sind viele
Weltreisende doch nicht weltoffen. Obwohl die Reisen in Europa
in den letzten Jahren stark zugenommen haben, nimmt die
Toleranz wieder stark ab. Überhaupt hat die Entfernung
zum Reiseziel nichts mit der Erlebnisqualität der Reise
zu tun.
Die Art der Fortbewegung ist mehr mit dem Erlebnis
verbunden als die Strecke. Eine Fahrt mit dem Fahrrad
läßt die Landschaft, die Siedlungen und die Leute
intensiver erleben, als wenn man mit dem Auto durchbraust.
Eine langsame Fortbewegungsart ohne Schachtel, die abkapselt,
läßt eben noch einen Austausch mit der Umgebung zu-
eine Austausch von Blicken und Worten mit Leuten, die
begegnen, einen Austausch von Stimmungen mit dem Kulturraum
und Naturraum, der die Radfahrer umgibt.
Knoflacher beschreibt den Mobilitätsaufwand als
Maßstab für ein fehlendes Gleichgewicht einer
Struktur."»Mobilität« ist immer mit
Energieaufwand und damit mit Unbehagen verbunden. ...
Monofunktionale Strukturen, wie z.B. reine Wohngebiete,
erzwingen allein im Arbeitspendelverkehr ein Maximum an
mechanischer Mobilität als Folge des Fehlens von
Arbeitsplätzen im unmittelbaren Nahbereich. Fehlende
Nahversorgung zwingt zu weiterer Mobilität.
Städtebauliche Mängel elementarster Art werden damit
am Ausmaß der Mobilität erkenn- und
quantifizierbar. Fehlende kulturelle Angebote führen zu
Mobilitätszwängen, um die kulurellen
Bedürfnisse zu befriedigen, fehlende Grünanlagen und
der Mangel an Freizeiteinrichtungen unterschiedlichster Art
erzeugen nicht nur den »Massenexodus« an den
Wochenenden, sondern fördern die Anschaffung von Zweitwohnungen auf
dem Land, oder überhaupt gleich die Verlagerung der
Wohnungen in das Umland, usw. Der Aufwand an Mobilität
steht daher in ursächlichem Zusammenhang mit den
Mängeln und Fehlern einer Stadtentwicklung und wird damit
zu einem ihr Ausmaß erkennen lassenden Indikator.
Zwei Beispiele zeigen dies deutlich:
Hallstatt weist eine durch die
Topographie erzwungene starre Struktur auf. Der Ort liegt am
Ufer des Hallstätter Sees, am Fuß des
Hallstattberges, und kann sich nach keiner Seite hin
ausdehnen. Die Siedlungsgeschichte des Ortes ist über
4000 Jahre alt, womit bewiesen wird, daß auch kleine
Strukturen längerfristig lebensfähig sind
(vielleicht nur diese?). 1990 wurden über 60% der Wege zu
Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, der Rest mit
dem Schiff und für externe Wege wurde das Auto verwendet.
...Bei nur 1000 Einwohnern weist dieser Ort vielfältige
Funktionen, zahlreiche Geschäfte und somit viele
Arbeitsplätze auf, er konnte trotz hoher Motorisierung
seine Struktur, aber auch seine Eigenart behalten. Das
Ergebnis ist ein wachsender Strom von Touristen, die sich in
Zukunft auch dem Mobilitätsverhalten der Bewohner
anpassen müssen.
Der Ortsteil Weidling der Gemeinde Klosterneuburg, im
Umland von Wien, weist hingegen bei etwa gleicher
Einwohnerzahl außer Wohnen kaum andere Funktionen auf.
Es gibt keine Nahversorgung, keine Arbeitsplätze, obwohl
der Ort in einer landschaftlich außerordentlich
reizvollen Gegend liegt und im Prinzip höhere
»Marktchancen« hätte. ... Beide Orte liegen
im gleichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem."
[50]
In Soria läßt sich auch eine Entwicklung wie
in Weidling verzeichnen. Im Umland der Stadt Soria liegt das
wiederaufgebaute Dorf Espejo de Tera, das zu einem reinen
Schlafdorf geworden ist. Alejandro Cordoba Largo vertritt in
seinem vor zehn Jahren erschienen Buch über die
Entvölkerung Sorias die Meinung, daß ein Ausbau der
Straßen unter anderem deshalb wichtig sei, damit die
Einwohner der Dörfer nicht von der Außenwelt
abgeschnitten bleiben und Kinder nicht während der
Schulzeit in Internaten leben müssen und so von der
Familie und vom Dorf entfremdet werden.
In der Zwischenzeit
sind die Straßen, wie schon erwähnt,
überproportional ausgebaut worden, die Dörfer sind
trotzdem weiter zugrundegegangen. Ich habe vor einiger Zeit
auch geglaubt, daß eine schnelle und bequeme Verbindung,
etwa über ein öffentliches Schnellverkehrsmittel wie
der Magnetschwebebahn, die Dörfer vor dem
endgültigen Verschwinden retten könnte.
Inzwischen habe ich gemerkt, daß eine zu schnelle
und zu bequeme Verbindung
nur die Entvölkerung und Zwangsmobilität
verstärkt, weil sie zu monofunktionalen Strukturen
führt und das Leben aus den Dörfern entfernt. Nur
Leute, die im Dorf wohnen, arbeiten, kommunizieren und
kulturell unterwegs sind, beleben, vitalisieren das Dorf. Wenn
in einem Dorf
keine Lebensmöglichkeiten gefunden werden, so kann ich es
in der Zwischenzeit mit einem beruhigten und einem weinenden
Auge verfallen sehen. Mit einem beruhigten Auge, weil die
Dörfer aus Stein, Lehm und Holz keine ökologischen
Altlasten hinterlassen (sie sind "abbaubar") und weil mit den
gleichen Kräften dafür irgendwo anders Leben
entsteht; mit einem weinenden Auge, weil es doch schmerzt,
etwas untergehen zu sehen, was Zeugnis vergangener Epochen ist
und von Leben erfüllt war.
Vielleicht könnten die verfallenen Dörfer
Sorias zum Zweck der tröstenden (?) Erinnerung mit einem
Netz von Fahrradwegen verbunden werden, was einem Konzept des
"sanften" Tourismus, einem "Kulturtourismus", dienen
könnte.
Was man nicht im Kopf hat, hat
man in den Beinen
Ich bin nach wie vor überzeugt, daß ein
befriedigender Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in
Soria erreicht werden muß. Nur müssen sie halt
nicht superschnell sein, dafür aber intelligenter. Hier
gilt auch der Spruch "Was man nicht im Kopf hat, hat man in
den Beinen".
Eine Regionalbahn, zweigleisig ausgebaut, könnte
sowohl den öffentlichen Personenverkehr und den
öffentlichen Güterverkehr, als auch den privaten
Güterverkehr decken. Die Fußgänger und
Fahrradfahrer können in Verbindung mit dem
öffentlichen Verkehr eine Region auch flächendeckend
erschließen, allerdings mit nicht so hohen
Geschwindigkeiten. Fußgänger und Fahrradfahrer
zerstören deshalb nicht die Strukturen, weil die
Fortbewegung immer noch mit körperlichem Energieaufwand
verbunden ist, und auch wenn ein Produkt zehn Kilometer
entfernt um 10% billiger ist, zahlt es sich doch oft aus, das
gleiche Produkt in der näheren Umgebung zu kaufen. So
kann sich ein lokaler Markt entfalten, und die fortschreitende
Konzentration und Zentralisation findet endlich seine Grenzen.
Die Belegung, die Dichte des Schienenverkehrs kann
durch die neuen Informationstechniken um einiges erhöht
werden, und der Einsatz von drei Kilogramm dieser Techniken
und 25 Kilogramm Hirn ermöglicht endlich einen alle
befriedigenden öffentlichen Verkehr. Heute muß man
Masochist sein, um die Bahn in Soria und die Verbindungen zum
überregionalen Zugverkehr zu benutzen. Der
öffentliche Busverkehr bringt auch den zum Verzweifeln,
der in einem bestimmten Ort in Soria zu einer bestimmten Zeit
sein will.
Auch wenn im Verkehr die wahren Kosten angerechnet
werden, wird der öffentliche Verkehr als Dienstleistung
der Gemeinschaft an ihre Mitglieder verstanden werden
müssen.
Die heutige Palette an landwirtschaftlichen Produkten
und heutige Anbaumethoden existieren schon lange Zeit. Nach
"Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes" züchteten die
frühesten bäuerlichen Gemeinschaften schon um 5000
bis 3000 vor Chr. Getreide wie Weizen und Gerste, Roggen,
Hafer und Hirse. "Schon in den frühesten
Fundzusammenhängen kommen Gemüsepflanzen vor,
Erbsen, Bohnen, Platterbsen und Linsen: Während die
Getreidearten Stickstoff aus dem Boden entnehmen, ersetzen
diese Gemüsepflanzen den Stickstoffgehalt, und man kann
annehmen, daß schon in frühester Zeit ein
Anbauwechsel vorgenommen wurde, um stetige Ernten zu erzielen.
Ein einfaches System der Fruchtfolge einschließlich
einer Brache kann schon in frühester Zeit vorausgesetzt
werden, ebenso die Anwendung einer Art Düngung. Vom
zweiten Jahrtausend v.Chr. an beweisen die Haufen von
Topfscherben, Knochenresten und anderen Relikten in den
vorgeschichtlichen Funden Englands die Verwendung von
Abfällen aus Haushaltungen und Wirtschaftshöfen zu
diesem Zweck. Flachs wurde anscheinend zuerst wegen seines
nahrhaften, öligen Samens wegen angebaut, bis man die
Verwendungsmöglichkeit der Fasern aus seinen Stengeln zur
Herstellung von Textilien erkannte."
[51]
Bild 61:
Ackerbau-Kulturen im Europa des
späten 4. bis 3. Jahrtausends v.Chr.:
1)»Westische«
Gruppen, 2)Süditalienisch-sizilische Gruppen, 3)
Trichterbecher- Gruppen, 4) Tripolje- Kultur, 5) Boian und
verwandte Gruppen, 6) Gebiet mit Dauersiedlungen seit dem 5.
Jahrtausend v.Chr.
In der Landwirtschaft hat sich in den letzten Tausenden
von Jahren eine ökonomische und ökologische
Anbauweise erhalten. Nur in den letzten
100 Jahren hat sich das Bild völlig umgedreht, und in
Soria erst in den letzten 50 Jahren. Diese vollkommen absurde
Entwicklung möchte ich mit zwei Schaubildern von Rudolf
H. Strahm skizzieren:
[52]
Bild 62:
Die nordamerikanische
Landwirtschaft kann nicht Vorbild sein.
Bild 63:
Monokultur und Bodenerosion
erfordern immer mehr Dünger.
Ökologische, biologische Landwirtschaft ist zeit-,
Gehirn- und arbeitsintensiv und kann verbunden mit einer
Veredelung der Produkte und einem sanften Tourismus zu einer
immensen Wertschöpfung im lokalen Raum verhelfen.
Natürlich müssen für biologische Lebensmittel
auch gerechte, dem Aufwand entsprechende Preise bezahlt
werden, wenn man von einer Subventionierung Abstand nimmt.
Konkurrenzfähig sind biologische Produkte, wenn die
Umwegrentabilität erkannt wird (weniger Arztkosten,
schmeckt besser, ...), beziehungsweise wenn die anderen
Lebensmittel auch teurer werden, zum Beispiel, wenn
Folgekosten nicht mehr auf Dritte abgewälzt werden
können.
Das Märchen von der Senkung der Lebensmittelpreise
für Konsumenten will uns vorgaukeln, daß wir besser
leben, wenn wir weniger Geld für Lebensmittel ausgeben.
Das stimmt in zweierlei Hinsicht nicht: Wenn wir jeden Tag
zweimal billig ein "Feiertagsessen" wie Fleisch verschlingen,
kostet uns das mehr als einfachere, dafür aber
höherwertige und teurere Kost. Und: Die Haushaltsausgaben
sind oft konstant. Was wir beim Essen einsparen, geben wir in
anderen Bereichen dafür umso mehr aus. Wir geben für
das am meisten aus, was uns am wichtigsten ist. Den Beweis
für diese Behauptung
kann jeder für sich selber erbringen.
Bild 64:
Bergwiesen bei Vizmano
Projekte in Berggebieten
Österreichs
Helmut Waldert beschreibt in seinem Buch
"Gründungen- Starke Projekte in schwachen Regionen" viele
Erfahrungen vieler Projekte in Berggebieten Österreichs,
die zweierlei zeigen:
1) Die wirtschaftliche Existenz
in solchen Berggebieten ist möglich, und
2) eine tragfähige
wirtschaftliche Entwicklung geht mit einer Entwicklung der
Persönlichkeit und des Bewußtseins einher, die
trägt.
Folgende Zitate daraus sind zwar
aus dem Zusammenhang gerissen, sind für mich aber
für Soria richtungsweisend:
"Sie bauen mehr als 40 Kulturen auf kleineren
Flächen an. Das sieht nach Verzetteln statt
Rationalisieren aus. Auf den zweiten Blick verfolgen sie damit
das Prinzip der Risikostreuung. Sie diversifizieren wie ein
Geldanleger seine Börsenpapiere: Er streut seinen
Aktienbesitz, um sein Risiko zu streuen." (S.86)
"Man kann den Vorgang auch Privatisierung politischer
Verantwortung nennen. Josef Köstlinger hatte ziemliche
Probleme, an die 45 Bauern in der Form einer Genossenschaft
zum Betrieb einer Getreide- Reinigungsanlage zu versammeln:
»Die schimpfen auf die großen Genossenschaften, wo
sie nichts zu reden haben, übertragen das auf kleine und
wollen auf keinen Fall eine Genossenschaft- obwohl sie
eigentlich keine Alternative haben.« Wieso keine
Alternative? Die besagten 45 Bauern sind durch die Bank
Bergbauernbetriebe, die auf organisch- biologischen Landbau
umgestellt haben, Selbst- Vermarkter und
Ab-Hof-Verkäufer. Nach der Erarbeitung der Kenntnisse vom
biologischen Landbau folgt die Erarbeitung des
Qualitätsbewußtseins. In einer Konsumwelt, in der
jedes Produkt und jede Ware auf den Regalen der
Supermärkte so tut, als ob es eine Attraktion für
sich wäre, ist Idealismus kein Verkaufsargument."(S.77)
"Liberalisierer und Privatisierer preisen den Markt als
einen sich selbst steuernden Wirtschaftsmechanismus, der alle
Nöte von der Wohnungsnot bis zu mangelhaften Produkten
beseitigt. Menschliche Entscheidungen werden
wegrationalisiert. Was vor sich geht, ist die
Industrialisierung des sozialen Lebens. Und auch die
Agrarpolitiker benehmen sich wie Maschinisten, die an Hebeln
drehen, Ventile schließen, Hähne öffnen und
Lämpchen bzw. Bildschirme beobachten, um
menschliches Verhalten einem sich selbst steuernden System zu
unterwerfen."(S.253)
Ich will an dieser Stelle nur einige Stichworte
bringen, denn das Buch ist es wert, von vorne bis hinten
gelesen zu werden. Die Stichworte kombinieren Erfahrungen und
Ideen aus dem Buch mit eigenen Erfahrungen und Ideen, allesamt
sind in Soria realisierbar. Ziel eines Seminars in Soria
wäre es auch, mit der dortigen Bevölkerung und
Phantasie diese Palette zu erweitern und in einer zweiten
Phase zu verwirklichen. Es gilt, die Wertschöpfung wieder
nach Soria zurückzuholen. Die Veredelung und
Weiterverarbeitung kann in den landwirtschaftlichen Betrieben,
im Gewerbe und in der Kleinindustrie erfolgen.
- Bergkräutergenossenschaft
mit Forschungsanstalt und Veredelung: Heilkräuter,
Aromas, Gewürze, Suppengewürze, Parfum
Bild 65:
Die keltiberische Tradition der
Druiden wird wieder aufgenommen: Druiden als Vermittler einer
ganzheitlichen Kultur der Heilkunst.
Quelle: Asterix und Obelix in
Spanien.
[53]
- Gesundheitszentren mit
Schlammbad (Lehm!), Heubad, Sonnenbad, Wasserbad (Kneippkur),
Sauna, versorgt mit gut ausgebildeten Ärzten, vermittelt
Heilkräuter, Homöopathie, Akupunktur, gesunde
Ernährung, Tanz (Gesundheit und Freude durch Bewegung),
Singen (Ventil für Emotionen).
hochwertige Speiseöle aus
Sonnenblumen, Kürbis, Lein, Mohn, Distel, ...
Bild 66:
Kräuter für ein
Gesundheitszentrum- Wiese bei Vizmano
- Getreidereinigungsmaschine
für dezentrale Behandlung von Getreide
- Erzeugung von Nudeln und
Getreideflocken
- Frischfleisch, Speck,
Würste
- Fischzucht
- Wolle und Leder
- Imkereiprodukte
- Milchprodukte, auch für
eine neue Getränkekultur: Ajran (erfrischendes
Kräuter-Yoghurt-Wasser-Getränk, stammt aus Persien,
der Türkei und Griechenland), Fruchtmilch,
Fruchtyoghurt,...
- Konservierung mit
Milchsäurebakterien,...
- Kulturzentren in einem
Wegenetz für Rad- und radlose Wanderer (Feste, Konzerte,
Veranstaltungen, wechselnde Ausstellungen)
- Mode, Kleider,
Hängematten, schaukelnde Betten, hängende Betten,
hängende Gärten, Schuhe, neue Möbel
- innovative
Fahrradkonstruktionen,
- innovative Bahnkonstruktionen
- Holzschnitzel-Heizkraftwerke,
Sonnenkollektoren, Solartrockner für Obst, Biogasanlagen,
Pflanzenkläranlagen, Biomasseanbau von Bauern zur
Herstellung von Biogas ("Energiefarming")
- Bildungstourismus,
Kulturtourismus, Gesundheitstourismus, Gaumentourismus,...
- Holzkonstruktionen, mit
aktivem Holzschutz: Probiotika (Spezialkulturen),
Förderung der Feinde der Feinde.
- ROTAS GALAX,
spiralförmige Bearbeitung der Felder statt rechteckig:
keine Bodenverdichtung, Raum für Hecken und andere
ökologische Nischen
- Bauernmarkt: Kommunikation
zwischen Produzent und Konsument.
Bild 67:
ROTAS GALAX (Erfinder: Walter
Albrecht, Wolfgang Pils), stellvertretend für eine
innovative eigenständige Regionalentwicklung
Quelle: Helmut Waldert:
Gründungen, Wien 1992, S.313.
Während die EG auf der einen Seite (noch) alle
Voraussetzungen schafft, daß kleine Strukturen im
ländlichen Raum wirtschaftlich untergehen,
unterstützt sie auf der anderen Seite doch wieder
Initiativen wie in Arcadia (Peloponnes), die "den Niedergang
in ländlichen Gebieten aufhalten" wollen.
[54]
Einerseits werden
Diversifikation, Weiterbildung und Fremdenverkehr
gefördert, andererseits bleiben die Rahmenbedingungen
doch wieder die selben, die doch wieder die Großen
begünstigen. Trotz allem glaube ich nicht, daß die
Großen längerfristig überleben werden.
Die Stärke lokaler, eigenständiger
Entwicklungen mit kleinen Strukturen liegt in deren
Vernetzung. Kleinere Betriebe können die Grundregeln der
Biokybernetik besser ausnützen als Großbetriebe,
weil sie flexibler, überschaubarer sind, und werden
dadurch in Zukunft besser überleben als
Großbetriebe.
Bild 68:
Quelle: Frederic Vester,
Ballungsräume in Krise, S.84.
Grund und Boden gehörten der Gemeinde und wurden
von ihr verpachtet, bis das römische Recht das private
Bodeneigentum im späten Mittelalter einführte.
[55]
Im Kapitalismus heute wird mit
Boden umgegangen, als könnte es einen freien Markt
dafür geben. Boden ist allerdings nicht vermehrbar,
sodaß Bodenmarkt nie frei sein kann. So wurde Boden auch
zum Spekulationsobjekt und
zur Investitionsanlage, und vom eigentlichen Zweck
entfremdet: als Teil der Erde ist der Boden die
Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Von den
indianischen Hochkulturen können wir Europäer in
dieser Hinsicht noch einiges lernen. Auch die Charta von Athen
(1933) verurteilt die Bodenspekulation und schlägt eine
Enteignung vor.
Margrit Kennedy schlägt für das Bodenproblem
eine Kombination von kapitalistischem Bodenrecht und
kommunistischem Bodenrecht vor. Die Bodenspekulation im
kapitalistischen Bodenrecht beschert ja einer Minderheit ein
arbeitsloses Einkommen zu Lasten der Allgemeinheit, im
kommunistischen Bodenrecht hingegen geht ein mangelndes
Interesse an einer wirtschaftlichen Nutzung auch zu Lasten der
Allgemeinheit.
Bodenrecht im Kapitalismus
Bodeneigentümer: private
Haushalte
Bodennutzung: private Haushalte
und Unternehmen
Bodenpachtertrag: in private
Taschen
Bodenrecht im Sozialismus/
Kommunismus
Bodeneigentümer: Staat/
Genossenschaften
Bodennutzung: staatlich
zugeteilt
Bodenpachtertrag: an den Staat
Lösung der Bodenrechtsfrage
Bodeneigentümer:
Gemeinschaft (Dorf, Stadt, Land)
Bodennutzung: private Haushalte
und Unternehmen
Bodenpachtertrag: über die
Gemeinschaft an alle Bürger
[56]
Die Gemeinde vergibt also ihre Grundstücke in
Erbpacht um eine Pacht von z.B. 3% des Zeitwerts des
betreffenden Grundstücks. "Die Pächter genössen
in diesem neuen System sämtliche Vorteile des heutigen
Erbpachtsystems: sie könnten ihren Besitz im Rahmen der
lokalen Planungsvorgaben nutzen, ihn bebauen, ihre Häuser
verkaufen beziehungsweise an ihre Nachkommen vererben. Sie
könnten an Dritte weitervermieten, solange sie ihre
Bodenpacht bezahlen. Eine angemessene Pacht wäre durch
öffentliche Ausschreibung oder Auktionen zu ermitteln,
womit der Ineffektivität von Planwirtschaft oder
bürokratischen Festlegungen ein Riegel vorgeschoben
wäre."
[57]
Sämtliches Land
müßte eine Abgabe von 3% auf den Zeitwert des
Grundstücks entrichten und daraus die Flächen
erwerben, was rechnerisch bei neutralem, zinslosem Geld in 33
Jahren möglich wird. Den Grundeigentümern
könnte die Gemeinde anbieten, wenn sie Ihr
Grundstück an die Gemeinde abtreten, daß sie ihr
Grundstück in Erbpacht
weiternutzen können und 33 Jahre von den
Pachtzahlungen befreit sind.
In Soria wird im ländlichen Raum zwar noch nicht
mit Boden spekuliert, trotzdem gibt es noch ungelöste
Probleme. Viele Grundstücke mit Häusern verfallen
und verwaisen in den Ortschaften, weil deren Besitzer
ausgewandert sind. Manche Besitzer tauchen im Sommer für
kurze Zeit wieder auf, um die Sommerfrische zu genießen
und um an Dorffesten teilzunehmen. Diese Besitzer haben noch
geistige und materielle Wurzeln in den Dörfern, was sie
selbst und deren Kinder vielleicht motivieren könnte, in
die Dörfer zurückzukehren, wenn sie unter neuen
Rahmenbedingungen sich wirtschaftlich und kulturell entfalten
können.
Von manchen Grundstücken sind die Besitzer gar
nicht mehr auffindbar, weil sie in einem anderen Erbteil
leben, oder weil sie gar nicht wissen, daß sie Teilerben
geworden sind. Die
Bürgermeister haben sich bis jetzt noch nicht getraut,
solche Grundstücke zu enteignen. So kommt es vor,
daß das Dorfzentrum zerfällt, während am Rand
neu gebaut wird. Die
Forderung nach Enteignung kann zwar schmerzen, wird aber kaum
zu umgehen sein.
Eine Abgabe der Grundstückseigentümer
wäre in den Dörfern auch sinnvoll, damit
Einrichtungen öffentlichen Nutzens finanziert werden
können. Die öffentliche Hand leidet in Soria sowieso
unter Geldmangel. Zudem würde auch wieder Geld von den
Städten in die Dörfer zurückfließen.
Die Nutzung der Grundstücke in den Gemeinden
Sorias in einem Erbpachtsystem würde es ermöglichen,
daß Leute aus den Städten mit der hohen
Arbeitslosigkeit in die Dörfer Sorias zurückkehren
könnten, ohne ihre finanziellen Kräfte in die
Bezahlung von Grundstücken zu verlieren. Es nützt
allen, wenn sie ihre Finanzen zum Aufbau ihrer
wirtschaftlichen Tätigkeit einsetzen.
Die Dörfer und Bauweisen
in Soria
Die Organisation von Siedlungen, von Dörfern und
Städten, entwickelte sich nach den Formen des
wirtschaftlichen Lebens ihrer Einwohner.
Die Dörfer in Soria sind meist als
Haufendörfer angelegt. Viehwirtschaft und Ackerbau werden
gleichzeitig betrieben. Die Tiere werden tagsüber auf die
Weiden getrieben und abends zurück in die Ställe
gebracht. So erklärt sich die Lage von Dörfern wie
Abioncillo im ländlichen Raum. Abioncillo braucht
ausreichend Abstand von den umliegenden Dörfern, damit
die eigenen Tiere ausreichend Weidefläche in der nahen
Umgebung haben. Innerhalb des Dorfes ermöglicht die
räumliche Nähe eine gute Zusammenarbeit, trotzdem
ist jedes Haus vom anderen durch mindestens einen Spalt
getrennt. In Cuellar de la Sierra hingegen sind drei bis vier
Häuser zu einem Block zusammengefaßt.
Bild 69:
Abioncillo lebt von den
Wiesen...
Bild 70:
...und von den Wäldern.
Diese Siedlungsform entstammt vielleicht schon aus der
»Tell«-Zeit, wie Kindler beschreibt: "In den
europäischen »Tell«-Siedlungen jedoch waren
die Häuser in den früheren Schichten - wie zum
Beispiel in der ersten Phase von Koranovo in Bulgarien, in
Tsangli und Otzaki-Magula in Thessalien oder Nea Nikomedeia in
Makedonien - individuelle, einräumige, locker innerhalb
des Dorfareals verstreute Bauten, und diese Art wurde niemals
aufgegeben. Weiterhin wurden zum Hausbau nicht nur Lehmziegel,
sondern auch hölzernes Fachwerk verwendet; von
zahlreichen Hausmodellen wissen wir, daß die Dächer
nicht flach, sondern gewalmt waren und Giebel hatten. Dies
sind zum Teil Änderung der Architektur, die
veränderten klimatischen Bedingungen entsprechen.
Dauerhafte und wirkungsvolle Bauten mit Mauern aus Lehmziegeln
lassen auf heiße Sommer und kalte Winter
schließen, und ebenso wie die Landwirtschaft sich
über die ursprüngliche Ernährung durch wilde
Getreidearten hinaus zur Züchtung härterer Sorten
entwickelte, so änderte sich die Architektur der
Häuser in ihrem Charakter, um sich dem kälteren
Klima anzupassen. ...
Überall bildete die Anlage der Dörfer aus
verstreuten Einzelhäusern mit Scheune und Kuhstall den
Gegensatz- wie heute auch noch- zu der orientalischen, eng
gedrängten Siedlung, und es scheint, daß diese
Dorfart schon in den frühesten bäuerlichen Kulturen
Europas entstanden ist."
[58]
Runde Hausformen gibt es in Soria im Norden und im
Süden: In der Gegend um San Pedro Manrique wurden aus
Stein runde Häuser mit einem Loch in der Mitte der Decke
gebaut, wo die Schäfer aus dem Süden Spaniens den
Sommer verbrachten (transhumancia).
Im Süden Sorias um Layna
(Medinaceli) entstanden runde Ställe zur Unterbringung
von Vieh im Winter, besonders von Schafen. Die
Dachkonstruktion bestand aus Ästen, der Unterbau aus
Stein. Dem Stall vorgelagert ist ein kreisförmiger
"Freiluftstall" aus Stein. Zur Herkunft der runden Häuser
schreibt Pigott:
"Auf der Iberischen Halbinsel entwickelte sich jenseits
der südlichen Küstenzonen mit ihren griechischen und
karthagischen Kolonien eine sehr komplizierte Situation: eine
keltische Volksgruppe hauptsächlich im Zentrum und im
Westen der Halbinsel, Iberer- mit einer nicht-
indoeuropäischen Sprache-
im Süden und im Osten, schließlich eine
gemischte kelt- iberische Gruppe als Resultat einer Vermengung
von beiden. Die keltischen Höhensiedlungen (castros) sind
befestigt mit Wällen oder Steinmauern und
weisen manchmal rechteckige oder ovale, meist jedoch runde
Häuser auf wie im gleichzeitigen Britannien."
[59]
Die Organisation des Hauses
In allen Dörfern verfügen die Häuser
über einen nordseitigen Stall im Erdgeschoß. Ein
von der Küche aus beheizter Backofen liegt meist neben dem Stall,
oder auch im Stall, damit die Tiere die Restwärme
ausnutzen konnten. Schließlich bildeten die Tiere die
Lebensgrundlage der Familie. Auf der anderen Seite der
Küche, beziehungsweise im Obergeschoß ober der
Küche, liegt das Schlafzimmer bzw. Zimmer mit
Schlafkojen. Über dem Stall wird das Heu gelagert, das
das Haus vor der Kälte schützen soll. Die kleinen
Fensteröffnungen sind meistens nach Süden
ausgerichtet, nach Norden gibt es nie Fenster, denn von dort
kommt der kalte Wind. Der Kampf gegen die Kälte wurde zum
Lebensprinizip.
[60]
Bild 71:
Grundriß der "casa
pinariega", nach Carlos Flores
[61]
Bild 72:
Grundriß eines Hauses in
Ribiana Soriana del Duero, nach M.a Rosario Miralbés
[62]
Bild 73:
Grundriß eines Hauses in
Almazán, nach M.a Rosario Miralbés
Das Leben fand hauptsächlich in der
Rauchküche statt, deren trichterförmig nach oben
führender Kamin zum Kennzeichen Sorianischer
Volksarchitektur erhoben wurde. Damit es nicht hineinregnete,
schloß der Konus des Kamins mit Holzbrettern oder
Steintafeln. In dieser Küche, dem wichtigsten Raum des
Hauses, wurde gekocht, gegessen, gearbeitet und manchmal auch
geschlafen: "La cocina es la habitación más
importante de la casa - y desde luego la más
característica e
interesante-, porque es, además de cocina, cuarto de
estar, comedor, lugar donde se fabrica el pan y se cura la
matanza, etc. ... el cono de la chimenea que arranca - negro
brillante por el humo - a dos metros del suelo, sobre el
quadrado de la habitación, y al final del cual, a
través del copete de tablas, se ve el cielo."
[63]
Bild 74:
Die Rauchküche, Schnitt
Quelle: Herrero Ayllón,
Antón Pacheco, 1933
Bild 74a:
Die Rauchküche, Axonometrie
Quelle: Herrero Ayllón,
Antón Pacheco, 1933
Bad und Toilette gibt
es im traditionellen Haus nicht. Gewaschen haben sich die
Menschen wahrscheinlich mit Schüsseln und am Bach, ihre
Bedürfnisse haben sie im Winter wahrscheinlich im warmen
Stall verrichtet.
Wo Stein vorhanden war, wurden die Häuser in Stein
errichtet (im Norden der Provinz), wo Lehm vorhanden war
(besonders im Tal des Duero), wurde das Holzskelett mit
Flechtwerk versehen und mit Strohlehm ausgefacht. Wo beides
vorhanden war, wurde öfters das Erdgeschoß in Stein
gebaut, das Obergeschoß in Lehm. Herrschaftliche
Häuser wurden in Stein gebaut.
Bild 75:
Haus mit Balkon auf der
Südseite in Vinuesa
Bild 76:
Laubenhäuser in
Calatañazor
In
Velasco (der Dorfname ist baskischen Ursprungs) gibt es ein
inzwischen verfallenes einfaches Bauernhaus, an dem viele
Techniken mit Inkonsequenz ausprobiert wurden:
1) Fachwerk mit Steinsockel
(Schutz vor Nässe) ca. 60 cm über dem Erdboden. Das
Fachwerk ist mit Adobeziegeln ausgefacht.
2) Zweischaliges Mauerwerk,
außen Stein, innen Lehmziegel, dazwischen ein Hohlraum.
Alle ein bis eineinhalb Meter verbindet ein länglicher
Stein beide Schalen.
3) Lehmmauerwerk ab dem
Erdboden. Der Steinsockel ist zu mühsam geworden.
Lehm wurde nicht nur in Form von aufgemauerten
Strohlehmziegeln oder verwendet
oder zwischen Flechtwerk geschmiert, sondern auch als
Stampflehm verarbeitet. Die Problematische Ecke wurde mit
Ziegelmauerwerk gelöst (siehe Bild 78).
[64]
Bild 77:
Die Schalung für
Stampflehmwände
Bild 78:
Stampflehmwände
Die leider
verfallende Kirche in Velasco (siehe auch Bild 7-8) ist ein
Zeugnis arabischen Ursprungs, was man an der kunstvoll
verzierten Decke über der Absis (noch) erkennen kann. Die
Außenfassade wurde mit einer speziellen Technik verputzt
(siehe Bild 79):
1) Die Steine werden
aufgemauert.
2) mit Mörtel deckend
verputzt
3) von den Steinspitzen wird der
Mörtel wieder entfernt, der Stein wird gewaschen
4) um den freigelegten Stein
wird ein Umriß eingraviert.
Bild 79:
Fünf Dörfer und
fünf Häuser
(Bauaufnahmen)
Espejo de Tera liegt nördlich von der Stadt Soria,
Richtung Almarza, und ist von der Hauptstadt ca. 12 km
entfernt, was nah genug ist, um es als Schlafdorf zu
verwenden.
Bild 80:
Der Eingang zum Hof
Der aufgemessene Hof besteht aus
einem Hauptgebäude und zwei daran anschließenden
Nebengebäuden, die alle einen mit Mauern umgrenzten Hof
umschließen.
Bild 81:
Das Hauptgebäude
Im Obergeschoß des
Hauptgebäudes befinden sich die Schlafräume, mit den
Fenstern nach Süden, im Erdgeschoß liegen die
Küche mit außenliegendem Backofen und ein Stall, wo
wahrscheinlich die wertvollsten Tiere, die Rinder, "wohnten".
Bild 82:
Der Backofen liegt außen,
ist aber von der Küche aus zugänglich
Der große Raum, der den
Zugang zu den oberen Geschossen, der Küche und dem Stall
verwahrte Arbeitsgerät, vielleicht wurde er auch als
Stall genutzt.
Bild 83:
Der Hof mit den Ställen
für kleine Haustiere
Auf der Westseite schließt
als Nebengebäude ein weiterer Stall mit vorgelagertem Hof
an. Er diente wahrscheinlich vor allem den Schafen. Auf der
Südseite des vorgelagerten Hofes schließen sich im
zweiten Nebengebäude zwei weitere Ställe an, die
auch kleineren Haustieren und Geflügel vorbehalten waren.
Sämtliche Außenmauern
wurden in Stein errichtet, die Dächer sind mit Tonziegeln
eingedeckt.
Cuellar de la Sierra liegt auch im Norden Sorias auf
der Straße nach San Pedro Manrique und ist von der
Hauptstadt ca. 18 km entfernt. In diesem Dorf sind die in
Stein errichteten Häuser in Blöcken
zusammengefaßt, und so hat auch das von mir vermessene
Haus einen Nachbar links und eine rechts.
Die Hauptöffnungen gehen
auch hier nach Süden. Über ein Tor gelangt man
über einen kleinen Hof in einen Vorraum, von dem aus alle
anderen Räume erschlossen werden: eine Stiege führt
in die Obergeschosse, zwei "Durchgangs"-Ställe und zwei
von diesen eschlossene Ställe, von denen der im
Süden auch einen direkten Ausgang nach außen hat.
Im Obergeschoß liegen die
Küche, die Kammern und Schlafräume. Der Dachboden
ist ein Ort der vielen entdeckbaren Dinge, die momentan nicht
gebraucht werden.
Bild 84:
Sarnago liegt ganz im Norden Sorias, vier Kilometer von
San Pedro Manrique und 44 km von der Hauptstadt entfernt.
Dieses Dorf wird drei Wochen im Jahr von ehemaligen Bewohnern
im Sommer belebt, sonst bleibt es leer.
Bild 85:
Sarnago, die Geisterstadt
Bild 86:
Die Dorfquelle als Zentrum: es
gibt doch Leben
Treffpunkt ist die Dorfquelle,
aus der langsam, aber doch Wasser fließt. Risse gehen
durch die Kirche, aber sie steht noch. Große Risse
trennen das Dorf von seinen Einwohnern, aber eine eine kleine
Bindung kann wieder zu einer größeren wachsen.
Bild 87:
Werden sich die Risse wieder
schließen?
Das von mir vermessene Haus war
damals schon beim Verfallen. Es ist ein langgestreckter,
dreigeschossiger Baukörper und ähnlich organisiert wie das
Haus in Cuellar de la Sierra: im Erdgeschoß befinden
sich Ställe, im Obergeschoß Küche,
Aufenthalts- und Schlafräume, im Dachgeschoß
diesmal aber auch ein Wohn- und Schlafraum.
Bild 88:
Bleibt irgendwann nur noch die
Erinnerung?
Die größeren Fenster
öffnen sich nach Südwesten, kleinere Gucklöcher
schauen nach Nordosten. Die Außenwände sind aus
Stein, die Innenwände aus Lehm.
Bild 89:
Ein mit Kalk bemalter Lehmputz
an der Decke macht die Räume hell
Die Holzbalkendecken sind nach
unten mit Lehm verputzt.
An
den Wohnteil schließen noch Scheune und ein weiterer
Stall an.
Abioncillo liegt bei Calatañazor, einem zum
Museum deklarierten Dorf, in der zentralen Zone Sorias, 34 km
von der Stadt Soria entfernt, 30 km von El Burgo de Osma.
Abioncillo wurde zum Teil von der "Cooperativa del Rio"
wiederaufgebaut, deren Lebensgrundlage die Führung einer
internationalen Schule und Sommeraufenthalt für Kinder
ist. Die landwirtschaftlichen Flächen um das Dorf sind
auch noch Lebensgrundlage für fünf Familien, die im
Dorf leben.
Auch hier sind viele Häuser
zu Blöcken zusammengefaßt, das von mir aufgenommene
hat links und rechts Nachbarn und hinten, nach Norden hin,
eine Scheune,und ist jetzt nicht mehr bewohnt.
Bild 90:
Bild 91:
Es ist ein Haus von eher armen
Leuten. Der Eingang liegt auf der Südseite, nach Osten
liegen die Schlafräume, in der Mitte die Küche mit
Öffnung zum Backofen, der im Westteil im Stall sitzt. Im
Dachgeschoß gibt es noch einen Schlafraum mit einem
kleinen Guckloch (nicht verglastes Fenster) nach Süden,
sonst wird im Dachgeschoß Heu, Futter, Vorräte und
anderes gelagert.
Bild 92:
Der Eingang für Menschen
und Tiere
Die Konstruktion besteht aus
Holzrahmen, die mit Stein, Flechtwerk und Lehm ausgefacht
sind. Teilweise sind die Außenwände mit Lehm
verputzt.
Bild 93:
Stein und Lehm füllen das
Holzskelett
Navapalos liegt in
der Nähe von El Burgo de Osma (10 km) im Südosten
Sorias, von der Hauptstadt 67 km entfernt. Ein Bach
fließt an Navapalos vorbei, um bald nach dem Dorf in den
Rio Duero zu münden. Das Dorf ist, wie berichtet,
völlig verlassen. Es soll zu einem internationalen
Konferenzzentrum werden.
Bild 94:
Das von mir vermessene Haus war
im Juli 1990 noch halbwegs gut beinander, im Juli 1993
allerdings haben sich die Wände vemehrt, die eingefallen
sind. Ein Dachschaden rüttelt an der Existenz. Ein aus
Lehm gebautes Haus rächt sich mit der
Selbstauflösung, wenn es nicht ab und zu gepflegt wird.
Bild 95:
Nicht gepflege Häuser sagen
Ade
Auf der Südseite befinden
sich wieder Aufenthaltsraum mit Schlafkoje, in der Mitte
Küche mit Speisekammer, nordseitig nach hinten Stall mit
Backofen.
Bild 96:
Der Backofen heizt den Stall
Im Obergeschoß liegen ein
weiterer Raum mit Schlafkojen, ein Raum, der vom Kamin beheizt
wird, und ein Raum zur Lagerung von Heu.
Bild 97:
Das Dachgeschoß wird zur
Lagerung von Getreide verwendet.
Modernes Bauen im
ländlichen Raum
Es ist klar, daß mit den heutigen Bautechniken
und den heutigen Erwartungen die Wohnhäuser auch im
ländlichen Raum anders ausschauen werden. Eine bessere
Wärmedämmung und die nicht zu umgehende passive
Nutzung der Sonnenenergie können die Menschen besser vor
der Kälte schützen, als es die damaligen Techniken
konnten. Die Umsetzung der neuen Techniken und Lebensart in
einer ehrlichen Weise fordert zur besten modernen Architektur
heraus. Im alten "Stil" weiterbauen, ohne daß die
Menschen im alten "Stil" leben wollen, hilft niemandem. An
dieser Stelle möchte ich auf die 'Vier Vorschläge'
von Dworsky für ein Bauen in der Region hinweisen:
1)analytische Typologie, 2) synthetische Typologie, 3)
kritischer Regionalismus, 4) wohlorganisiertes Territorium.
"Erster Vorschlag: Analytische
Typologie:
Der erste Kunstgriff besteht
darin, die Typologie nicht als Katalog von
Architekturbestandteilen, wie Dachformen, Fensterformen etc.,
aufzubauen, sondern zusammenhängende, komplette
Strukturen zu modellieren, das heißt Vernetztes vernetzt
zu lassen. ...
Zweiter Vorschlag: Synthetische
Typologie:
... Die Errichtung der
synthetischen Typologie ist somit der eigentlich kreative,
einzig vom Gestalter, vom Architekten festzulegende und
persönlich zu verantwortende Akt. ...
Dritter Vorschlag: Kritischer
Regionalismus:
... Eine strukturale Analyse
kann Grundlage und Ausgangspunkt einer frei anwendbaren
Typologie werden, die mit den eigentlichen architektonischen
Mitteln, wie soziale Raumkonfiguration, lokalökologisch
angemessene Konstruktionssysteme, Energieverwaltung,
Akzentuierung des Ortes, Wegführungen,
Platzorganisationen etc., arbeitet und das Regionale auf der
handgreiflichen Strukturebene trifft. ...(was) - von begabten
Händen umgesetzt- gänzlich neue, jedoch regional
tiefverankerte Architekturen und territoriale Ordnungen
erzeugt.
Vierter Vorschlag: Die Vision
vom 'wohlorganisierten Territorium'
... Die immer wieder empfundene
'Schönheit' einfacher historischer Bauwerke in der
Landschaft, von dörflichen Siedlungen, ist nicht eine
etwa dem Objekt per se anhaftende Eigenschaft, sondern die
Qualität einer zustimmenden und erfreulichen Beziehung,
die zwischen dem erkennenden Subjekt, dem Betrachter, und dem
Objekt, etwa dem Landschaftsbild, entstehen kann. ...
Die Gestaltungsdiskussion im
ländlich- dörflichen Raum hat sich demnach von den
falsch und zu kurz gezielten Hoffnungen auf das regionale
Kochbuch zu trennen und sich dem Aufbau bzw. dem Wiederaufbau
eines wohlorganisierten Territoriums zu widmen."
[65]
Die Vision einer Bauweise in
Soria
Folgende Wesenszüge des traditionellen Hauses von
Soria empfinde ich als spannend und wertvoll, dies
weiterzuführen: eine Vision:
Das Material Lehm hat auch in Europa eine große
Zukunft, besonders wenn die Polarisierung von Arm und Reich
noch länger andauert. Denn Lehm ist, abgesehen von den
ökologischen und gesundheitlichen Vorzügen, ein
ideales Material für Selbstbautechnologien, und somit
billig, und
fördert speziell lokale Strukturen.
Die Küche als soziales Zentrum und als
Lebensmittelpunkt im Haus soll bleiben, sie wird allerdings
nicht mehr der einzig warme Ort im Haus sein.
Der Stall hat in den Häusern seine Funktion
verloren, dafür aber ziehen sanitäre Räume ein:
Bad und Klosett (nicht unbedingt WC, WasserClosett, sondern
auch KT, Kompost-Toilette).
Das Prinzip der Öffnung des Hauses auf der
Südseite wird beibehalten, allerdings bringen
Isolierglasfenster mehr Wärme als die kleinen
Öffnungen. Vor Überhitzung besonders im Sommer und
in den Übergangszeiten schützen ein Vordach,
Sonnenschutz aus Schilf und spiegelnde Lamellen.
Die Wärmespeicherung im
Hausinneren, kombiniert mit einer Wärmedämmung nach
außen, schafft ein angenehmes Raumklima und hilft
zugleich, Energie zu sparen.
Der Austausch von Materialien und Energie, vom Haus in
die Umwelt und umgekehrt, bedient sich folgender Systeme und
Prinzipien:
- Abfalltrennung, -vermeidung
und -verwertung
- Abwasserklärung durch
Schilf-Binsen-Kläranlagen
- Energie durch Biogasanlagen,
nach dem neuen effizienten System der Phasentrennung (siehe
Bild 98)
[66]
: Input sind biologische
Abfälle und von Bauern produzierte Biomasse, Output sind
sehr reines Biogas und biologisch sehr wertvoller
landwirtschaftlicher Dünger.
- Die Wärme des Hauses
kommt von direkter und indirekter Nutzung der Sonnenenergie
Bild 98:
System einer Biogasanlage mit
Phasentrennung
M=1:100, hier: Tageslieferung 5
m3
Es ist sinnvoll,
die genannten Systeme gemeinschaftlich zu betreiben. Das
bedingt, daß mehrere bis viele Häuser durch
Kanäle und Leitungen miteinander verbunden werden. Um die
Kosten der Kanäle und Leitungen in Grenzen zu halten,
wird auch die räumliche Ausbreitung der Häuser in
Grenzen gehalten.
Aus dem Auge, aus dem Sinn
Es ist wichtig, daß solche gemeinschaftliche
Projekte der Versorgung und der Entsorgung nicht zu groß
werden. Schließlich müssen die Bewohner zum
Beispiel noch erleben können, wie aus ihrem Abwasser neu
verwendbares Wasser wird, wenn sie ökologische
Waschmittel verwenden. Sie müssen es er-leben
können, und nicht nur "wissen", daß sie sich selber
schaden, wenn sie der Umwelt schaden.
Der Stadtamtdirektor von Bremerhaven, Jürgen
Milchert, hat im November 1992 bei einem Berufungsvortrag auf
der Technischen Universität in Wien von seinen
Experimenten zur Erlebbarmachung, gegen die Verdrängung,
erzählt. Abgestorbene Bäume hat er nicht fällen
lassen, sondern von Künstlern gestalten lassen. Der
Erfolg zeigte sich bald: Teile der Bevölkerung haben
darauf empört reagiert, und so ist eine lebhafte
Auseinandersetzung in Schwung gekommen.
Das Sprichwort, "Aus dem Auge, aus dem Sinn", trifft
die Problematik auf den Kopf. Immer mehr wissen, immer mehr
informieren, das hat bis jetzt nur eine Minderheit der
Bevölkerung bewegt, das hat nur die Idealisten zum
Handeln angeregt, wodurch sie sogar von manchen als die
"Spinner von Beruf" eingeschätzt werden. Ich
schließe daraus, daß größere Teile der
Bevölkerung auf zwei Ebenen zu einem ökologischen
Handeln animiert werden können: daß sie die Folgen
ihres Handelns nicht nur be-greifen, sondern auch an-greifen
können, wie oben beschrieben, und daß
Rahmenbedingungen, innerhalb derer wir alle uns bewegen, in
die gewünschte Richtung verschoben werden. Da die
Entscheidung, wie die Rahmenbedingungen verschoben werden
sollen, von "unten" getragen werden muß, hilft es
nichts, wenn sie nur von "oben" verschrieben wird.
Selbstbeschränkung ist
zugleich Selbstbefreiung
Daß die Menschen zu Entscheidungen fähig
sind, die sie selbst beschränken, möchte ich mit
einem Beispiel aus Berndorf (Österreich) belegen.
Berndorf ist eine kleine Gemeinde von 1230 Einwohnern
im Salzburger Flachgau, deren Entwicklung in Teilen der des
ländlichen Raumes der Provinz Soria ähnelt. "So
wurde natürlich auch in Berndorf im Namen des
Fortschritts, der Rationalisierung und Intensivierung der
Landwirtschaft die ursprünglich vorhandene
Blockstreifenflur mit ihrem kleinräumigen Nebeneinander
von Heckensäumen, Feldrainen, Äckern und Wiesen
vielerorts ausgemerzt und der Verstümmelung der
Landschaft in die Hände gearbeitet. Heute weiß man,
daß damit nicht nur eine optische Banalisierung des
Lebensraumes, eine Reduzierung seiner Erlebniswerte, sondern
durch das Einerlei intensiv genutzter Agrarflächen auch
die natürliche Ausgeglichenheit von Flora und Fauna
verlorenging, mit weitreichenden Folgen für die
ökologischen Kreisläufe.
Natürlich hat man in den vom Wachstumsdenken
beherrschten Nachkriegsjahrzehnten auch in Berndorf
seelenruhig in den Wasserhaushalt eingegriffen und
Bachläufe in Betonsärgen verschwinden lassen,
Feuchtwiesen trockengelegt, Ufergehölze weggeputzt und
die Wassergüte durch Einleitung von Abwässern und
Überdüngung schwer geschädigt. Alles, ohne zu
bedenken, daß damit die auf Feuchtbiotope
spezialisierten Tiere und Pflanzen mit zugrunde gehen,
daß regulierte Fließstrecken kaum mehr
Selbstreinigungskräfte entfalten, daß Qualität
und Quantität des Grundwassers darunter leiden.
Natürlich huldigte man auch in Berndorf
jahrzehntelang einer Straßenbaupolitik, bei der das
Ortszentrum weitgehend dem motorisierten Verkehr als fahr-
bzw. Stellfläche geopfert wurde, bei der
Überlandstraßen ohne Rücksicht auf die
Landschaft als kürzeste Verbindung von Ortschaft zu
Ortschaft großzügig ausgebaut wurden, wobei es ein
erklärtes Ziel war, auch möglichst viele
Wirtschaftswege zu asphaltieren. Heute hingegen sind die
Probleme, die sich als Folge einer derartigen
Straßenbaupolitik eingeschlichen haben, auch in Berndorf
nicht mehr zu übersehen: Der Dorfkern ist insbesondere
durch Verkehrslärm stark belastet, lädt allein
deshalb zum Verweilen kaum mehr ein und verödet
allmählich. Die überbreiten, teilweise schnurgeraden
Außerortsstraßen verleiten zum Schnellfahren und
werden so auf ihre Weise- ganz entgegen ursprünglicher
Erwartungen- zum Sicherheitsrisiko. Da ihnen über weite
Strecken Begleitpflanzungen fehlen, mangelt es nicht nur an
einem wesentlichen Leitelement für den motorisierten
Straßenbenutzer, sondern es wird durch derartig kahle,
schlecht in die Landschaft integrierte Verkehrswege
darüber hinaus in hohem Maße auch das
Erscheinungsbild der Gegend zerstört. ... Der
fortwährende Ausbau des Straßennetzes zerteilt die
Landschaft im biologischen Sinne in lauter kleine Inseln, was
das Mikroklima bis weit in die
Bestände hinein verändert, und das gilt für die
Temperaturen wie für den Wind, das Licht und den
Wasserhaushalt."
[67]
Gerlind Weber beschreibt, wie in Berndorf mehr Bauland
gewidmet wurde, als benötigt war, und wie es zu massiver
Zersiedelung gekommen war. Nun aber entwickelte die Gemeinde
Eigeninitiative und begann, sich selbst aus dem Sumpf zu
ziehen. Die Gemeindevertretung und die Planungsgruppe wurden
sich über die Ziele und die Methodik einig: einem
ganzheitlichen, ökologischen Ansatz zu folgen und eine
vernünftige, d.h. durchsetzbare Bodenpolitik zu
verfolgen; "die Planung sollte von den Gemeindebürgern
erarbeitet, verstanden und akzeptiert werden, damit sie
jederzeit in der Lage und willens sein können, ihr
eigenes Konzept sowohl nach innen (gegen Einzelinteressen) als
auch nach außen (gegen Standesvertretungen, andere
Gebietskörperschaften) zu verteidigen."
[68]
Durch Verhängung einer Bausperre wurde Zeit zur
Erarbeitung eines Räumlichen Entwicklungskonzepts frei,
bei der die Bevölkerung in Arbeitskreisen mitwirkte.
Ergebnis war ein "Siedlungskonzept" und ein "Verkehrskonzept".
Der Flächenwidmungsplan wurde mit der Zustimmung der
Gemeindemandatare aller Parteien als "Nullvariante"
ausgeführt, was heißt, daß nur jene
Flächen als Bauland ausgewiesen wurden, die bereits
bebaut waren oder wo gerade gebaut wurde. Die Bevölkerung
wurde über Sinn und Zweck der Nullvariante vorbehaltslos
aufgeklärt. Mit opponierenden Grundeigentümern wurde
noch eine Kompromißformel gefunden, die mit dem
Siedlungskonzept in Einklang stand. Das stolze Ergebnis war
ein Rückwidmung von 30 Ha Bauland, ohne den Betroffenen
eine Entschädigung in Aussicht zu stellen.
Von einem anderen Beispiel kollektiver
Selbstbeschränkung und zugleich Selbstbefreiung
erzählt Hermann Knoflacher, aktiver Verkehrsplaner an der
TU Wien und außerhalb. Eisenstadt, die Stadt im
Bundesland des höchsten Motorisierungsgrades
Österreichs, hat in einer Abstimmung im November 1993
einer Erweiterung der Fußgängerzone zugestimmt. Und
dies, obwohl Knoflacher als Planer der
Fußgängerzone vor 15 Jahren noch Drohungen aus der
Bevölkerung erhielt. Durch den Einsatz des
Bürgermeisters wurde die Fußgängerzone vor
wenigen Jahren verwirklicht, was der Bevölkerung erst
ermöglichte, die Qualitäten dieser zu er-leben, zu
be-greifen.
[69]
Und die Moral von der
Geschichte: Experimente bringen oft mehr als
Informationsstände und Werbekampagnen. Und:
Veränderungen brauchen Zeit und Geduld.
Der Begriff Dorf
Was unterscheidet
Dörfer von den Städten, was haben sie
gemeinsam?
Sicherlich ist es einerseits die
Größe und andererseits die Rechtsstruktur, die
Dörfer von Städten unterschied. Der Spruch
"Stadtluft macht frei" bezog sich auf die Rechtslage,
daß die Menschen ihre Leibeigenschaft ablegen konnten,
wenn sie es schafften, in der Stadt ansässig zu werden.
Heute ist es andererseits die Größe, die eine Stadt
ausmacht. Es kommt immer öfter vor, daß
Ortschaften, die eine bestimmte Einwohneranzahl
überschreiten,
zur Stadt erklärt werden. Konkrete Vorteile bringt dies
in der heutigen Gesellschaft allerdings nicht.
Der Begriff "Dorf" impliziert eine bauliche
Geschlossenheit im Gegensatz zum Begriff "Gemeinde". Die
Dorfgrenze war eine Rechtsgrenze, innerhalb derer man vor Raub
und Mord geschützt wurde, außerhalb aber nicht. Die
heutige Rechtslage schützt die Menschen unabhängig
vom Ort vor Mord und Raub, sodaß sich die Dorfgrenze als
Rechtsgrenze auflöste. Die Gemeindegrenze ist eine Grenze
der Kompetenzen, die das Dorfgebiet mit dem Umland
umfaßt.
Der Spruch "form follows function" von Sullivan trifft
auch auf Siedlungen zu.
Ein Beispiel der Verflechtung von politischem Willen,
Form und Inhalt gibt uns die Stadt Retz im Weinviertel
(Niederösterreich). Die Stadtgründung wurde durch
ein besonderes Recht ermöglicht, sämtlichen Wein der
Umgebung allein zu verkaufen. Von diesem Geschäft konnten
dann die Bewohner von Retz leben. Die Monopolstellung
erforderte allerdings den Bau von riesigen Weinkellern, die
miteinander durch
Gänge verbunden waren.
Menschen in Dörfer leben meist von der
Landwirtschaft, Menschen in den Städten leben selten von
der Landwirtschaft. Denn die Landwirtschaft benötigt ja
große Anbauflächen, in deren Mitte die Menschen
leben, die sie bearbeiten. Wenn jetzt in der Landwirtschaft
weniger Menschen benötigt werden und deshalb sich die
Dörfer leeren, stellen sich zwei Fragen:
¿Braucht die
Landwirtschaft der Zukunft vielleicht doch mehr
Arbeitskräfte?
¿Gibt es auch andere
Beschäftigungen, die viel Land rundherum benötigen,
oder in so einer räumlichen Lage möglich sind?
Wer, warum und was?
Wer will heute noch im Dorf leben und warum? Wer will
nicht und warum nicht? Wer will heute wieder ins Dorf
zurückkehren und warum? Wer schreckt vor der Lebensweise
in Dörfern zurück, wovor und warum? Was macht heute
die unterschiedliche Lebensweise in den Städten und in
den Dörfern aus? Braucht es die Dörfer
überhaupt noch, wo liegt der Sinn des Lebens (der
Dörfer)? Welche Aktivitäten erzwingen eine Struktur
von Dörfern und welche Aktivitäten sind in einer
Struktur von Dörfern möglich? Welche Qualitäten
und Quantitäten von Erlebnissen gibt es in Dörfern,
welche in Städten? Worin besteht ein städtisches
Lebensgefühl? Wo existieren Dörfer in der
Wirklichkeit, und wo bloß in den Köpfen? Was
für einen Zusammenhang gibt es zwischen Kommunikation und
Dorf und Stadt?
Bild 99:
Wer sucht die
Zurückgezogenheit, sucht sie wer?
Canyon de los lobos
Bild 100:
Ein Ort der Besinnung: was
führt die Enge in die Weite?
Neues Leben in alten neuen
Dörfern
Eine Gruppe von Beschäftigung, die nicht auf
Konzentration und Zentralisation angewiesen ist, trotzdem aber
nicht wie die Landwirtschaft
auf Land angewiesen ist, liegt auf dem
Dienstleistungssektor (agricultura: ager= Land, Acker,
cultura= Kultur, Kultivierung =>Landwirtschaft = Wirtschaft
auf und mit Land, Acker). Über Computer vernetzte
Dienstleistungen können Menschen erbringen, die aus
irgendwelchen oder bestimmten Gründen es vorziehen, in
Dörfern zu leben.
Die Einrichtung von dezentral und peripher liegenden
Telehäusern schafft es, weit verstreute Orte zu
verbinden, ohne die Menschen in die soziale Isolation zu
treiben. "Dezentrale Telearbeit, wie sie mit Computern, die zu
Hause stehen, möglich ist, wird heute in verschiedenen
Arbeitsformen durchgeführt. Telehäuser
ermöglichen es, die Nähe zu Wohnungen zu nützen
und doch außer Haus zu arbeiten. In ländlichen
Regionen angesiedelt, bieten sie mit Hilfe von
Telekommunikation Information an und verarbeiten sie.
Durch die Entwicklung der Telekommunikation hat die
räumliche Dimension stark an Wirkung verloren.
Während die Entwicklung der Verkehrstechniken Eisenbahn
und Kraftfahrzeug die Funktionstrennung in Wohn- und
Arbeitsgebiete in großem Ausmaß forcierte, wird
die Transporttechnik Telekommunikation die Dezentralisierung
begünstigen."
[70]
In Österreich gibt es solche Projekte in Freiwald
in Freistadt, in Michaelbeuern/ Salzburg, in Hartberg/
Steiermark und in Eschenau (bei St.Pölten). Dabei werden
die Computer für die Bereiche Tourismus, Gewerbe,
Handwerk, Landwirtschaft, kommunale Verwaltung, Datenbank
für Dorf- und Stadterneuerung, Vermittlung von
Computerkenntnissen für Frauen, Bildung, Natur- und
Umweltschutz, Abfallvermeidung und -verwertung eingesetzt.
Es ist beinahe eine Euphorie ausgebrochen, daß
diese Kommunikationstechnologien die Dörfer vor der
Leerung (physisch und geistig) retten können. Ich bin da
sehr skeptisch, denn monofunktionale Strukturen haben noch nie
lange gehalten. Sicherlich können die
Kommunikationstechnologien ihren Beitrag leisten, doch auf
eine Umstrukturierung der Landwirtschaft, der Wirtschaft und
des Bewußtseins können wir wahrscheinlich nicht
verzichten.
Lebensphilosophie und Dorf
Städtische Räume sind aus dem ländlichen
Raum in die Stadt abgewandert. Der ländliche Raum
muß sich städtische Räume zurückholen und
neu schaffen.
Städtischer Raum ist für mich das Produkt aus
einer großen Anzahl von Menschen, der
Kommunikationsräume
und der Vielzahl und Vielfalt von Möglichkeiten.
Insofern gibt es in manchen Dörfern und Altstädten
mehr städtischen Raum als in manchen
Großstädten.
Die Qualität der Kommunikation und die Art der
Erlebnisse im Alltag bereichern die Kommunikationsräume
mehr als die Anzahl der technischen Einrichtungen zur
Kommunikation.
Wie ist eine geplante, nicht
gewachsene Siedlung entstanden? Durch Beschränkung? Durch
Eingrenzung?
Wie entwickelt sich ein Kind?
Durch Kennenlernen der eigenen Grenzen?
Wo gibt es Unbegrenztes ?
Kommunikation ist auch ein Produkt von Dichte und
Verhalten. Passives Verhalten verringert Kommunikation,
aktives vermehrt sie.
Ein Beispiel von traditioneller
aktiver Kulturbewältigung sind Musikkapellen und
Musikschulen.
Kommunikation ist ein Austausch, ist ein Geben und
Nehmen. Dieser Austausch kann direkt und indirekt erfolgen.
Indirekter Austausch beschränkt die Ebenen, auf denen
Austausch stattfinden kann. Bei direktem Austausch können
alle Sinne mitspielen: sehen, hören, spüren,
riechen, oder einfach dabei sein. Im öffentlichen Raum
kann ein solcher Austausch nur im entsprechenden Ambiente vor
sich gehen. Eine autofreie Zone ist nur eine Erfordernis, aber
eine entscheidende.
"Dient der Spielraum des Privaten- Wohnung, Terrasse,
Haus, Garten- der Selbstverwirklichung des einzelnen im Sinne
des Zu-sich-selbst-kommens, Bei-sich-selbst-seins durch die
Verfügungsfreiheit über die unmittelbare Umgebung - so müssen
andererseits die Spielräume des öffentlichen Lebens
auf Vielfalt, Abwechslung, Funktionsmischung, leichte und
beliebige Kommunikation, Freiheit zu spontanen gemeinsamen
Handlungen, kurz, auf so viele Zwecke hin, daß man
wieder von »Zwecklosigkeit« sprechen kann. Mit der
einen Ausnahme: daß sich in diesen Räumen
Öffentlichkeit überhaupt herstellen kann, ganz
gleich, ob unter Dach oder unter freiem Himmel."
[71]
Der Wandel der Gesellschaft
Weder das Leben in den Dörfern noch in den
Städten würde ich als Idylle bezeichnen. In der
Vergangenheit gab es patriarchalische Herrschafts- und
Führungsstrukturen, große soziale Ungleichheiten;
Eheschließungen wurden in den Dörfern oft nach der
Besitzgröße beschlossen und wurden von den Eltern
arrangiert. Das Leben der Dienstboten war einerseits von
Degradierung und Unterprivilegierung geprägt, vor allem
wenn sie im Alter als Einleger von Hof zu Hof ziehen
mußten, und von schlechter Kost und geringer Bezahlung,
andererseits aber auch von freundschaftlichen Beziehungen
zwischen den Dienstleuten und den Bauersleuten.
Die Beziehungen zwischen den Dorfbewohnern kennzeichnet
Brunhilde Scheuringer als Nachbarschaftsgemeinschaft:
"Nachbarn waren typische Nothelfer, und dies in einem eher
nüchternen und unpathetischen, vorwiegend
wirtschaftsethischen Sinn des Wortes. ... Nachbarn waren auch
berechtigt und verpflichtet, bei freudigen und traurigen
Ereignissen wie Geburt und Tod sowie bei festlichen
Anlässen wie Taufe oder Hochzeit in das
»Gemeinschaftshandeln« eingebunden zu werden."
[72]
Heute werden viele Verpflichtungen und Dienstleistungen
von modernen Sozialstrukturen und von Institutionen der
öffentlichen Hand übernommen, was einerseits diese
sozialen Bindungen auflöste, andererseits aber auch die
emotionale Verbindung zu den geschaffenen Dienstleistungen
löste.
Andererseits wird das Prinzip der gegenseitigen
Selbsthilfe doch wieder öfter angewandt, allerdings in
anderen Konstellationen. Das Vereinswesen mit seinen
Prinzipien der Freiwilligkeit und der demokratischen
Entscheidungen blüht auf. Scheuringer beschreibt das so:
"Individualisierungsbestrebungen und damit verbundene private
Rückzugstendenzen kennzeichnen heute auch das Leben auf
den Dörfern. Das muß nicht bedeuten, daß
keinerlei Kommunikation gewünscht wird, doch hat diese
einen veränderten Charakter, ist mehr durch
Unabhängigkeits-, freiwilligkeits- oder auch
freundschaftsmerkmale gekennzeichnet. Die moderne
Nachbarschaft und Geselligkeit im Dorf trägt mehr den
Charakter privater, persönlicher und auf Sympathie
beruhender Kontakte, die spontan und unabhängig von
verpflichtenden Verhaltenskriterien entstehen können.
Für die Dorfentwicklung stellt sich allenfalls die Frage,
wie die Herausbildung derartiger Kontakte entwickelt und
gefördert werden kann. Dazu sind öffentliche
Kommunikationsräume, aber auch besondere Anlässe und
Angebote nötig. Die Kommunikationsräume reichen vom
Wirtshaus über das Dorfcafé, die Grillhütte,
die Mehrzweckhalle bis hin zum verkehrsfreien oder zumindest
verkehrsberuhigten Dorfplatz, die Anlässe bzw. Angebote
vom Nachbarschaftsfest über das Dorffest bis hin zu
Brauchtumsveranstaltungen, Bildungswochen und Jugenddiscos.
Darunter finden sich zweifellos für das Dorf neuartige
Kulturformen, die jedoch gefördert werden sollten, da
Kommunikation nicht mehr wie früher schon allein durch
gemeinsames Arbeiten und Leben gegeben ist, sondern mehr zu
einer Freizeitangelegenheit geworden ist."
[73]
Max Weber beschreibt die Auflösung der
Hausgemeinschaft als eine Entwickung, die durch
äußere und innere Motive bedingt ist. "Von innen
her
wirkt die Entfaltung und Differenzierung der Fähigkeiten
und Bedürfnisse in Verbindung mit der quantitativen
Zunahme der ökonomischen Mittel. Denn mit
Vervielfältigung der Lebensmöglichkeiten
erträgt schon an sich der Einzelne die Bindung an feste
undifferenzierte Lebensformen, die die Gesellschaft
vorschreibt, immer schwerer und begehrt zunehmend, sein Leben
individuell zu gestalten und den Ertrag seiner individuellen
Fähigkeiten nach Belieben zu genießen. Von
außen her wird die Zersetzung gefördert durch
Eingriffe konkurrierender sozialer Gebilde: z.B. auch rein
fiskalischer Interessen an intensiverer Ausnutzung der
individuellen Steuerkraft ... Die normale Folge jener
Zersetzungstendenzen ist zunächst die Zunahme der Teilung
der Hausgemeinschaften im Erbfall oder bei Heirat von Kindern.
Die historische Entwicklung hat, nachdem in der Frühzeit,
also bei relativ werkzeuglosem Ackerbau, die Arbeitskumulation
das einzige ertragssteigernde Mittel gewesen war, und der
Umfang der Hausgemeinschaften eine Periode der Zunahme
durchgemacht hatte, mit der Entwicklung des individualisierten
Erwerbs im ganzen seine stetige Abnahme herbeigeführt,
bis heute die Familie von Eltern und Kindern ihr normales
Ausmaß bildet. Dahin wirkte die grundstürzende
Änderung der funktionellen Änderung der
Hausgemeinschaft, welche derart verschoben ist, daß
für den Einzelnen zunehmend weniger Anlaß besteht,
sich einem kommunistischen großen Haushalt zu
fügen. Abgesehen davon, daß die Sicherheitsgarantie
für ihn nicht mehr durch Haus und Sippe, sondern durch
den anstaltsmäßigen Verband der politischen Gewalt
geleistet wird, haben »Haus« und
»Beruf« sich auch örtlich geschieden und der
Haushalt ist nicht mehr Stätte gemeinsamer Produktion,
sondern Ort gemeinsamen Konsums. Der Einzelne empfängt
ferner seine gesamte Schulung für das Leben, auch das
rein persönliche, zunehmend von außerhalb des
Hauses und durch Mittel, welche nicht das Haus, sondern
»Betriebe« aller Art: Schule, Buchhandel, Theater,
Konzertsaal, Vereine, Versammlungen, ihm liefern. ...
Auf agrarischem Gebiet ist die
Möglichkeit freier Teilung des Bodens an technisch-
ökonomische Bedingungen geknüpft: ein mit wertvollen
Baulichkeiten belastetes in sich abgerundetes Gut, selbst ein
großes Bauerngut, kann nur mit Verlusten geteilt werden.
Die Teilung wird technisch erleichtert durch Gemengelage von
Äckern und Dorfsiedlung, erschwert durch isolierte Lage.
Einzelhöfe und größere kapitalintensive
Besitzungen neigen daher zur Einzelerbfolge, der kleine, im
Gemenge liegende arbeitsintensiv bewirtschaftete Besitz zur
immer weiteren Zersplitterung ....Der große Besitz lockt
ferner, einfach weil er Besitz und als solcher Träger
einer sozialen Position ist, schon an sich zur Zusammenhaltung
in der Familie, im Gegensatz zu dem kleinbäuerlichen
Boden, der bloß Arbeitsstätte ist. Das seigneuriale
Niveau der Lebensführung, welches seinen Stil in
festgefügten Konventionen findet, begünstigt das
subjektive Ertragen großer Hausgemeinschaften, welche,
in der Weiträumigkeit etwa eines Schlosses und bei der
auf diesem Unterbau sich von selbst einstellenden
»inneren Distanz« auch zwischen den nächsten
Angehörigen, den Einzelnen nicht in dem Maße in der
von ihm beanspruchten Freiheitssphäre beengt, wie ein an
Personenzahl ebensogroßer, räumlich aber
begrenzterer und des adeligen Distanzgefühls entbehrender
bürgerlicher Haushalt es gegenüber seinen, in ihren
Lebensinteressen meist mehr differenzierten, Insassen tut.
Außerhalb jener seigneurialen Lebensformen ist die
große Hausgemeinschaft heute nur etwa auf dem Boden
intensivster ideeller Gemeinschaft einer sei es
religiösen oder etwa sozial-ethischen oder auch
künstlerischen Sekte eine adäquate
Lebensform- entsprechend Klöstern und Klosterartigen
Gemeinschaften der Vergangenheit."
[74]
Bild 101:
Eremite im Canyon de los lobos
Ich bin überzeugt, daß die Entwicklung von
Zwangsgemeinsamkeiten zu freiwilligen Gemeinsamkeiten eine
gute ist. Nur darf das Wort "Gemeinsamkeit" nicht unter den
Tisch fallen, denn Bedarf an gemeinsamem Handeln wird es immer
geben. Die Motivation dafür wird aus dem Erkennen
gewonnen werden, und ein Erkennen erfordert ein
Sichtbarmachen.
Die Technik erlaubt es uns, viele Dienstleistungen in
der "Black Box" ablaufen zu lassen. Mit dem Wandel in der
Gesellschaft können wir das nicht so beibehalten.
Bewußtseinsänderung braucht Betroffenheit. Erst
Betroffenheit erzeugt ein Handeln, und Betroffenheit
können wir "erzeugen".
Ein Beispiel: Eine Pflanzenkläranlage, die die
Abwässer von, sagen wir, 100 Personen reinigt, zeigt eben
diesen 100 Personen, daß das dreckige Abwasser, das sie
verursachen, nach der Umwandlung im Wurzelbereich der Pflanzen
sein "Ab" verliert und wieder als Wasser herauskommt. Die
Pflanzenkläranlage zeigt allerdings auch, daß ihr
Ökosystem umkippt, wenn einige dieser 100 Personen
unökologische Waschmittel verwenden, und stinkt und fault
vor sich hin, sie protestiert also. Ein solcher Gestank ist
unangenehm, und die Ursache davon betrifft eben einen Teil
genau dieser 100
Personen, die dann über kurz oder lang betroffen werden
und reagieren. Würde die Kläranlage weit vom
Schuß sein und die Abwässer von Tausenden von
Personen reinigen, agieren die Verursacher der Abwässer
in zweierlei Form: nämlich überhaupt nicht (aus dem
Auge, aus dem Sinn) und mit Hoffnungslosigkeit: »Es
bringt nichts, wenn ich allein mich ökologisch verhalte,
und die ANDEREN das nicht tun. ("Tropfen auf dem heißen
Stein").«
Ein
anderes Beispiel:
Der Deutsche Wald wird regelmäßig von den an
der Luftverschmutzung und am sauren Boden erkrankten und
abgestorbenen Bäumen "gereinigt". Durch den
Holzüberschuß fallen die Holzpreise zwar in den
Keller, bis ins dritte Untergeschoß, aber an den
ökologiefeindlichen Rahmenbedingungen der deutschen
Wirtschaft und Politik ändert sich nichts, obwohl das
dringendst notwendig wäre. Um mit Josef Hader zu
sprechen, müßte die Not dringend gewendet werden.
Doch gewendet wird nicht etwa die Not, sondern nur die
Blickrichtung.
Aus dem Auge, aus dem Sinn. Auch für die Übermittler
der öffentlichen Meinung gibt es sensationellere Themen,
und statt "Bäume unterwegs" wird über "Autofahrer
unterwegs" berichtet. Aus dem Ohr, nichts geht vor.
Ist ein Frühling in Sicht?
Über das Verhältnis zwischen Dorf und
Ökologie beklagt sich auch der Ökologe Winfrid
Herbst. Nach einem langen Winter der Ignoranz ist zwar der
Frühling gekommen, aber es will noch nicht so recht warm
werden. Herbst macht seiner Enttäuschung (enttäuscht
= von allen Täuschungen befreit) über die
Entwicklung im Dorf und die Erwartungen an das Dorf zu Recht
Luft:
"Die
Flucht aus der Enge des Dorfes hin in die Stadt war als
bewußt gesetzter Akt die dauerhafte Abwendung von den
Schattenseiten des integrativen dörflichen
Zwangscharakters unter dem Motto "Stadtluft macht frei".
Zwischenzeitlich hat der gesellschaftliche Wandel wie eine
Abrißbirne Dorf und Dorfleben in Trümmer gelegt.
Gleichzeitig mit dem Mief verschwand auch alles, was den
Sehnsüchten nach Geborgenheit, Überschaubarkeit und
eng vernetzten Sozialbeziehungen entgegenkam. Die freimachende
Flucht ist jetzt nichts mehr als eine lärmende
tägliche Pendelbewegung aus dem Schlafdorf und wieder
zurück.
Als schämte man sich der
allzu engen Nachbarschaft mit ihr, wurde die Natur
gründlich aus dem Dorf vertrieben. ... Und das Grün
um die schäbig ausfransenden Ränder des Dorfes, so
fett, wie es nie war, wurde zur trügerischen Kulisse in
der Flur, die, frisch gestylt von den eben erst abgezogenen
Bereinigern (sie haben die Landschaft vom Reichtum des Lebens
gereinigt und dabei nur ihre Pflicht erfüllt!),
Natürlichkeit nur vortäuscht. Die Landschaft
spiegelt also die Veränderungen der dörflichen
Gesellschaft ebenso wider wie das Dorfleben selbst. ...
Dorfökologie bleibt folglich ein Minderheitenprogramm
für Schwarzseher, denn alle anderen sehen ohnehin nur
Grün. Ökologie im Dorf hat demnach eine ganz andere
Ausgangslage als in der Stadt. Hier glaubt man sich im Besitz
der reinen Natur, und dort strebt man danach. Leere Hände
haben mittlerweile aber beide. ... Ausgerechnet in der
kleinsten politischen Einheit, die nur Vollziehungs-, aber
nicht weitreichende legislative Kompetenzen hat, soll sich der
dringend geforderte politische und gesellschaftliche Wandel
vollziehen? Inmitten ungünstiger Rahmenbedingungen sollen
Dörfer Schritte setzen, auf die andere nur warten- den
freiwilligen Verzicht auf etwas üben, was zwar
langfristig sinnvoll, kurzfristig aber zumindest unklug ist?
...
Unsere Welt ist ein vernetztes
System, eins wirkt aufs andere, wie beinahe jedes Schulkind
heute schon weiß. Aber »es ist nicht genug, zu
wissen, man muß es auch anwenden« (J.W.v.Goethe).
... Vor dem sichtbar gewordenen Verwüstungen auf diesem
Planeten wird ein Weg der Versöhnung von Mensch und Natur
verlangt, der ein neuer Weg ist, ein anderer als der bisher
begangene. Es wird ihm neben dem technokratischen Kapitalismus
des Westens- an dem die Dorferneuerung schließlich ihr
Unbehagen formuliert- und dem am eigenen Unvermögen
versunkenen sozialistischen Industrialismus des Ostens wohl
geben. Dieser dritte Weg ist jener, der von der Vereinigung
des Prinzips Verantwortung mit jenem der Hoffnung gewiesen
wird. ..."
[75]
Gemeinwesenentwicklung im
Ultental
Im Ultental in Südtirol finden unter dem Motto
"Für ein lebenswertes Ulten" und "Gemeinwesenentwicklung"
einige nachahmenswerte Initiativen statt. So wurden je ein
Bauer und ein Gastwirt zusammengeführt, die dann Produkte
austauschen: der Bauer verpflichtet sich, die organischen
Abfälle des Gastwirtes abzunehmen, die er dann
kompostiert und an die Schweine verfüttert. Der Gastwirt
wiederum verpflichtet sich, die Produkte des Bauern
abzunehmen, mit denen er dann den Gästen ein Essen
anbieten kann, das zum Großteil aus hochwertigen
Lebensmitteln des lokalen Marktes besteht.
Dadurch, daß Bauer und
Gastwirt sich kennen und in direktem persönlichen Kontakt
stehen, kann die Qualität der ausgetauschten Produkte
kontrolliert werden, und bei Mängeln entsteht sofort
Betroffenheit, die zur Behebung der Mängel führt.
Ähnlich wird die Einrichtung und Betreuung von
Kinderspielplätzen organisiert: Die Kinder zeichnen ihre
Wünsche, die dann in die Planung integriert werden, die
Bewohner arbeiten mit ihrem eigenen Schweiß an der
Verwirklichung mit. Dadurch entsteht Identifikation, damit
auch ein Verantwortungsgefühl, mit dem der fertige
Kinderspielplatz dann auch betreut wird. Das heißt,
Dienstleistungen werden wieder von Dorfbewohnern
übernommen, gemeinsames Arbeiten fördert andere
Gemeinsamkeiten.
Die Winterwerkstätten dienen vor allem der
beruflichen Weiterbildung und der Förderung des lokalen
Marktes. Ganz nebenbei geht die Entwicklung des Gemeinwesens
einher, inklusive Entwicklung der Persönlichkeiten und
des Selbstwertgefühls. Die Kurse bieten Themen an wie
Verarbeitung von Schafwolle, Kerb- und Reliefschnitzen,
Töpfern, Käse machen, Sonnenenergie nutzen,
Nähen, Gesundheit. Es sollen eben die lokalen Ressourcen,
materielle und menschliche, genutzt werden.
Der Tourismus wird auch ganzheitlich und mit viel
Phantasie betrachtet. So wollen die Initiatoren ein Heubad,
ein Schlammbad, die Heilquellen, Kultur- Wanderwege,
Besinnungs- Wanderwege, gesunde Ernährung, und vieles
andere mehr miteinander verbinden und den Gästen
anbieten. Es zeigt sich schon jetzt, daß sich das
Engagement so vieler Personen wie das der Gemeinderätin
Waltraud Schwienbacher, wirtschaftlich und kulturell bezahlt
macht.
Zukunftswerkstätten
Solche zukunftsweisende Projekte entstehen und leben
durch Phantasie und Kreativität. Zukunftswerkstätten
nach Robert Jungk können die menschlichen und geistigen
Potentiale vieler Menschen entfalten helfen.
Ein wichtiges Ziel der Zukunftswerkstätten liegt
darin, den Menschen wieder Mut zu machen, ihre eigenen
Wünsche zu entdecken, zu äußern und zu
realisieren. Über Zukunftswerkstätten sollen sie
ihren Handlungsspielraum zurückgewinnen, ihre Zukunft
muß nicht an Planexperten delegiert werden, denn sie
wird endlich selbst in Arbeit genommen.
Robert Jungk und Norbert R. Müllert beschreiben
die Einwände gegen und die Wirkungen von
Zukunftswerkstätten so: "Der meistgehörte Einwand
der Planexperten gegen solche Zukunftswerkstätten und
andere Versuche, die Betroffenen maßgeblich am Entwurf
des Kommenden zu beteiligen, lautet:
Die 'einfachen' Leute
besäßen viel zu wenig Kenntnisse, um 'richtige'
Zukunftsentwürfe zu gestalten. Ihr Bildungsstand sei
ungenügend, ihre Informationen reichten nicht aus, ihr
Gesichtskreis sei zu beschränkt.
Gegeneinwand: Es
müßte doch möglich sein, diese Kenntnisse zu
vermitteln.
Behauptung der Fachleute:
Unmöglich. Das verlangt jahrelange Ausbildung. dazu kommt
als unabdingbare Voraussetzung die Begabung, sowohl abstrakt
und analytisch wie in großen Zusammenhängen zu
denken.
Frage: Ist dieser Hang der
Fachleute zur Theorie unter Vernachlässigung der
konkreten Details nicht vielleicht schuld daran, daß
ihre Zukunftsvorstellungen so unlebendig, so lebensfremd und
menschenfeindlich sind?
Verteidigung der Berufsplaner:
Kann man denn wirklich alle Einzelwünsche
berücksichtigen? Das würde zu Anarchie und Chaos
führen.
Argument der
Zukunftswerkstättler: Die Pläne und Vorhaben der
Behörden und des Managements scheitern doch meist daran,
daß die Betroffenen sie als unmenschlich und
gefährlich ablehnen. Wenn es nicht gelingt, die
Bevölkerung maßgeblich und rechtzeitig an der
Zukunftsgestaltung zu beteiligen, kann sie sich nicht mit ihr
identifizieren. Der übliche technokratische Weg
heißt: Planung wird mit Druck und sogar mit Gewalt
durchgesetzt.
Seit Jahren wird über die
Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit der
Staatsbürger geklagt. Diese Haltung verschwindet, wenn
die Menschen erfahren, daß sie wirklich mitentwerfen
können. Als sofortige psychologische Wirkung kann man
feststellen:
- Die Teilnehmer, gewöhnt
daran, daß ihre Ansichten als
»unqualifiziert« beiseite geschoben werden,
gewinnen Selbstvertrauen;
- sie geben nach und nach ihre
passive und resignierte Haltung auf und beginnen, sich als
aktive Teilnehmer am kommunalen, regionalen, nationalen und
internationalen Geschehen zu begreifen;
- ihre eigenen für eine
humane Lebensgestaltung unersetzlichen Lebenserfahrungen
werden endlich gehört und ernstgenommen;
- die durch die autoritäre
Erziehung und fehlende Herausforderung verschütteten
Phantasiequellen beginnen wieder zu fließen;
- weil sie in dieser neuen
demokratischen Einrichtung nicht nur zuhören, sondern
auch sprechen können, weil sie nicht nur aufnehmen und
hinnehmen, sondern auch geben, sind sie viel eher bereit, von
außen kommende einschlägige Informationen und
Ratschläge für sich zu nutzen, d.h. zu lernen und
entsprechend zu handeln;
- das gemeinsame Entwickeln
konkreter Zukunftsvorstellungen schafft zwischen den
Teilnehmern eine starke Erlebnisgemeinschaft.
Solche Versuche, die
Beschäftigung mit dem Kommenden zu demokratisieren,
können als bedeutende Wende in der erst kurzen Geschichte
der Zukunftsforschung angesehen werden ..."
[76]
Die Revitalisierung, Wiederbelebung der Dörfer in
Soria kann ich mir nur im Weg einer Wiederbelebung der
Demokratie im obigen Sinne vorstellen. Von einer sogenannten
"Ökodiktatur", die von manche Grünen gefordert wird,
halte ich nichts. Ein Verweis auf die Geschichte
müßte reichen.
Schmal ist schön
Weiters glaube ich, daß eine Wiederbelebung der
Demokratie in kleinen Einheiten anfangen muß, bevor sie
in größere Einheiten übergeht.
Ohnmachtgefühle entstehen dadurch, daß der eigene
Beitrag relativ sinnlos erscheint. Das Wort "relativ" hat die
große Bedeutung: relativ, im Verhältnis zu den
großen Mächten erscheint die eigene Macht zu klein.
Wenn wir möglichst viele Entscheidungen in kleine
Einheiten verlegen, wächst der Bevölkerung das
subjektive und objektive Gefühl, wieder Einfluß zu
haben, wieder über sich selbst und ihre Umwelt bestimmen
zu können.
Es geht also auch darum, zu überlegen, welche
Entscheidungen in welcher Ebene getroffen werden können.
Es wurde mir vorgehalten, mit den Ideen in dieser
Diplomarbeit bezweckte ich eine Abschottung der Provinz, und
ich trete dabei als Chefideologe auf, und wie wollte ich die
Ideen überhaupt realisieren?
Eine Abschottung gehört
nicht zu meinem Konzept. Ich bin für einen
internationalen und nationalen Austausch von Informationen,
doch die Anwendung der Informationen muß im lokalen
Bereich stattfinden, damit eine Diversizität entstehen
kann, die erst Anstoß zu neuen Weiterentwicklungen und
Innovationen ist.
Ich glaube nicht, daß es notwendig ist, mit einem
System alle Fliegen auf einen Schlag zu treffen, die
"Lösung" für das Problem zu finden. Ich halte nichts
von "Patendlösungen", die so patent sind, daß sie
ihre eigene Endlösung verursachen, um mit Paul Watzlawick
zu sprechen. In diesem Sinne verstehe ich auch die
Einführung eines zinslosen Geldsystems, das mit vielen
anderen Nebenwährungen verbunden sein soll, die Schaffung
eines Sozialnetzes, das mit anderen verbunden sein soll, die
Bildung von kleinen Genossenschaften, die mit anderen
zusammenarbeiten sollen.
Die Argumente der Anhänger von Megastrukturen
haben mich noch nie fasziniert oder auch nur annähernd
überzeugt, dafür aber die eines graduierten
Ökonomen und Kleinheitstheoretikers und -Praktikers wie
Leopold Kohr. Zur Charakterisierung seiner Erfahrungen und
Ideen bringe ich Auszüge aus einem Gespräch mit
Franz Kreuzer: "Alles ist eine Frage der gesellschaftlichen
Größen. Gewisse Größen produzieren
gewisse Probleme. Probleme sind natürlich immer da: Zehn
von zehn sterben immer- und so wird es bis zum letzten Tag der
Menschheit gehen. Es wird Arbeitslose, es wird Mörder und
Mordopfer, es wird jugendliche Drogensüchtige geben. Aber
bei gewissen Größen multiplizieren sich die
Probleme derart, daß die menschliche Möglichkeit,
sie zu bewältigen, nicht entsprechend wachsen kann. Die
Mittel zur Bewältigung wachsen in arithmetischer Weise,
linear. Die Probleme vergrößern sich in
größeren Gemeinschaften jedoch geometrisch, nach
der Zinseszinskurve.
(Kreuzer:
Sie verwenden ja eine sehr eindrucksvolle Analogie oder, wenn
man will, Herleitung aus der Biologie: Ein Floh kann springen,
ein zehnmal oder hundertmal größerer Floh
könnte ganz sicher nicht springen, er müßte
ganz anders konstruiert sein. Eine Gazelle, die zehnmal,
hundertmal größer ist, wird ein Mammut, ein
Saurier. Und die Mammuts, die Saurier sind nicht ohne Grund
ausgestorben. ..)
Da muß man auf den Zweck
der Gesellschaft zu sprechen kommen. Wozu ist eine
Gesellschaft da? Kurz zusammengefaßt: Wir erwarten vier
Dienste vom Gesellschaftsleben, die wir uns selber nicht
leisten können- denn sonst wäre keiner so ein Narr
und schlösse sich einer Gesellschaft an, wenn er ja alle
Genüsse allein haben könnte. Diese Vorteile, die wir
allein nicht haben können, sind: Der Vorteil der
unmittelbaren Gesellschaft unserer Mitmenschen. Dazu braucht
man, habe ich mir ausgerechnet, eine Gruppierung von
ungefähr Hundert, groß genug, um Abwechslung zu
vermitteln und klein genug, daß man den
persönlichen Kontakt nicht verliert.
Ein Wirtshaus verkörpert
diese Größenordnung. Nun zur zweiten Stufe, zum
nächsten Bedürfnis: der Mensch hat wirtschaftliche
Wünsche. Um sie zu erfüllen, braucht man eine
gewisse Arbeitsteilung: Ein Dorf mit ein paar hundert, mit
tausend Bewohnern ist so eine Wirtschaftsgesellschaft. Aber
dann beginnen die ersten Unsicherheiten einzutreten. Mit der
geselligen Gemeinschaft des Wirtshauses und der
Wirtschaftsgemeinschaft des Dorfes tauchen aber die ersten
sozialen Schwierigkeiten und Dispute auf, die ein drittes
Bedürfnis wecken: Den Drang nach Ordnung und Sicherheit.
Um den zu stillen, wird die politische Gesellschaft notwendig.
Die muß groß genug sein, um die erforderlichen
Polizisten, Richter, Beamten und Soldaten von der Last
befreien zu können, sich täglich ihren Unterhalt
selber ergattern zu müssen. Aber auch dazu sind kaum mehr
als ein paar tausend Einwohner notwendig, die durch die
Föderation einige Dutzend Dörfer bereitgestellt
werden können, wie blühende Kleinstaatengebilde wie
etwa Liechtenstein, Andorra oder San Marino so glänzend
bewiesen haben. Aber mit Geselligkeit, Wohlstand und
Sicherheit erscheint letztlich ein viertes- das höchste-
Bedürfnis des Menschen, das nur von der Gesellschaft befriedigt werden
kann. Das Verlangen nach Kultur, nach Theater, Geist, Kunst,
Musik, Universitäten. Um die dazu erforderlichen Talente
freizumachen, muß die kulturelle Gesellschaft noch etwas
größer sein als eine, die nur ihre konviviale,
wirtschaftliche und politische Funktion zu erfüllen hat.
Aber wie die griechische Polis oder die glitzernden
Stadt-Staaten des Mittelalters so glänzend bewiesen
haben, sogar für diese höchste Mission der
Gesellschaft genügen schon Bevölkerungen von
zwischen zwanzigtausend und hunderttausend Mitgliedern.
Infolge unserer technischen Errungenschaften kann man sich
aber die Obergrenze der optimalen
Gesellschaftsgröße heutzutage bei zehn bis
fünfzehn Millionen vorstellen. ... Die Natur hat die
Tendenz, alles, was zu groß wird, zu vernichten, und
alles, was sie vernichten will, zu groß werden zu
lassen. Das zeigt auch die Geschichte: Arnold Toynbee hat
darauf hingewiesen, nachdem er zwanzig Zivilisationen studiert
hat, daß jede zusammengebrochen ist, als sie die
Größe deines Weltstaates erreicht hatte. ...
Kantone schließen natürlich gemeinsame staatliche
Einrichtungen nicht aus."
[77]
Auch für Soria gelten folgende Grundsätze
Leopold Kohrs und führen zu wirtschaftlichem Erfolg: "Was
man im lokalen Bereich machen kann, soll man im lokalen
machen, was man im regionalen Bereich machen kann, soll man im
regionalen machen,
nur was man dort überall nicht machen kann, soll man im
internationalen Bereich machen" und "Klein sein oder nicht
sein, das ist hier die Frage".
Leopold Kohr führt ein Beispiel an: "Ich habe vor
kurzem im ältesten Kochbuch der Welt, von Athenäus,
die Geschichte von Sybaris gelesen, der reichsten Stadt des
Altertums. Alle, die Athener, die Korinther, die Spartaner
haben sich gewundert: Warum ist Sybaris so reich? Und dann
sind die Philosophen auf den Grund gekommen: Sybaris hat sich
dadurch von den anderen unterschieden, daß- während
alle anderen Hafenanlagen und Meeresbuchten gehabt haben, wo
Schiffe landen konnten- die Küste von Sybaris ganz gerade
war; es ließ sich kein Hafen machen. Infolgedessen
mußten die Sybariter alles, was sie produzierten, selber
konsumieren. So wurden sie reich: selfsufficiency- Autarkie.
...
Der größte
Verhinderer von Bevölkerungsexplosion ist das kleine
Gemeinwesen. Aus dem einfachen Grund- ich erinnere an Sybaris:
Kleine Gemeinschaften leben im Wohlstand, und hoher
Lebensstandard unterbindet die Fruchtbarkeit der Menschen. ...
Kein Grundsatz läßt
sich hundertprozentig durchführen. Auch von allem, was
ich sage, kann man zehn oder fünfzehn Prozent abziehen
..."
[78]
Im Sinne des letzten Ausspruchs von Leopold Kohr
könnte ich mir auch im Konkreten meine Mitarbeit zur
Revitalisierung von Dörfern vorstellen: Ich werde meine
Vorstellungen in einem Seminar (wie vorgeschlagen) genauso
einbringen, wie sie Interessierte der Bevölkerung
einbringen werden. Wir werden von uns gegenseitig lernen, und
die Projekte, das dann (vielleicht) entstehen, tragen die
Züge aller. Insofern brauche ich auch nicht den
Chefideologen spielen, und wenn ich mich schließlich
überflüssig machen und mich "vertschüssen"
kann, hat das Ganze einen Sinn und Erfolg gehabt.
Revitalisierung von Dörfern
bedeutet einen Wandel im Bewußtsein der Individuen
In Südtirol und in Schleedorf (Salzburg) entstand
nach dem 1. Internationalen Kongreß über
"Erwachsenenbildung auf dem Lande" 1989 im Schloß
Goldrain/Südtirol ein Verein unter dem Namen
"ComunalConzept- Institut für Gemeinwesenentwicklung".
Der Name des Vereins drückt aus, wie Karlo Hujber, einer
der Initiatoren, betont, daß lieber von Gemeinwesen und
Gemeindeentwicklung als von Dorferneuerung gesprochen wird,
denn eine Entwicklung muß unter die Haut gehen, reine
Fassadenerneuerung reicht nicht aus. Das schon beschriebene
Projekt der Dorferneuerung im Ultental wird von
"ComunalConzept" betreut.
Die Gemeinwesenentwicklung baut auf Bildungs- und
Kulturarbeit auf, im Weg muß das Ziel ersichtlich sein.
Kleine Einstiegsprojekte mit Zwischenerfolgen geben erste
Ermutigung zum Mitdenken und Mitarbeiten, die Theorie und
Praxis passiert zum Teil gleichzeitig, was den Bezug zur
Realität stärkt. Einbezogen werden in die Gestaltung
der Zukunft auch die Kinder, in meist spielerischer Form.
"Auch für Erwachsene kann es eine wichtige
"Einstiegshilfe" sein, sich diesem Anliegen in eher
"spielerischer" Form zu nähern. Ihnen bleibt es ja meist
vorbehalten, sich ihre Visionen, Vorhaben und Planungsschritte
zu erarbeiten, zu "ersitzen" und zu erdiskutieren."
[79]
Mit der Bevölkerung arbeiten die örtlichen
ProjektleiterInnen, die ExpertInnen und die
ProjektberaterInnen und -BegleiterInnen. Nach dem Motto
"Erfolgreich kommunizieren heißt lebendig kommunizieren"
wendet Hujber auch in der Vermittlung neuer Ideen neue
Methoden an: "Erkläre mir, und ich werde vergessen. Zeige
mir, und ich werde mich erinnern. Beteilige mich, und ich
werde verstehen."
Eine seltene Methode zur
Durchsetzung
Die keltiberischen Wurzeln in Soria bringen vielleicht
zu einer Rückbesinnung auf keltische Methoden zur
Durchsetzung von Recht und Ideen. Denn neben dem
"Drauflos-schlagen und Köpfe abhacken", was Gottseidank
der Vergangenheit angehört, gibt es auch das Fasten als
Mittel zur Sicherung des Wiedergutmachens. "Der Kläger
kam bei Sonnenuntergang und fastete bis zum Sonnenaufgang. Der
Beklagte war verpflichtet, gleichfalls zu fasten, und wenn er
das nicht einhielt, verdoppelte sich der Anspruch des
Klägers. Wünschte er Nahrung zu sich nehmen, so
mußte er zuerst dem Kläger zu essen anbieten und
versprechen, daß er zahlen oder sich dem Schiedsspruch
beugen wolle. Tat er innerhalb von drei Tagen keines von
beiden, so konnte er wie ein gemeiner Mann gepfändet
werden.
Wenn ein solcher Beklagter das
Fasten einfach nicht beachtete und sich weigerte zu bezahlen,
so verlor er seine Ehre; er konnte dann keinerlei eigene
Ansprüche durchsetzen ... Dieser Brauch findet eine
Parallele in den Hindugesetzen, wo dieser Vorgang dharna
(dharana) heißt. Ein Gläubiger kann fastend vor der
Tür des Schuldners sitzen, bis der Schuldner nachgibt, um
nicht am Tod des anderen schuldig zu sein."
[80]
Das Fasten ist ein sehr starkes, gewaltfreies Mittel
zur Durchsetzung von Recht, wird in hoffentlich selten
angewendet werden müssen. Es hat eine starke emotionale
Komponente, die wieder ein Gespräch zwischen Leuten in
Gang bringen kann, die sich nicht mehr riechen konnten.
Aktionsplan, Stufenplan für
Soria
Ein Projekt in Soria würde ich mir in folgenden
Stufen vorstellen, wobei manches parallel laufen könnte,
manches hintereinander, manches kann schon in wenigen Wochen
oder Monaten erreicht werden, anderes erst in achtundsechzig
oder mehr Jahren.
Zur vorläufigen Beurteilung der Prioritäten
des Kräfteeinsatzes in Soria wende ich die schon beschriebene Methode
des Papiercomputers nach Frederic Vester an.
Zur Erinnerung die
Fragestellung:
- Welches Element
beeinflußt alle anderen am stärksten, wird aber von
ihnen am schwächsten beeinflußt (aktives Element)?
=> höchste Q-Zahl.
- Welches Element
beeinflußt alle anderen am schwächsten, wird aber
von ihnen am stärksten beeinflußt (reaktives
Element)? => niedrigste Q-Zahl.
- Welches Element
beeinflußt die übrigen am stärksten und wird
gleichzeitig auch von ihnen am stärksten beeinflußt
(kritisches Element)? => höchste P-Zahl.
- Welches Element
beeinflußt die übrigen am schwächsten und wird
gleichzeitig auch von ihnen am schwächsten
beeinflußt (ruhendes oder pufferndes Element)? =>
niedrigeste P-Zahl.
- Welches ist das am
stärksten beeinflussendes Element? => höchste
AS-Zahl
- Welches ist das am meisten
beeinflußtes Element? => höchste PS-Zahl
AS=Aktivsumme, PS=Passivsumme,
Q=AS:PS, P=AS*PS
Die Bewertungen der Elemente werden nach subjektiver
Einschätzung vorgenommen, je nach dem vorhandenen Stand
des Wissens um die Wechselwirkungen.
0=keine Einwirkung
1=schwache Einwirkung
2=mittlere Einwirkung
3=starke Einwirkung
Das am stärksten beeinflussende Element sind die
Zukunftswerkstätten mit einer AS-Zahl von 61, gefolgt von
Erwachsenenbildung (57), Steuersystem (53) und Dorfplanung
(53).
Das am meisten beeinflußte Element sind die
Arbeitsplätze mit einer PS-Zahl von 57.
Das aktivste Element, das alle anderen am
stärksten beeinflußt, aber von ihnen am
schwächsten beeinflußt wird, sind die
Zukunftswerkstätten mit einer Q-Zahl von 3,81, gefolgt
von Beratungszentren (1,68), Steuersystem (1,66), Bodenrecht
(1,42), Erwachsenenbildung (1,36) und Geld (1,35).
Das reaktivste Element, das alle anderen am
schwächsten, aber von ihnen am stärksten
beeinflußt wird, sind die Grünflächen mit
einer Q-Zahl von 0,49, gefolgt von Bau von Häusern und
Siedlungen (0,75), Landwirtschaft (0,78), Gewerbe,
Kleinindustrie (0,78), Tourismus (0,80), öffentliche
Meinung (0,80) und Arbeitsplätze (0,82).
Das kritischste Element, das die übrigen am
stärksten beeinflußt
und gleichzeitig auch von ihnen am stärksten
beeinflußt wird, ist die Dorfplanung mit einer P-Zahl
von 2968, gefolgt von Arbeitsplätze (2679).
Das am meisten ruhende
oder puffernde Element,
das die übrigen am schwächsten beeinflußt und
gleichzeitig auch von ihnen am schwächsten
beeinflußt wird, ist das Bodenrecht mit einer P-Zahl von
513, gefolgt von den Grünflächen (820).
Bild 102:
Papiercomputer für Soria
Das Ergebnis zeigt,
daß die Bildung des Bewußtseins und die
Formulierung von Wünschen an die Zukunft an erster Stelle
meines Aktionsplans stehen. Alejandro Cordoba Largo ist auch
davon überzeugt, daß die Überwindung der
Resignation der Anfang der Zukunft ist. Immaterielle
Grundstrukturen schaffen dann die Vorraussetzungen, daß
es wieder mehr Arbeitsplätze gibt und daß Leute
wieder in Häusern in Soria leben.
Ich könnte mir folgende Aktionsstufen vorstellen:
1) Information an alle
Ex-Sorianer und andere über die "Casa de Soria" in den
verschiedenen Städten Spaniens.
2) Veranstaltung eines Seminars
mit Zukunftswerkstätte
in einem ausgesuchten Dorf in Soria.
3) Aufbau einer Geld- und
Beratungsstelle in einem ausgesuchten Dorf in Soria.
Herausgabe einer Zeitung, um Arbeitssuchende mit Arbeit
zusammenzubringen.
4) Unterbringung der
Aktivitäten in bestehenden Gebäuden, in zu
renovierenden Gebäuden und in neuen Bauten
(Selbstbautechnologien)
5) Aufbau eines Vereines zur
Förderung des Genossenschaftswesens.
6) Aktionen und Kultur zur
Verbreitung der Ideen.
7) Ständige Kontakte mit
den Medien.
8) Über alle Phasen
erstrecken sich die Kontakte zu den Behörden, die
einbeschlossen werden, die sich um die Verwirklichung
wichtiger Rahmenbedingungen wie des Steuersystems kümmern
sollen. Priorität haben allerdings die ständigen
Kontakte mit den "normalen" Leuten.
9) Ständige Betreuung der
schon entstandenen Projekte.
Als Abschluß
möchte ich ein hoffnungbringendes chilenisches Lied
bringen:
Todo cambia
Cambia lo superficial
cambia también lo
profundo
cambia el modo de pensar
cambia todo en este mundo.
Cambia el clima con los
años,
cambia el pastor su
rebaño
y así como todo cambia
que yo cambie no es
extraño.
Cambia el más fino
brillante
de mano en mano su brillo,
cambia el nido, el pajarillo,
cambia el sentir un amante,
cambia rumbo el caminante
aunque esto le cause
daño,
y así como todo cambia
que yo cambie no es
extraño.
Cambia todo cambia, ...(4x)
Cambia el sol en su carrera
cuando la noche subsiste,
cambia la planta y se viste
de verde la primavera.
Cambia el pelaje la fiera,
cambia el cabello el anciano
y
así como todo cambia
que yo cambie no es
extraño.
Pero no cambia mi amor
por más lejo que me
encuentre
ni el recuerdo, ni el dolor
de mi pueblo, de mi gente.
Y lo que cambió ayer
tendrá que cambiar
mañana
así como cambio yo
en esta tierra tán
lejana.
Pero no cambia mi amor...
Cambia, todo cambia, ...
Alles ändert sich
Alles ändert sich,
es ändert sich das
Oberflächliche,
es ändert sich auch das
Tiefe,
es ändert sich die Art zu
denken,
es ändert sich alles in
dieser Welt.
Es ändert sich das Klima
mit den Jahren,
es wechselt der Schäfer
seine Herde
und so wie alles sich
ändert
ist es nicht
außergewöhnlich, daß ich mich ändere.
Es ändert der feinste
Edelstein
von Hand zu Hand seine Schein,
es ändert das Nest, der
Sperling,
es ändert sich das
Gefühl eines Liebenden,
es ändert den Weg der
Wanderer,
obwohl es ihm schadet,
und so wie alles sich
ändert
ist es nicht
außergewöhnlich, daß ich mich ändere.
Alles ändert sich...
Es ändert die Sonne ihren
Lauf
wenn die Nacht erscheint,
es ändert sich die Pflanze
und man sieht
das Grün des
Frühlings.
Es ändert den Pelz das
Tier,
es ändert die Haare der
Greis
und so wie alles sich
ändert
ist es nicht
außergewöhnlich, daß ich mich ändere.
Aber es ändert sich nicht
meine Liebe,
so weit ich auch weg bin,
weder die Erinnererung, noch den
den Schmerz
meines Volkes, meiner Leute.
Und was sich gestern
änderte
wird sich morgen ändern
müssen,
so wie ich mich ändere
in dieser so weit entfernten
Erde.
Aber es ändert sich nicht
meine Liebe...
Alles ändert sich...
Bild 103:
Wir sind am Weg...
historischer Weg von Vinuesa
nach Salduero
Ernst HiesMayr: Das Karge als
Inspiration, Wien 1991
A.Garcia Barbancho, Las
migraciones interiores españoles, Madrid 1967. In:
Revista de investigación, tomo VII-VIII 1983-1984, Colegio Universitario
de Soria
Maria Consuelo Delgado Martinez, Apuntes sobre la
vida rural de la villa y tierra de Yangues (Soria), Siglos 12
-16. Centro de Estudios Sorianos, 1981, Soria
Bernhard Oberrauch: Lokale
Ökonomie. In: Helma Hammader, Hans Günther Schwarz,
Eigenständige Regionalentwicklung, GRAT, Wien 1990
Alejandro Cordoba Largo: La
despoblación en Soria- sus causas y efectos, Almazan
1983.
E.F.Schumacher: Vorwort zu
Leopold Kohr: The breakdown of Great Britain. In: ORF: Die
kranken Riesen- Franz Kreuzer im Gespräch mit Leopold
Kohr, Egon Matzner und Erhard Busek, Wien 1981.
Helmut Waldert: Gründungen-
starke Projekte in schwachen Regionen, Falter Verlag Wien
1992.
Frederic Vester: Vernetze
Systeme. In: Margrit Kennedy(Hrsg.): Öko-Stadt,
Prinzipien einer Stadtökologie, Frankfurt am Main 1984.
Rudolf Maxeiner, Dr.Gunther
Aschhoff, Dr.Herbert Wendt: Raiffeisen- Der Mann, die Idee,
das Werk, Wiesbaden 1988.
Sendung im ORF Journal über
Leopold Kohr am 28.2.1994.
Infocoop 8/9, Dez.1993; Infocoop
2/3, Juni 1993. Zeitung
des "Bund der Genossenschaften Südtirols".
Margrit Kennedy: Geld ohne
Zinsen und Inflation- ein Tauschmittel, das jedem dient. (Mit einem Beitrag
und Grafiken von Helmut Creuz).München 1991.
F.Preisigke: Girowesen im
griechischen Ägypten, Straßburg 1910; zitiert in
Hugo T.C.Godschalk: Die geldlose Wirtschaft- vom Tempeltausch
bis zum Barter-Club. Basis-Verlag, Berlin 1986, S.17. (zitiert
in: Kennedy, S.151)
Udo Reifner and Janet Ford.
General Introduction. In: Udo Reifner and Janet Ford (Hrsg.).
Banking for people, Berlin/New
York 1992
Thomas Estermann: Das
TALENT-Experiment, Schrift des INWO, Aarau 1993.
TALENT-EXPERIMENT, Herzogstr.26,
CH-5001 Aarau.
Creutz Helmut: Das
Geldsyndrom.-Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft,
München 1993
Antonio Matias Ortiz de
Zarazate, Elena Galdos Loyola: The Mondragon Bank and the
Cooperative Movement in Euskadia. In: Udo Reifner and Janet
Ford (Hrsg.). Banking for people, Berlin/New York 1992.
Otto Kreye: Wirtschaftspolitik
in der Krise, Journal Panorama ORF, 18.1.1994. Moderation:
Helmut Waldert
Helmut Waldert: Perspektiven
europäischer Regionen. Nova, ORF 14.12.1993
Helena Norberg-Hodge: Leben in
Ladakh, San Francisco 1991. Dt.Ausgabe Freiburg 1993.
Martin Weishäupl, Peter
Drössler: Die programmierte Pleite- Wirtschaft braucht
mehr Umweltschutz. In: Global News, Nr.2/93, Zeitschrift von
Global 2000.
Lothar Lockl: EG-Einbahn
für den Umweltschutz? In: Global News, Nr.2/93.
Christian Leipert, Rolf
Steppacher: Die Perspektive- W.Kapps Beitrag zu einer
ökonomischen Theorie der Zukunft. In: K.William Kapp:
Für eine ökosoziale Ökonomie, Frankfurt am Main
1987.
K.William Kapp: Für eine
ökosoziale Ökonomie, Frankfurt am Main 1987.
Christian Höller: Wie
verkehrt (ist) die EU?. In: VCÖ-Zeitung, Nr.3/4 1994,
Verkehrsclub Österreich
VCÖ-Zeitung, Nr.3/4 1994.
Hermann Knoflacher: Zur Harmonie
von Stadt und Verkehr- Freiheit vom Zwang zum Autofahren, Wien
1993.
Stuart Pigott: Vorgeschichte
Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1.
Rudolf H.Strahm: Warum sie so
arm sind - Arbeitsbuch zur Entwicklung der Unterentwicklung in
der Dritten Welt mit Schaubildern und Kommentaren, Wuppertal
1985.
Goscinny, Uderzo: Asterix in
Spanien, Band 14, Paris 1969. Deutsche Ausgabe.
Andrea Caspari: Den Niedergang
aufhalten in ländlichen Gebieten. In: LEDA-magazin.
Yoshito Otani: Ausweg, Band 3,
"Die Bodenfrage und ihre Lösung", Hamburg 1981. S.18-20.
Zitiert in: Kennedy, S.54.
Inmaculada Jiménez
Arques, Olga Anabitarte Urrutia, Carmen Padilla Montoya:
Arquitectura popular de Soria.
Carlos Flores, Arquitectura
Popular Española, Madrid 1973. (Band 3).
M.a Rosario Miralbés,
Contribución al Estudio Geoeconomico de Soria, Zaragoza
1967.
Herrero Ayllón,
Antón Pacheco: La casa pinariega, Studie (1933).
Veröffentlich in 'Celtiberia', Nr.5, 1953.
Juan de Villanueva: Arte de
Albañileria.
Alfons Dworsky: Regionales Bauen
- regionalistische Architektur. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das
gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.
Biogasanlage System Weymelka
Gerlind Weber: Keine Ortsplanung
ohne Bodenpolitik! - Das Beispiel Berndorf sollte Schule
machen. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf,
Salzburg/ Wien 1992.
Manuela Gappmayer: Peripher und
dezentral- Vier Telehäuser versuchen die
Telekommunikation in strukturschwachen Landgebieten nutzbar zu
machen. In: VCÖ-Zeitung, Nr.10, Dez. 1993.
Ulrich Conrads: Umwelt Stadt-
Argumente und Lehrbeispiele für eine humane Architektur,
München 1973.
Brunhilde Scheuringer: Das Dorf
im Spannungsfeld sozialen Wandels. In: Herbert Dachs(Hrsg.):
Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.
Max Weber: Wirtschaft und
Gesellschaft, Tübingen 1956. Band 1.
Winfried Herbst: Die verlorene
Kunst des Wachsenlassens- Über das verhältnis der
Dorferneuerung zur Ökologie. In: Herbert Dachs(Hrsg.):
Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.
Robert Jungk, Norbert R.
Müllert: Zukunftswerkstätten- Wege zur
Wiederbelebung der Demokratie, Hamburg 1981.
Leopold Kohr, 1981. In: ORF: Die
kranken Riesen- Franz Kreuzer im Gespräch mit Leopold
Kohr, Egon Matzner und Erhard Busek, Wien 1981.
Karlo Hujber: Dorferneuerung als
Prozeß auf der Grundlage der Bildungs- und Kulturarbeit.
In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/
Wien 1992.
Myles Dillon, Nora K.Chadwick:
Die Kelten. Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band
17.
Adolf Paster: Entwicklung -
Wohin? Konsequenzen einer 20 jährigen
Entwicklungs-Zusammenarbeit mit Menschen aus Europa und
West-Afrika ; Wien 1994, EVH HIFA (hilfe für alle),
Staudingergasse 11, 1200 Wien.
Fotonachweis:
Alle Fotos habe ich selbst
gemacht, außer folgendem:
Bild
67 (ROTAS GALAX) in: Helmut Waldert: Gründungen, Wien
1992
Ernst HiesMayr: Das Karge als
Inspiration, Wien 1991
A.Garcia
Barbancho, Las migraciones interiores españoles, Madrid
1967. In: Revista de investigación, tomo VII-VIII 1983-1984,
Colegio Universitario de Soria
Auskunft
von: Junta de Castilla y León, Delegación terratorial, Soria;
Servicio de Agricoltura y Ganadería
Maria Consuelo Delgado Martinez, Apuntes sobre la
vida rural de la villa y tierra de Yangues (Soria), Siglos 12
-16. Centro de Estudios Sorianos, 1981, Soria
Erhard
Rohmer, Centro Navapalos,
Asociaciación de Amigos de la Arquitectura
Autoctona y Tradiciones Populares, Rio Rosas, 30 4° dcha, 28003
Madrid, Tel 91/44 28 542
Entrevista
a Victorino, in: "Soria Libre", Zeitung der "Union
Castellanista", Juni 1990
Cooperativa
"del Rio", Abioncillo de Calatañazor, 42194 Soria, Tel.
(9)75 / 340709
Auszüge
aus dem Beitrag vom 3.11.1990.
In: Helma Hammader, Hans Günther Schwarz,
Eigenständige Regionalentwicklung, GRAT, Wien 1990
Alejandro
Cordoba Largo: La
despoblación en Soria- sus causas y efectos, Almazan
1983. S.186
E.F.Schumacher: Vorwort zu
Leopold Kohr: The breakdown of Great Britain. In: ORF: Die
kranken Riesen- Franz Kreuzer im Gespräch mit Leopold
Kohr, Egon Matzner und Erhard Busek, Wien 1981. S.107.
A.Cordoba Largo, S.186
Helmut Waldert: Gründungen-
starke Projekte in schwachen Regionen, Falter Verlag Wien
1992. S.85
Frederic Vester: Vernetze
Systeme. In: Margrit Kennedy(Hrsg.): Öko-Stadt,
Prinzipien einer Stadtökologie, Frankfurt am Main 1984.
S.9
Frederic Vester: Ballungsgebiete
in der Krise, München 1991. S.36.
Frederic Vester: Ballungsgebiete
in der Krise, München 1991. S.59.
Frederic Vester: Ballungsgebiete
in der Krise, München 1991. S.32.
Frederic Vester: Vernetzte
Systeme. S.13
Frederic Vester: Ballungsgebiete
in der Krise, München 1991. S.142.
Frederic Vester: Ballungsgebiete
in der Krise, München 1991. S.146.
Rudolf Maxeiner, Dr.Gunther
Aschhoff, Dr.Herbert Wendt: Raiffeisen- Der Mann, die Idee,
das Werk, Wiesbaden 1988.
Sendung im ORF Journal über
Leopold Kohr am 28.2.1994.
In:
Infocoop 8/9, Dez.1993, S.6; Infocoop 2/3, Juni 1993, S.1. Zeitung des "Bund
der Genossenschaften Südtirols".
In: Infocoop 1, Feb.1993, S.6
und 7.
Margrit
Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation- ein Tauschmittel, das
jedem dient. (Mit einem Beitrag und Grafiken von
Helmut Creuz).München 1991.
Kennedy,
S.20
Kennedy, S.87
F.Preisigke: Girowesen im
griechischen Ägypten, Straßburg 1910; zitiert in
Hugo T.C.Godschalk: Die geldlose Wirtschaft- vom Tempeltausch
bis zum Barter-Club. Basis-Verlag, Berlin 1986, S.17. (zitiert
in: Kennedy, S.151)
Kennedy, S.151
Kennedy,
S.139
Kennedy, S.43
Udo
Reifner and Janet Ford. General Introduction. In: Udo Reifner
and Janet Ford (Hrsg.). Banking for people, Berlin/New York
1992
Thomas Estermann: Das
TALENT-Experiment, Schrift des INWO, Aarau 1993.
TALENT-EXPERIMENT, Herzogstr.26,
CH-5001 Aarau. Tel. 064/228486, Fax 064/241730,
Mailbox
064/232171
Kennedy, S.201
siehe
auch: Creutz Helmut: Das Geldsyndrom.-Wege zu einer
krisenfreien Marktwirtschaft, München 1993
Kennedy, S.199
Kennedy, S.207
Antonio Matias Ortiz de
Zarazate, Elena Galdos Loyola: The Mondragon Bank and the
Cooperative Movement in Euskadia. In: Udo Reifner and Janet
Ford (Hrsg.). Banking for people, Berlin/New York 1992.
dotado
= talentiert, begabt
Otto Kreye: Wirtschaftspolitik
in der Krise, Journal Panorama ORF, 18.1.1994. Moderation:
Helmut Waldert
Helmut Waldert: Perspektiven
europäischer Regionen. Nova, ORF 14.12.1993
Helena Norberg-Hodge: Leben in
Ladakh, San Francisco 1991. Dt.Ausgabe Freiburg 1993.
Martin Weishäupl, Peter
Drössler: Die programmierte Pleite- Wirtschaft braucht
mehr Umweltschutz. In: Global News, Nr.2/93, Zeitschrift von
Global 2000.
Lothar Lockl: EG-Einbahn
für den Umweltschutz? In: Global News, Nr.2/93.
Christian Leipert, Rolf
Steppacher: Die Perspektive- W.Kapps Beitrag zu einer
ökonomischen Theorie der Zukunft. In: K.William Kapp:
Für eine ökosoziale Ökonomie, Frankfurt am Main
1987. S.10-15.
K.William Kapp: Für eine
ökosoziale Ökonomie, Frankfurt am Main 1987. S.38.
Christian Höller: Wie
verkehrt (ist) die EU?. In: VCÖ-Zeitung, Nr.3/4 1994,
Verkehrsclub Österreich
Artikel in: VCÖ-Zeitung,
Nr.3/4 1994.
Hermann Knoflacher: Rechnung
für den lokalen Markt. In: Vorlesung "Siedlungsstruktur
und Verkehr", Technische Universität Wien, Winter
1993/94.
Hermann Knoflacher: Zur Harmonie
von Stadt und Verkehr- Freiheit vom Zwang zum Autofahren, Wien
1993. S.23.
Hermann Knoflacher: Zur
Harmonie..., S.31-34.
Stuart Pigott: Vorgeschichte
Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1.
S.91.
Rudolf H.Strahm: Warum sie so
arm sind - Arbeitsbuch zur Entwicklung der Unterentwicklung in
der Dritten Welt mit Schaubildern und Kommentaren, Wuppertal
1985. S. 58 und 78.
Goscinny, Uderzo: Asterix in
Spanien, Band 14, Paris 1969. Deutsche Ausgabe, S. 39.
Andrea Caspari: Den Niedergang
aufhalten in ländlichen Gebieten. In: LEDA-magazin, S.6.
"LEDA ist ein Programm der Generaldirektion V
'Beschäftigung, Soziale Angelegenheit und Bildung' und
wird von John Morley, Leiter der Abteilung
Beschäftigungspolitik und Arbeitsmarkt V/B/1 in
Zusammenarbeit mit seinen Kollegen Gerda Löwen, Makis
Potamianos und Miguel Vincente Nuñez geleitet."
Yoshito Otani: Ausweg, Band 3,
"Die Bodenfrage und ihre Lösung", Hamburg 1981. S.18-20.
Zitiert in: Kennedy, S.54.
Kennedy, S.55.
Kennedy, S.57
Stuart Pigott: Vorgeschichte
Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1.
S.97.
Stuart Pigott: Vorgeschichte
Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1.
S.266.
Inmaculada Jiménez
Arques, Olga Anabitarte Urrutia, Carmen Padilla Montoya:
Arquitectura popular de Soria.
Carlos Flores, Arquitectura
Popular Española, Madrid 1973. (Band 3).
M.a Rosario Miralbés,
Contribución al Estudio Geoeconomico de Soria, Zaragoza
1967.
Herrero Ayllón,
Antón Pacheco: La casa pinariega, Studie (1933).
Veröffentlich in 'Celtiberia', Nr.5, 1953, S.101 bis 119.
Juan de Villanueva: Arte de
Albañileria.
Alfons Dworsky: Regionales Bauen
- regionalistische Architektur. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das
gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.184-193.
Biogasanlage System Weymelka
Gerlind Weber: Keine Ortsplanung
ohne Bodenpolitik! - Das Beispiel Berndorf sollte Schule
machen. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf,
Salzburg/ Wien 1992.S.131
Gerlind Weber, S.133
Prof. Hermann Knoflacher:
Vorlesung Grundlagen der Verkehrsplanung, 1993/94. Technische
Universität Wien.
Manuela Gappmayer: Peripher und
dezentral- Vier Telehäuser versuchen die
Telekommunikation in strukturschwachen Landgebieten nutzbar zu
machen. In: VCÖ-Zeitung, Nr.10, Dez. 1993.
Ulrich
Conrads: Umwelt Stadt- Argumente und Lehrbeispiele für
eine humane Architektur, München 1973. S.135.
Brunhilde Scheuringer: Das Dorf
im Spannungsfeld sozialen Wandels. In: Herbert Dachs(Hrsg.):
Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.20-36.
Brunhilde Scheuringer: Das Dorf
im Spannungsfeld sozialen Wandels. S.33.
Max Weber: Wirtschaft und
Gesellschaft, Tübingen 1956. Band 1, S.293-294.
Winfried Herbst: Die verlorene
Kunst des Wachsenlassens- Über das verhältnis der
Dorferneuerung zur Ökologie. In: Herbert Dachs(Hrsg.):
Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.141-150.
Robert Jungk, Norbert R.
Müllert: Zukunftswerkstätten- Wege zur
Wiederbelebung der Demokratie, Hamburg 1981. S.22.
Leopold Kohr, 1981. In: ORF: Die
kranken Riesen- Franz Kreuzer im Gespräch mit Leopold
Kohr, Egon Matzner und Erhard Busek, Wien 1981. S.20-25.
Leopold Kohr, 1981. S.30.
Karlo Hujber: Dorferneuerung als
Prozeß auf der Grundlage der Bildungs- und Kulturarbeit.
In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/
Wien 1992.S.160-168.
Myles Dillon, Nora K.Chadwick:
Die Kelten. Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band
17. S.170.
[1] Ernst HiesMayr: Das Karge als Inspiration, Wien 1991
[2] A.Garcia Barbancho, Las migraciones interiores españoles, Madrid 1967. In: Revista de investigación, tomo VII-VIII 1983-1984, Colegio Universitario de Soria
[3] Auskunft von: Junta de Castilla y León, Delegación terratorial, Soria; Servicio de Agricoltura y Ganadería
[4] Maria Consuelo Delgado Martinez, Apuntes sobre la vida rural de la villa y tierra de Yangues (Soria), Siglos 12 -16. Centro de Estudios Sorianos, 1981, Soria
[5] Erhard Rohmer, Centro Navapalos, Asociaciación de Amigos de la Arquitectura Autoctona y Tradiciones Populares, Rio Rosas, 30 4° dcha, 28003 Madrid, Tel 91/44 28 542
[6] Entrevista a Victorino, in: "Soria Libre", Zeitung der "Union Castellanista", Juni 1990
[7] Cooperativa "del Rio", Abioncillo de Calatañazor, 42194 Soria, Tel. (9)75 / 340709
[8] Auszüge aus dem Beitrag vom 3.11.1990. In: Helma Hammader, Hans Günther Schwarz, Eigenständige Regionalentwicklung, GRAT, Wien 1990
[9] Alejandro Cordoba Largo: La despoblación en Soria- sus causas y efectos, Almazan 1983. S.186
[10] .F.Schumacher: Vorwort zu Leopold Kohr: The breakdown of Great Britain. In: ORF: Die kranken Riesen- Franz Kreuzer im Gespräch mit Leopold Kohr, Egon Matzner und Erhard Busek, Wien 1981. S.107.
[11] A.Cordoba Largo, S.186
[12] Helmut Waldert: Gründungen- starke Projekte in schwachen Regionen, Falter Verlag Wien 1992. S.85
[13] Frederic Vester: Vernetze Systeme. In: Margrit Kennedy(Hrsg.): Öko-Stadt, Prinzipien einer Stadtökologie, Frankfurt am Main 1984. S.9
[14] Frederic Vester: Ballungsgebiete in der Krise, München 1991. S.36.
[15] Frederic Vester: Ballungsgebiete in der Krise, München 1991. S.59.
[16] Frederic Vester: Ballungsgebiete in der Krise, München 1991. S.32.
[17] Frederic Vester: Vernetzte Systeme. S.13
[18] Frederic Vester: Ballungsgebiete in der Krise, München 1991. S.142.
[19] Frederic Vester: Ballungsgebiete in der Krise, München 1991. S.146.
[20] Rudolf Maxeiner, Dr.Gunther Aschhoff, Dr.Herbert Wendt: Raiffeisen- Der Mann, die Idee, das Werk, Wiesbaden 1988.
[21] Sendung im ORF Journal über Leopold Kohr am 28.2.1994.
[22] In: Infocoop 8/9, Dez.1993, S.6; Infocoop 2/3, Juni 1993, S.1. Zeitung des "Bund der Genossenschaften Südtirols".
[23] In: Infocoop 1, Feb.1993, S.6 und 7.
[24] Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation- ein Tauschmittel, das jedem dient. (Mit einem Beitrag und Grafiken von Helmut Creuz).München 1991.
[25] Kennedy, S.20
[26] Kennedy, S.87
[27] F.Preisigke: Girowesen im griechischen Ägypten, Straßburg 1910; zitiert in Hugo T.C.Godschalk: Die geldlose Wirtschaft- vom Tempeltausch bis zum Barter-Club. Basis-Verlag, Berlin 1986, S.17. (zitiert in: Kennedy, S.151)
[28] Kennedy, S.151
[29] Kennedy, S.139
[30] Kennedy, S.43
[31] Udo Reifner and Janet Ford. General Introduction. In: Udo Reifner and Janet Ford (Hrsg.). Banking for people, Berlin/New York 1992
[32]
Thomas Estermann: Das
TALENT-Experiment, Schrift des INWO, Aarau 1993.
TALENT-EXPERIMENT,
Herzogstr.26, CH-5001 Aarau. Tel. 064/228486, Fax
064/241730,
Mailbox 064/232171
[33] Kennedy, S.201
[34] siehe auch: Creutz Helmut: Das Geldsyndrom.-Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft, München 1993
[35] siehe auch: Creutz Helmut: Das Geldsyndrom.-Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft, München 1993
[36] Kennedy, S.207
[37] Antonio Matias Ortiz de Zarazate, Elena Galdos Loyola: The Mondragon Bank and the Cooperative Movement in Euskadia. In: Udo Reifner and Janet Ford (Hrsg.). Banking for people, Berlin/New York 1992.
[38] dotado = talentiert, begabt
[39] Otto Kreye: Wirtschaftspolitik in der Krise, Journal Panorama ORF, 18.1.1994. Moderation: Helmut Waldert
[40] Helmut Waldert: Perspektiven europäischer Regionen. Nova, ORF 14.12.1993
[41] Helena Norberg-Hodge: Leben in Ladakh, San Francisco 1991. Dt.Ausgabe Freiburg 1993.
[42] Martin Weishäupl, Peter Drössler: Die programmierte Pleite- Wirtschaft braucht mehr Umweltschutz. In: Global News, Nr.2/93, Zeitschrift von Global 2000.
[43] Lothar Lockl: EG-Einbahn für den Umweltschutz? In: Global News, Nr.2/93.
[44] Christian Leipert, Rolf Steppacher: Die Perspektive- W.Kapps Beitrag zu einer ökonomischen Theorie der Zukunft. In: K.William Kapp: Für eine ökosoziale Ökonomie, Frankfurt am Main 1987. S.10-15.
[45] K.William Kapp: Für eine ökosoziale Ökonomie, Frankfurt am Main 1987. S.38.
[46] Christian Höller: Wie verkehrt (ist) die EU?. In: VCÖ-Zeitung, Nr.3/4 1994, Verkehrsclub Österreich
[47] Artikel in: VCÖ-Zeitung, Nr.3/4 1994.
[48] Hermann Knoflacher: Rechnung für den lokalen Markt. In: Vorlesung "Siedlungsstruktur und Verkehr", Technische Universität Wien, Winter 1993/94.
[49] Hermann Knoflacher: Zur Harmonie von Stadt und Verkehr- Freiheit vom Zwang zum Autofahren, Wien 1993. S.23.
[50] Hermann Knoflacher: Zur Harmonie..., S.31-34.
[51] Stuart Pigott: Vorgeschichte Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1. S.91.
[52] Rudolf H.Strahm: Warum sie so arm sind - Arbeitsbuch zur Entwicklung der Unterentwicklung in der Dritten Welt mit Schaubildern und Kommentaren, Wuppertal 1985. S. 58 und 78.
[53] Goscinny, Uderzo: Asterix in Spanien, Band 14, Paris 1969. Deutsche Ausgabe, S. 39.
[54] Andrea Caspari: Den Niedergang aufhalten in ländlichen Gebieten. In: LEDA-magazin, S.6. "LEDA ist ein Programm der Generaldirektion V 'Beschäftigung, Soziale Angelegenheit und Bildung' und wird von John Morley, Leiter der Abteilung Beschäftigungspolitik und Arbeitsmarkt V/B/1 in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen Gerda Löwen, Makis Potamianos und Miguel Vincente Nuñez geleitet."
[55] Yoshito Otani: Ausweg, Band 3, "Die Bodenfrage und ihre Lösung", Hamburg 1981. S.18-20. Zitiert in: Kennedy, S.54.
[56] Kennedy, S.55.
[57] Kennedy, S.57
[58] Stuart Pigott: Vorgeschichte Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1. S.97.
[59] Stuart Pigott: Vorgeschichte Europas., Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 1. S.266.
[60] Inmaculada Jiménez Arques, Olga Anabitarte Urrutia, Carmen Padilla Montoya: Arquitectura popular de Soria.
[61] Carlos Flores, Arquitectura Popular Española, Madrid 1973. (Band 3).
[62] M.a Rosario Miralbés, Contribución al Estudio Geoeconomico de Soria, Zaragoza 1967.
[63] Herrero Ayllón, Antón Pacheco: La casa pinariega, Studie (1933). Veröffentlich in 'Celtiberia', Nr.5, 1953, S.101 bis 119.
[64] Juan de Villanueva: Arte de Albañileria.
[65] Alfons Dworsky: Regionales Bauen - regionalistische Architektur. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.184-193.
[66] Biogasanlage System Weymelka
[67] Gerlind Weber: Keine Ortsplanung ohne Bodenpolitik! - Das Beispiel Berndorf sollte Schule machen. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992. S.131
[68] Gerlind Weber, S.133
[69] Prof. Hermann Knoflacher: Vorlesung Grundlagen der Verkehrsplanung, 1993/94. Technische Universität Wien.
[70] Manuela Gappmayer: Peripher und dezentral- Vier Telehäuser versuchen die Telekommunikation in strukturschwachen Landgebieten nutzbar zu machen. In: VCÖ-Zeitung, Nr.10, Dez. 1993.
[71] Ulrich Conrads: Umwelt Stadt- Argumente und Lehrbeispiele für eine humane Architektur, München 1973. S.135.
[72] Brunhilde Scheuringer: Das Dorf im Spannungsfeld sozialen Wandels. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.20-36.
[73] Brunhilde Scheuringer: Das Dorf im Spannungsfeld sozialen Wandels. S.33.
[74] Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1956. Band 1, S.293-294.
[75] Winfried Herbst: Die verlorene Kunst des Wachsenlassens- Über das verhältnis der Dorferneuerung zur Ökologie. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.141-150.
[76] Robert Jungk, Norbert R. Müllert: Zukunftswerkstätten- Wege zur Wiederbelebung der Demokratie, Hamburg 1981. S.22.
[77] Leopold Kohr, 1981. In: ORF: Die kranken Riesen- Franz Kreuzer im Gespräch mit Leopold Kohr, Egon Matzner und Erhard Busek, Wien 1981. S.20-25.
[78] Leopold Kohr, 1981. S.30.
[79] Karlo Hujber: Dorferneuerung als Prozeß auf der Grundlage der Bildungs- und Kulturarbeit. In: Herbert Dachs(Hrsg.): Das gefährdete Dorf, Salzburg/ Wien 1992.S.160-168.
[80] Myles Dillon, Nora K.Chadwick: Die Kelten. Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes, Band 17. S.170.